Renault R4: Der Sonne ein Stück näher

Renault R4: Der Sonne ein Stück näher
Alt und neu: der Renault 4 Plein Süd und der Plein Air. © Wolfgang Plank

Strom spielt bei Renault weiterhin eine wichtige Rolle. Der Mégane E-Tech bekommt dabei eine Runderneuerung, der R4 ein witziges Faltdach.

 

Für den Vorstoß ins elektrische C-Segment hatten sie sich bei Renault reichlich Zeit gelassen. Wie man ein Auto unter Strom setzt, wussten sie schließlich lange. Doch mit Zoe und Twingo waren es damals Kleinwagen und City-Flitzer – erst 2021 machten die Franzosen mit dem Mégane E-Tech Electric endlich auch die Kompaktklasse spannend.

Jetzt, fünf Jahre später, hat Renault den damaligen Vorreiter überarbeitet – und gleichzeitig das Angebot auf nur noch zwei Modellvarianten gestrafft. Die bisherige Basisversion mit kleinem Akku fällt weg. Zu den Preisen hält sich Renault noch bedeckt.

Megane mit gleicher Länge

Die optischen Änderungen sind eher nicht grundstürzend ausgefallen, obwohl mit Ausnahme der Scheinwerfer alle Bauteile neu sind. Das Tagfahrlicht ist dorthin gewandert, wo früher die seitlichen Lufteinlässe saßen. Die Rückleuchten behalten ihre auffällige Anordnung über die gesamte Breite bei, sind nun jedoch als 3D-Teile ohne Abdeckglas gestaltet.

Der Renault Megane hat ein Facelift erhalten. Foto: Wolfgang Plank

Geblieben ist es bei 4,20 Metern Länge und den bis zu 20 Zoll großen Rädern – wegen der größeren Batterie wuchs das Chassis in der Höhe aber um zwei Zentimeter, dazu kommt noch ein Zentimeter mehr Bodenfreiheit. Das beschert vorne reichlich Raum, der Einstieg in zweiter Reihe indes erfordert trotz des Vertikalzuwachses eine kurze Verbeugung vor dem Design. Hinter voller Bestuhlung packt der neue Mégane 389 Liter weg, mit umgeklappten Lehnen sind es 1,33 Kubikmeter.

Das Cockpit wird auch weiterhin von zwei Bildschirmen dominiert. Der flache über dem – leider immer noch fast viereckigen – Lenkrad und das stehende Multi-Media-Display in der Mitte verschmelzen zu einem spiegelverkehrt liegenden „L“ mit 774 Quadratzentimetern. Über das System openR Link lässt sich nun auf die wichtigsten Google-Dienste sowie auf eine Vielzahl von Apps im Fahrzeug zugreifen. Im Laufe des Jahres kommt auch noch der neue Sprachassistent Gemini dazu. Beim Kauf des Fahrzeugs sind drei Jahre Internetverbindung im Lieferumfang enthalten. Besonders pfiffig: Über die neue App „my rnlt“ lässt sich die Route auf dem Smartphone planen und anschließend über Google Maps direkt an das Fahrzeug senden.

Gute Assistenten

Auch in Sachen Assistenz ist der Mégane auf der Höhe der Zeit. Neu ist eine Kamera im linken A-Holm, die über die Aufmerksamkeit am Steuer wacht. Kollateralnutzen der Erkennungsfunktion: Wer ein Profil anlegt, bekommt beim Einsteigen automatisch die gewohnte Sitzposition und bevorzugte Medien angedient. Renault verspricht, die Daten ausschließlich im Fahrzeug zu speichern und nicht an einen Server zu übertragen.

