Skoda hat an seinem Stammsitz in Mlada Boleslav eine neue Fertigungsstätte für Batteriesysteme eröffnet. Damit will man sich auch resilienter von asiatischen Zulieferern machen.
Die VW-Tochter Skoda hat am Freitag am Stammsitz im tschechischen Mlada Boleslav nach noch nicht einmal einjähriger Bauzeit ein neues Montagewerk für Batteriesysteme eröffnet.
Auf einer Fläche von 55.000 Quadratmetern wird täglich von 600 Mitarbeitern alle 60 Sekunden ein Batteriesystem montiert: Pro Tag werden mehr als 1100 Einheiten produziert, pro Jahr sind das bis zu 335.000 Einheiten.
Das Skoda-Stammwerk ist der erste Standort des Volkswagen Konzerns in Europa, an dem Cell-to-Pack-Batteriesysteme für den Einsatz in elektrischen Volumenfahrzeugen hergestellt werden. Im Skoda-Werk werden bereits seit 2019 Batteriesysteme montiert. Seither hat man 1,4 Millionen Einheiten für Modelle auf der MEB-Plattform produziert. Nun baut man seine Aktivitäten aus – und reduziert damit die Kosten und Abhängigkeiten von Zulieferern.
Kosten um 30 Prozent reduziert
Wie wichtig das für bezahlbare E-Autos ist, zeigt der Blick auf die Kosten bei einem E-Auto, bei dem allein 40 Prozent auf die Batterie entfallen. Wer also Stromer günstiger machen will, muss die Preis der Akkus reduzieren, Zudem müssen sich die Hersteller unabhängiger von asiatischen Batterielieferanten machen. Zulieferer wie LG, CATL, Samsung SDI, BYD und Panasonic vereinen mehr als 95 Prozent des Marktvolumens auf sich.
Kostenseitig geht die Rechnung für Skoda und die gesamte Markengruppe Core (Skoda, VW Pkw und Nutzfahrzueg, Seat/Cupra) auf. Durch die Verwendung u.a. von Einheitszellen, der Einführung von LFP-Chemie und dem Insourcing des Cell-to-Packprozesses konnten die Batteriekosten bereits um 30 Prozent gesenkt werden, wie Skoda-Chef Klaus Zellmer beim Produktionsstart sagte. Davon profitiert die gesamte Markengruppe, die mit Batteriesystemen aus Tschechien beliefert wird.
„Mit dem neuen Batteriesystem auf Basis Cell-to-Pack Bauweise und Einheitszelle beschleunigen wir den technologischen Fortschritt und stärken die Resilienz des Konzerns“, so VW-Konzernvorstand Thomas Schmall, der die Technik bei den Wolfsburgern verantwortet. Wie er betonte, böte die neue Batterietechnologie „dem Konzern und seinen Marken maximale Flexibilität: Neben der NMC-Chemie bringen wir damit jetzt auch LFP in unsere Fahrzeuge, weitere Zelltechnologien und Innovationen werden zügig folgen“. Mit den Batterien können sowohl Fahrzeuge des Einstiegssegments bis hin zum Performance.-Bereich versorgt werden. Neben dem spanischen Werk in Martorell ist Mlada Boleslav der nächste Fertigungsstandort für das neue MEB+-Batteriesystem.
Investitionen von 205 Millionen Euro
In die neue Produktionsstätte hat Skoda 205 Millionen Euro investiert – und sie in Rekordzeit in weniger als einem Jahr errichtet. Viele würden immer von China-Speed reden, sagte Skoda-Produktionsvorstand Andreas Dick, „wir nennen das Czech-Speed“, so der Manager.
Dem pflichtete auch Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš bei, der zugleich die Investition des Herstellers in den Standort lobte – und sich dabei als Verfechter des Verbrennungsmotor gab. Vom Verbrenner-Aus 2035 hält der Politiker nichts, wie er in seiner Rede sagte. Bei der EU will er weiter dagegen kämpfen. Um die Wettbewerbsfähigkeit seine Landes zu steigern, wandte sich Babiš zuletzt wegen der aus seiner Sicht im europäischen Vergleich zu hohen Energiekosten in einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Skoda als Juwel der Gruppe
Wie Thomas Schäfer in seiner Rede sagte, würde Skoda mit seiner Investition „zum größten Hersteller von BEV Batteriesystemen innerhalb des Volkswagen Konzerns und zu einer zentralen Säule unserer Elektrifizierungsstrategie. Das Werk in Mladá Boleslav arbeitet im industriellen Maßstab und stärkt die europäische Batterie-Wertschöpfungskette“, sagte Schäfer, der neben der Kernmarke VW auch die Markengruppe Core verantwortet. Skoda bezeichnete Schäfer in seiner Rede als Juwel der Gruppe. Ein Lob, das Zellmer gern gehört hat – es zugleich an das gesamte Team weitergab. Nur mit den Skodianern seien Erfolge, die die Marke unter Zellmers Führung schreibt, überhaupt möglich, sagte er.
