Skoda erreicht Etappenziel mit Bau von Batteriesystemen

Auf Weg zur E-Marke

Skoda erreicht Etappenziel mit Bau von Batteriesystemen
Skod hat im Stamwerk Mladá Boleslav mit der Batterieproduktion begonnen. © Skoda

Skoda hat an seinem Stammsitz in Mladá Boleslav mit der Fertigung von Batteriesystemen begonnen. Damit soll langfristig auch die Elektro-Strategie anderer VW-Konzernmarken abgesichert werden.

Wie frisch lackiert sieht der Fußboden in Halle M6 auf dem Betriebsgelände von Škoda Auto etwa 60 Kilometer nordöstlich von Prag aus. Auf der fußballfeldgroßen Fläche könnte bald eine zweite Produktionslinie entstehen.

Nebenan ist mit rund 250 Arbeitnehmern gerade die Fertigung von Batteriesystemen für Fahrzeuge des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) angelaufen. Nicht nur für das Modell Enyaq iV werden dort bis zu 250.000 Akkus unterschiedlicher Kapazität montiert, sondern auch für Strom-Pkw der Marken Volkswagen, Audi und Seat. „Damit haben wir ein weiteres wichtiges Etappenziel erreicht, um die Transformation unseres Unternehmens Richtung Elektromobilität erfolgreich zu gestalten“, sagt Skoda-Produktionsvorstand Michael Oeljeklaus.

Fehlende Teile beeinflussen Produktion

Was er nicht sagt: Schon bei den konventionell angetriebenen Autos ist die Produktion der tschechischen Traditionsmarke hier und da ins Stocken geraten. Aufgrund weltweiter Lieferketten-Probleme warten mehr als 50.000 Fahrzeuge in Mladá Boleslav und Umgebung auf ihre endgültige Fertigstellung. Mal sind es Kabelbäume, die fehlen, mal Steuerungs-Chips, zusätzlich hat ein Brand bei einem Zulieferer den Nachschub an Türverkleidungen unterbrochen.

Für die neuen Akkus werden ebenfalls kaum Komponenten selbst hergestellt, von den Akku-Zellen bis hin zu den Gehäuseteilen wird Nachschub von externen Firmen gebraucht. Christian Bleiel, Leiter der Komponentenfertigung, bleibt optimistisch: Bis Ende 2023 werde Škoda Auto „die zweite Ausbaustufe ans Netz bringen und in der Lage sein, insgesamt über 380.000 Batteriesysteme pro Jahr zu fertigen.“

130 Millionen in Batteriefertigung investiert

Ein Roboter verschraubt die Batterie-Module. Foto: Skoda

Ohne ein ordentliches Maß an Optimismus geht es derzeit nirgends in der Automobil-Produktion. In Mladá Boleslav hat Škoda 130 Millionen Euro in die Batteriefertigung investiert und nach Braunschweig den zweiten Standort des VW-Konzerns dafür geschaffen. Bei der Zellen-Produktion will man sich durch die Zusammenarbeit mit Northvolt Ett in Schweden sowie neue Fabriken in Spanien und Salzgitter von Zulieferern aus China und Korea unabhängiger machen. Produktionschef Oeljeklaus: „Bis 2030 wollen wir in allen drei tschechischen Werken E-Komponenten oder E-Fahrzeuge fertigen“.

Da Mladá Boleslav um etwa ein Drittel näher an Zwickau liegt als Braunschweig, wird auch die dortige ID-Produktion von den tschechischen Akkus profitieren. Drei Größen von MEB-Batteriesystemen kann die neue Fertigungslinie liefern. Die Kleinste beinhaltet acht Module zu je 24 Zellen und hat eine Kapazität von 55 Kilowattstunden (kWh), die Mittlere besteht aus neun Modulen (62 kWh) und die Größte hat zwölf Module mit 82 kWh. Sie wiegt allein rund 500 Kilogramm und soll den Fahrzeugen eine Reichweite von 540 Kilometern ermöglichen.

Sie können mit einer Ladeleistung von bis zu 135 Kilowatt befüllt werden. Mehr als 30 Roboter übernehmen den vollautomatischen Teil der Herstellung. Die Akkus werden künftig nicht nur für den Enyaq iV gebraucht: Bis 2030 will Škoda drei weitere batterieelektrische Modelle auf den Markt bringen, die in Größe und Preis unterhalb des Enyaqs rangieren.

Batterie-Produktion ein komplexer Prozess

Unweit der Halle M6 kann man jetzt schon live erleben, wie die moderne Belegung von Produktions-Straßen funktioniert. Am Band im Komplex M13 werden außer den 18 möglichen Karosserie- und Antriebsvarianten des Modells Octavia auch die E-Autos Enyaq iV zusammengebaut.

Mit Hilfe eines ausgeklügelten Zuliefer-Systems für Elektromotoren und Batterien, für Erdgas-Motoren und konventionelle Diesel- oder Benzin-Verbrenner erreicht immer genau das Teil den Montageschritt, den die Vervollständigung der individuellen Kunden-Bestellung erfordert – wenn alles verfügbar ist. Das System würde auch eine Mehrmarken-Belegung zulassen, bei der auf einen Škoda zum Beispiel ein Volkswagen, ein Audi oder Seat folgt.

Zweite Produktionslinie angedacht

Ein Mitarbeiter bei der Verkabelung des Akku-Packs. Foto: Axel F. Busse

Dabei ist bereits die neue Batterie-Produktion aus etwa 300 Einzelteilen ein technisch und logistisch hochkompliziertes Verfahren. Von der leeren Batteriehülle bis zum Abtransport des fertig montierten, teilgeladenen und durchgeprüften Leistungsakkus vergehen rund drei Stunden. Die Taktung für das einzelne Stück beträgt jedoch nur gut eine halbe Minute. Anschließend geht es vollautomatisch ins Hochregallager, wo die Verweildauer auf maximal drei Tage berechnet ist.

Innerhalb des Werksgeländes erfolgt die Weiterverfrachtung per Elektro-Lkw, denn auch Škoda hat sich auf die Fahne beschrieben, am Ende eine durchgehend nachhaltige und emissionsfreie Produktion zu bewerkstelligen. Ob die zweite Produktionslinie tatsächlich auf dem noch blanken M6-Hallenboden entsteht, wird voraussichtlich im Sommer in Wolfsburg entschieden. Ein Standort „im Osten Europas“ sei wahrscheinlich, sagt Michael Oeljeklaus, „wir kämpfen darum“.

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