Renault gelingt das, wozu VW erst im Jahr 2027 in der Lage sein wird: ein Auto für unter 20.000 Euro anzubieten. Wir waren mit dem elektrischen Kleinstwagen unterwegs.
Dieses Auto, da ist sich Renault-Markenchef Fabrice Cambolive sicher, wird den Markt bei der Elektromobilität radikal verändern. Der Manager spricht über den neuen Twingo. Der elektrische Kleinstwagen wird in diesen Wochen in Europa für einen Preis von knapp unter 20.000 Euro eingeführt. „Der Twingo ist ein Disruptor“, sagt Cambolive im Interview mit der Autogazette.. Klar, in seiner Position muss Cambolive so etwas sagen, der zugleich auch Chief Growth Officer der Renault Group ist.
Doch Unrecht hat der Topmanager damit nicht. Denn dem französischen Autobauer gelingt mit dem Twingo etwas, zu dem Volkswagen erst 2027 mit dem ID.Every 1 in der Lage sein wird: ein für breite Bevölkerungsschichten bezahlbares Elektroauto anbieten zu können. Eigentlich hätten beide Modelle im Rahmen einer Kooperation entstehen sollen, doch dazu kam es nicht. Unter anderem auch wegen unterschiedlicher Auffassungen über den Produktionsstandort, Stückzahlen und Widerständen der Gewerkschaft wegen der Auslastung der VW-Werke. Nun macht es Renault allein – und reibt sich zufrieden die Hände, sich unter den europäischen Herstellern mit in einer Vorreiterrolle bei bezahlbarer Elektromobilität zu befinden.
Getrimmt auf Erfolg
Der Twingo wird dem Absatz der Kernmarke Renault in Europa „viel Dynamik bringen“, ist Cambolive überzeugt. Deutschlandchef Florian Kraft geht sogar davon aus, dass der Twingo mittelfristig zum erfolgreichsten Modell im Portfolio aufsteigt, wie er im Podcast der Autogazette sagte. Und wie schaut es in Europa aus? Da gibt sich der Markenchef noch zurückhaltend. „Wir werden sehen, wie es läuft: momentan gehen wir davon aus, dass sich der Twingo beim Absatz auf dem Niveau des R5 bewegen wird.“
Der neue Twingo jedenfalls bringt abseits des Preises vieles mit, ein Erfolg zu werden. Das Team um Chefdesigner Laurens van den Acker („Wir brauchen kleinere Autos, nicht größere“) hat das Retro-Design des Ur-Twingo gekonnt in die Jetztzeit transferiert. Der Twingo schaut einen mitr seinen geteilten Tagfahrleuchten sympathisch an – und das setzt über die Seite bis zum Heck fort. Design gehört zwar zu einem der mitentscheidenden Kaufgründe, aber die inneren Werte sind für den Alltagsnutzen noch wichtiger.
Verschiebbare Rücksitze
Und hier überrascht der 3,79 Meter lange Twingo den Fahrer und den Beifahrer mit einem überraschend großzügigem Raumangebot. Selbst großgewachsene Fahrer mit einer Körpergröße um die 1,90 Meter sitzen bequem, finden auch ausreichend Kopffreiheit vor. Dieses Raumgefühl ist auch das, was Cambolive besonders am neuen Twingo schätzt: „Bereits wenn man in den Twingo einsteigt, fühlt man dieses gute Raumgefühl.“
Im Fond geht es zwar nicht ganz so großzügig zu, doch auch hier können nicht allzu große Mitreisende mehr oder minder anständig auf kürzeren Strecken sitzen. Ein nettes Feature findet sich im Fond: hier wartet der viersitzige Twingo mit einer um bis zu 17 Zentimeter verschiebbaren Rückbank auf. Dabei lassen sich die Einzelsitze jeweils separat verschieben. Entsprechend variabel lässt sich der Platz im Innenraum und damit auch das Kofferraumvolumen gestalten: so findet sich dort – je nach Position der Sitze – zwischen 260 und 360 Liter Platz fürs Gepäck. So nett wie dieses Feature, ist auch die moderne Gestaltung des Innenraum. Hier findet sich zwar an der Mittelkonsole und den Türinnenverkleidungen viel Plastik, doch das fällt in dieser Fahrzeugklasse nicht störend auf.
Wer übrigens sein Fahrzeug mit der Lackierung „Yellow-Mango“ ordert, der findet diese Farbe auch in der Mittelkonsole wieder – und wer mag, der kann sogar seinen Autoschlüssel in dieser Farbe ordern. Erstmals in dieser Klasse kommt im Twingo auch Google Built-in samt ChatGPT zum Einsatz, was für eine einfache Bedienung und Navigation sorgt. Das digitale Instrumenten-Display ist 7 Zoll groß, das Mitteldisplay misst 10 Zoll.
Wendekreis von unter zehn Metern
Kommen wir zu den Fahreigenschaften des neuen Cityflitzers der Franzosen, der übrigens mit einem Wendekreis von 9,78 Meter aufwartet, womit wir zugleich bei den Fahreigenschaften sind. Unterwegs ist der Twingo mit einem 82 PS starken Elektromotor, der ein maximales Drehmoment von 175 Nm bietet. Das ist mehr als ausreichend, um mit dem 1,22 Tonnen schweren Kleinstwagen flott voranzukommen. 12,1 Sekunden vergehen bis Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei völlig ausreichenden 130 km/h erreicht.
Auf der Testrunde hinterließ der Twingo einen stimmigen Eindruck. Die Lenkung spricht direkt an, die Straßenlage ist gut, wobei das Fahrwerk zwar durchaus straff ausgelegt ist, aber ausreichend Komfort bietet. Mit seinem Radstand von 2,49 Meter sind Bodenwellen und schlechte Straßenverhältnisse im Innenraum aber durchaus wahrnehmbar. Doch das ist bei anderen Kleinwagen nicht anders.
Die Batterie im Twingo hat eine Kapazität von 27,5 kWh und soll für eine Reichweite von 252 Kilometer reichen. Es ist ein Wert, der mehr als realistisch erscheint. Bei den Testfahrten zeigte der Bordcomputer nach einer Strecke von 120 Kilometer durch das Hinterland von Ibiza mit den 18 Zoll-Reifen einen Verbrauch von 11,1 kWh/100 km an. Ein sehr guter Wert. Wer laden muss, der kann dies an der heimischen Wallbox mit bis zu 11 kW tun, an einem Schnelllader sind bis zu 50 kW möglich. Dann vergehen für die Ladung von 10 auf 80 Prozent 30 Minuten. Das ist für diese Klasse vollkommen in Ordnung. In der Summe seiner Eigenschaften bringt der Twingo alles mit, ein Erfolg zu werden.