Für Zellmer ist der Ausbau der Montage von Batteriesystemen mehr als nur eine Produktionserweiterung. Er bezeichnete sie als „zentralen Baustein der Transformation unserer Branche. Die Batterie ist das technologische Herzstück jedes elektrifizierten Antriebsstrangs“ – und damit verzeichnet die VW-Tochter Erfolge. Bereits 25 Prozent des Gesamtabsatzes entfallen bei Skoda auf Modelle mit elektrifiziertem Antriebsstrang, darunter auch Plug-in-Hybride.
Skoda Epiq und Peaq in den Startlöchern
Doch gerade die batterie-elektrischen Modelle der Tschechen wie der Enyaq und insbesondere Elroq verzeichnen Erfolge. Der Elroq hat sich im Vorjahr fast 100.000 Mal verkauft, gehörte in Deutschland als wichtigstem Einzelmarkt mehrmals zum erfolgreichsten BEV in der Zulassungsstatistik. In Europa war der Elroq im Vorjahr das zweitbestverkaufte E-Modell in Europa, direkt hinter dem Tesla Model Y, wie Zellmer zufrieden feststellte.
Die E-Offensive bei den Tschechen geht weiter. Erst kommt mit dem Epiq ein neuer Einstiegssstromer für einen Preis von um die 26.000 Euro, danach folgt mit dem Peaq ein Siebensitzer, mit dem man insbesondere Familien von der E-Mobilität überzeugen will. Beim Produktionsstart war er erstmals zu sehen, momentan noch verklebt. Vom Epiq übrigens will Skoda ab 2027 mehr Fahrzeuge absetzen als derzeit vom Elroq, wie Zellmer im Gespräch mit der Autogazette sagte.
Skoda jedenfalls hat bei der E-Mobilität noch viel vor, verweist auf die „Produktionskapazität von bis zu 200.000 BEV-Fahrzeugen pro Jahr“ im Stammwerk. Daneben sollen aber auch die Verbrenner-Modelle E-Unterstützung erhalten: so soll im kommenden Jahr die Mild-Hybrid-Technologie in den Einstiegsmodellen Fabia, Scala und Kamiq eingeführt.
Nachhaltigkeit bei Produktion im Fokus
Bei allen Ausgangsüberlegungen steht für Zellmer ein Aspekt im Fokus: die Nachhaltigkeit. Von daher überrascht es nicht, dass das Event unter dem Motto „Green Forward“ stand. Zu Erreichung der Nachhaltigkeitsziele trägt auch die Produktion von Batteriesystemen in Europa bei. Dadurch wü, wie er sagte. So würden Transportwege verkürzt und Ressourcen geschont. Am Standort in Mlada Boleslav stellt man auf Grünstrom um. Im Zentralkraft des Unternehmen setzt man beispielsweise für Wärme und Strom auf Biomasse statt Kohle. „Bis 2027 werden 220.000 Tonnen Kohle pro Jahr durch 400.000 Tonnen Holzhackschnitzel ersetzt – das entspricht etwa zwei Güterzügen pro Tag –, die verbrannt werden“, so der Skoda-Chef. „Insgesamt werden dadurch rund 274.000 Tonnen CO2 eingespart. „Die Dekarbonisierung geht also über das Fahrzeug selbst hinaus – sie umfasst die gesamte Wertschöpfungskette.“
Mit Blick auf die Fahrzeuge konnte Skoda die CO2-Emissionen von 2010 bis 2025 bereits um 67 Prozent reduzieren. Lagen die CO2-Emisson 2010 noch 1101 Kilogramm pro Fahrzeug, waren es im Vorjahr nur noch 367 Kilogramm. Beim Thema Kreislaufwirtschaft ist es den Verantwortlichen gelungen, die Abfallproduktion von 29 Kilogramm pro Fahrzeug von 2010 bis zum Vorjahr auf 0 zu bringen. Der Wasserverbrauch von 2,8 Kubikmeter pro Fahrzeug um 42 Prozent auf 1,5 Kubikmeter. Eines ist klar. Nur wenn auch die Produktion nachhaltig ist, stimmt auch die Klimabilanz eines E-Autos.
