Neuwagengeruch: Hitze sorgt für Schadstoffbelastung

Neuwagengeruch: Hitze sorgt für Schadstoffbelastung
Der ADAC hat die Schadstoffbelastungen im Innenraum vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) prüfen lassen. © Fraunhofer IBP

Käufer eines Neuwagens kennen es: den typischen Neuwagengeruch. Gerade Hitze sorgt bei der Innenraumluft für mehr Schadstoffe. Eine Gesundheitgefahr besteht aber nicht.

Der typische Geruch eines Neuwagens ist laut ADAC nicht nur Geschmackssache. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat der Automobilclub untersucht, wie stark die Innenraumluft aktueller Pkw-Modelle mit Schadstoffen belastet ist. Das Ergebnis: Von keinem der getesteten Fahrzeuge ging eine akute Gesundheitsgefahr aus. Allerdings können Hitze und direkte Sonneneinstrahlung die Konzentration einzelner Stoffe deutlich erhöhen.

Für die Untersuchung analysierten die Experten vier unterschiedlich alte Fahrzeuge – vom 39 Tage alten VW Golf eTSI bis zum sieben Monate alten Hyundai Kona Hybrid – in einer speziellen Prüfkammer. Gemessen wurden unter anderem flüchtige organische Verbindungen (VOC), die aus Kunststoffen, Klebern, Lacken oder Reinigungsmitteln ausgasen können. Laut ADAC lassen sich in Neuwagen häufig mehr als 150 unterschiedliche Substanzen nachweisen. Als zentraler Indikator für die Innenraumluft gilt dabei der sogenannte TVOC-Wert, der die Gesamtmenge dieser Stoffe zusammenfasst.

Je jünger das Fahrzeug, desto mehr Belastung

Grundsätzlich zeigte sich: Je jünger das Fahrzeug, desto höher die Belastung. Besonders auffällig war ein lediglich 39 Tage alter VW Golf, dessen TVOC-Wert mehr als fünfmal höher lag als bei einer Nachmessung nach rund 200 Tagen. Auch der BYD Seal 6 DM-i Touring wies vergleichsweise hohe Werte auf. Im Normalmodus bei 23 Grad blieben zwar alle Fahrzeuge unter dem ab 2027 geltenden EU-Grenzwert für Formaldehyd. Wurden die Autos jedoch künstlich aufgeheizt, etwa wie nach längerem Parken in der Sonne, stiegen die Konzentrationen teils deutlich an.

Beim BYD überschritten die gemessenen Xylol-Werte den Vorsorgerichtwert. Die Stoffgruppe kann unter anderem Augen- und Schleimhautreizungen sowie Kopfschmerzen verursachen. Beim jungen Golf lagen zudem die Benzol-Werte oberhalb des empfohlenen Leitwerts. Durch das Einschalten von Lüftung oder Klimaanlage sank die Schadstoffbelastung in allen Fahrzeugen jedoch deutlich.

Nach Standzeit durchlüften

Zusätzlich bewerteten Prüfer den subjektiven Geruchseindruck im Innenraum nach dem VDA-270-Standard. Der Dacia Spring schnitt dabei mit Noten zwischen 2,5 und 3,0 am besten ab. Der VW Golf erhielt im aufgeheizten Parkmodus die Note 4 („störend“). Auffällig: Trotz deutlich gesunkener Schadstoffwerte verbesserte sich der Geruchseindruck des Golf auch nach rund 200 Tagen kaum.

Der ADAC empfiehlt daher, Neuwagen insbesondere nach längerer Standzeit in der Sonne gründlich durchzulüften und während der Fahrt möglichst Frischluft statt Umluftbetrieb zu nutzen. Hält ein ungewöhnlich starker Geruch über Wochen an, könne dies unter Umständen sogar einen reklamierbaren Mangel darstellen. (SP-X)

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