Skoda Peaq: Hoch hinaus mit neuem Flaggschiff

Einstiegspreis bei unter 50.000 Euro

Skoda Peaq: Hoch hinaus mit neuem Flaggschiff
Der neue Skoda Peq startet in Deutschland bei rund 50.000 Euro. © Mertens

Da ist er nun: der Skoda Peaq, das vierte Elektroauto der Marke. Seine Premiere feierte das neue Flaggschiff der Tschechen dort, wo es bei diesem Modellnamen am meisten Sinn macht. Auf einem Berg.

Der Name ist Programm. Ein Auto, das man Peaq nennt, stellt man natürlich dort vor, wo es die Modellbezeichnung vermuten lässt. Auf einem Gipfel. Zur Weltpremiere des neuen Flaggschiffs der Marke hat Skoda nach Frankreich geladen, auf den 1100 Meter hohen Mount Salevé. Hier enthüllte Skoda-Chef Klaus Zellmer am Dienstagabend den Peaq.

Der 4,87 Meter große Peaq steht ab sofort nicht nur an der Spitze des Modellportfolios, sondern ist zugleich das vierte rein elektrische Fahrzeug (neben Enyaq, Elroq und Epiq) der erfolgsverwöhnten VW-Tochter.

Absatzplus beflügelt

Dass, was früher Porsche innerhalb des VW-Konzerns war, ist mittlerweile Skoda: die Marke gehört dank einer intelligenten Modellpolitik und einer mehrheitsfähigen Designsprache zur Ertragsperle des Unternehmens, auch wenn Zellmer von solchen Vergleichen nichts hören will. „Den Titel zu erringen, ist einfacher, als ihn zu verteidigen“, bemüht Zellmer eine Analogie aus dem Sport.

Doch nachdem Skoda im Vorjahr wieder Rekordwerte bei über einer Million abgesetzter Fahrzeuge präsentieren konnte, läuft es auch in diesem Jahr für die Marke erfolgsversprechend: im ersten Quartal lieferte man weltweit 271.900 Fahrzeuge aus, ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Finanzzahlen erhöhte sich der Umsatz auf 7,9 Milliarden Euro (+9,1 Prozent), das Betriebsergebnis auf 660 Millionen Euro (+20,9 Prozent). Es ist zugleich der höchste Wert für ein erstes Quartal in der Geschichte der Marke, die übrigens auf eine Umsatzrendite von 8,3 Prozent kam.

Angebot an Stromern verdoppelt

Zurück zum E-Angebot der Tschechen: Innerhalb einiger Wochen hat Skoda mit der gestrigen Präsentation des Peaq sein Angebot an Elektromodellen verdoppelt, nachdem man erst vor ein paar Wochen in Zürich seinen neuen Einstiegsstromer Epiq präsentiert hatte. Er wird für einen Einstiegspreis von rund 26.000 Euro angeboten – und soll den Absatz von Skoda weiter beflügeln. Zellmer erwartet, dass der Epiq sich noch besser verkauft als der Elroq, der bisherige Elektro-Bestseller. Von dem wurden im Vorjahr annähernd 100.000 Einheiten verkauft – der Epiq soll dies deutlich übertreffen.

Im Vorjahr war der Elroq übrigens das zweiterfolgreichste BEV in Europa, der Enyaq rangiert auf Platz fünf. „Derzeit machen unsere E-Modelle 27 Prozent unseres Absatzes aus“, sagt Zellmer, „und da sind der neue Epiq und der Peaq, der ja erst im Herbst kommt, noch nicht einmal einberechnet“. Für dieses Jahr erwartet der Skoda-Chef einen BEV-Anteil von 30 Prozent, im kommenden Jahr dürften es mit der vollen Verfügbarkeit der beiden neuen Modelle noch einige Prozentpunkte mehr werden.

Siebensitzer als Kaufgrund

Lounge-Athmosphäre im Innenraum: die Sitze im Skoda Peaq lassen sich in Liegeposition bringen. Foto: Skoda

Der Peaq jedenfalls, der Platz für bis zu sieben Personen bietet und in der Länge nur noch vom Superb Combi (4,90 Meter) überboten wird, ist für die Marke „ein Brandshaper“, sagt Entwicklungsvorstand Johannes Neft. Dabei ist der Peaq 11,6 Zentimeter länger als der Kodiaq, der ebenfalls als Siebensitzer angeboten wird. Und bereits der trifft den Geschmack der Kundinnen und Kunden. Denn mehr als 40 Prozent der Bestellungen entfallen auf diese Variante. Es sind also gute Aussichten, dass der Peaq mit seinen optional sieben Sitzen gerade bei Familien mit viel Platzbedarf Anklang findet. Zum Verdruss der Wolfsburger gibt es dort im Portfolio kein vergleichbares Auto wie den Peaq.

Zellmer erwartet dann auch, dass der neue Stromer neue Kundinnen und Kunden zur Marke bringen wird. Der Peaq, so Zellmer „erweitert unsere Attraktivität auf neue Kundengruppen und bietet gleichzeitig weiterhin die Eigenschaften, die unsere Kunden schätzen – Geräumigkeit, Praktikabilität und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Für Familien ist er damit ideal – und bezahlbar, wobei das Gros der Kundinnen und Kunden sich ohnehin für das Leasing entscheidet. Wie dem auch sei: in der Preisliste startet der Peaq Selection 60 in Deutschland bei 49.900 Euro. Dafür bekommt man ein Fahrzeug mit einer Leistung von 204 PS und Heckantrieb. Die Batteriegröße liegt beim Einstiegsmodell übrigens bei 63 kWh (Netto 59 kWh) und bietet 450 Kilometer Reichweite. Die Sportline-Variante startet übrigens bei 54.800 Euro.

Sie lässt sich in 27 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Ein 800 Volt-System hat der Peaq indes nicht, da es die MEB-Plattform nicht hergibt. „Wir haben das Maximum aus der MEB-Plattform herausgeholt“; sagt der Entwicklungschef. Dass man keine 800 Volt-Architektur hat, sei indes verschmerzbar, so Neft, der auf eine gute und damit lineare Ladekurve des Peaq verweist – und die Effizienz. Sie liegt bei der Einstiegsvariante bei 17,5 kWh/100 km. Erreicht werden konnte dies auch durch aerodynamische Optimierungen. Der cW-Wert des Peaq liegt bei gerade einmal 0,249.

Deutlich über 600 Kilometer Reichweite

Die Kofferraumabdeckung lässt sich im Frunk des Skoda Peaq verstauen. Foto: Skoda

Daneben ist auch noch ein 91 kWh-Akku (netto 86 kWh) im Angebot, der für eine Reichweite von bis zu 640 Kilometer gut sein soll. So einen großen Akku gibt es sonst in keinem anderem Stromer der Tschechen. Die Batteriesysteme werden übrigens am Skoda-Stammsitz in Mlada Boleslav gefertigt. Neben den zwei Batteriegrößen sind übrigens drei Leistungsstufen im Angebot: neben den 204 PS noch 286 PS und 299 PS.

Neben Familien will Skoda aber auch noch stärker im Flottenmarkt auftrumpfen. Hier sei man zwar bereits gut mit Fahrzeugen wie dem Superb und Kodiaq vertreten, doch mit dem rein elektrischen Peaq habe man nun auch ein entsprechendes Angebot, so Vertriebsvorstand Martin Jahn. Er misst der Peaq übrigens auch eine große Relevanz als Management-Fahrzeug zu. Dieses Klientel würde ein Auto mit Prestige suchen, was man aber auch in der Freizeit mit der Familie nutzen könne. Der Frunk wartet übrigens – typisch Skoda – mit einer Simply-Clever-Lösung auf: hier gibt es eine Aussparung für die Kofferraumabdeckung. Damit entfällt das leidige Suchen nach einer Ablagemöglichkeit.

Modern Solid-Design spricht an

Klar strukturiert: das Ciockpit des Skoda Peaq. Foto: Skoda

Äußerlich fährt der Peaq mit dem so genannten Modern Solid-Design vor. Dazu gehört u.a. eine Front mit dem beleuchteten, glänzend schwarzen Tech-Deck-Face und der LED-Hintergrundbeleuchtung. Die Designsprache ist durch klare Linien, Minimalismus geprägt. Zum Auftritt des Peaq gehört auch ein Panoramadach. Es kommt auf eine Fläche von 2,1 Quadratmetern und dunkelt sich selbst ab („Dynamic Shade Control“). Das Panoramadach ist dabei in neun einzeln steuerbare Segmente unterteilt.

Im Innenraum schauen die Fahrerin oder der Fahrer während der Fahrt auf ein 10 Zoll großes Fahrerdisplay und einen 13,6 Zoll großen Touchscreen. Optional ist auch ein Head-up-Display im Angebot. Unterhalb der Mittelkonsole findet sich eine kabellose Ladefunktion (Qi.2-Standard) mit einer Ladeleistung von bis zu 25 W. Der Clou daran: das Smartphone überhitzt während des Ladens nicht.

Ohnehin ist der Peaq auf Komfort ausgerichtet. So gibt es nicht nur Komfortsitze (beheizt und belüftet), sondern die lassen sich auch in eine Liegefunktion bringen. Unterwegs sorgt das optionale DCC (Dynamic Chassis Control) dafür, dass Dämpfer- und Federungscharakteristik den entsprechenden Straßenverhältnisse in Millisekunden angepasst werden. In flotter gefahrenen Kurven wird es straffer, wird die Beschaffenheit des Asphalts schlechter, wird es weicher. Wer Wert auf Sportlichkeit legt, der kommt im Peaq auch nicht zu kurz: Die Allradvariante sprintet von 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden, bei den kleineren Akkus sind es 7,1 Sekunden bzw. 8,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h bzw. 180 km/h.

Flottengeschäft forcieren

In Deutschland, dem wichtigsten Markt von Skoda, blickt man dem Marktstart des neuen Modells ebenfalls voller Zuversicht entgegen. „Der Peaq wird uns ohne Frage helfen, unser Flottengeschäft zu stärken“, ist Deutschlandchef Frank Barwasser überzeugt. Mit Blick auf den Peaq als Siebensitzer erwartet Barwasser, dass „40 bis 50 Prozent der Kundinnen und Kunden sich für die Variante mit sieben Sitzen entscheidet“.

Der neue Skoda Peaq. Es ist das Elektro-Flaggschiff der Marke. Foto: Mertens

Das Deutschlandgeschäft von Skoda befindet sich derzeit – wie bereits in den Vorjahres – auf Erfolgskurs. Per Mai liegen nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) die Neuzulassungen bei 103.255 Einheiten (+16,3 Prozent). Zu diesem Zulassungsplus tragen dabei in besonderem Maße die E-Autos der Marke bei. Sie machen einen Anteil von derzeit 30 Prozent der Zulassungen aus. „Mit Epiq und Peak erwarten wir einen Anteil von 33 bis 35 Prozent“; so Barwasser. Dass die Nachfrage nach den E-Autos der Marke derzeit so hoch ist, liege natürlich auch an der ausgelobten Kaufprämie, aber nicht primär. „Viele Kundinnen und Kunden entscheiden sich wegen der gestiegenen Spritpreise für den Kauf eines E-Modells.“

Mit Blick auf den Peaq erwartet Barwasser, dass mehr als ein Viertel des geplanten Absatzes des neuen Flaggschiffs in Deutschland gemacht werden. Und wie viele Autos sollen es weltweit werden? Dem Vernehmen nach global um die 50.000 Einheiten. Und was kommt nach dem Peaq? Vorerst nichts, auch wenn vieles vorstellbar sei, so Zellmer. Eines ist aber klar. Der Skoda Vision O kommt definitiv, wohl aber nicht vor 2030. Bis dahin müssen sich die Kunden mit vier Modellen begnügen. Vorerst. Aber Skoda ist bekanntlich immer für Überaschungen gut.

Keine Beiträge vorhanden