Tief im Unterboden hat sich am meisten getan. Der bisherige Lithium-Ionen-Akku mit 60 kWh weicht einer LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat), die eine offizielle Reichweite von bis zu 500 Kilometern bietet (WLTP). Das sind 50 Kilometer mehr als beim Vorgängermodell. Im Zuge der Runderneuerung steigt auch die Schnellladeleistung um 35 auf 165 kW. Von 15 auf 80 Prozent gibt Renault rund 24 Minuten an – ein Viertel schneller als bisher. Für den gebräuchlicheren Wert von 10 auf 80 Prozent sind es 26 Minuten.

218 PS Leistung

Für Vortrieb sorgt ein im französischen Cléon hergestellter Synchronmotor, der nach Angaben von Renault ohne Seltene Erden auskommt und eine Leistung von 160 kW (218 PS) sowie 300 Nm Drehmoment produziert. Eine Wärmepumpe sowie die Möglichkeit zur Vorkonditionierung der Batterie sind serienmäßig an Bord. Ebenfalls ab Werk verbaut ist ein 11-kW-Lader (optional 22 kW), der über eine V2L-Funktion 220-V-Geräte mit einer Nennleistung bis zu 3.700 Watt versorgen kann.

Geblieben ist die für diese Klasse durchaus aufwendige Mehrlenker-Hinterachse, Federn und Dämpfer indes hat Renault nach eigenen Angaben ebenso modifiziert wie die Abstimmung der Lenkung. Man darf hoffen, nicht allzu sehr in Richtung Komfort, für den französische Autos nun mal unter Generalverdacht stehen. Auf Fahrspaß hoffen lässt immerhin die nur knapp schwerer gewordene Batterie, die das Gewicht des Mégane knapp unter 1,7 Tonnen hält. Die Konkurrenz ist da gerne mal drei Zentner oder sechs Ersatzräder schwerer. Der Standard-Spurt auf Tempo 100 soll laut Datenblatt gerade mal 7,6 Sekunden dauern, rauf geht’s bis 160.

Faltdach für den R4

Der Renault 4 ist nun auch mit Faltdach zu haben. Foto: Wolfgang Plank

Eher für gemütliches Cruisen gedacht ist hingegen das Open-Air-Vergnügen, das Renault sich für den R4 E-Tech ausgedacht hat. In Anlehnung an den so kompromisslos offenen wie spartanischen „Plein Air“ von 1968 bis 1971 und andere Faltdach-Modelle haben die Franzosen dem Familien-Stromer etwas Stoff gegeben. Zugegeben moderner, komfortabler und selbstverständlich elektrisch zu bewegen – aber eben immer noch textil. Gerade im boomenden Markt kleiner Elektro-SUV, glauben sie bei Renault, müsse man sich von der Masse abheben. Für Preise ab 36.300 Euro wahrlich keine schlechte Idee. Witziger ist man in diesem Segment selten an die Luft gesetzt worden

Trotz seiner für das A- und B-Segment rekordverdächtigen Abmessungen von 80 mal 92 Zentimeter öffnet und schließt das zweilagige Webasto-Dach mittels dreier Falten in nur zehn Sekunden – gesteuert per Knopfdruck oder Sprachbefehl und sogar noch bei Tempo 90. Und weil die strukturellen Komponenten aus Polymer bestehen, statt aus Metall, wiegt der „Plein Sud“ nur 19 Kilogramm mehr als ein rundum verblechter Renault 4 E-Tech. Auch weil die Dachreling entfällt und die Antenne in die Heckscheibe wandert. Einzig die Kopffreiheit variiert spürbar zum Reinmetall-Modell. Passagiere vorne gewinnen bei geschlossenem Tuch zwei Zentimeter nach oben, im Fond hingegen bleiben vier Zentimeter weniger. Sorge vor Einbrechern muss man nicht haben. Die Schienen sind bei geschlossenem Dach verdeckt, und die im Abstand von 20 Zentimetern quer verbauten Lamellen würden selbst einem messerschwingenden Finsterling roheste Gewalt abnötigen.

Weiter 150 PS Leistung

Lässt sich einfach öffnen: das Faltdach des R4. Foto: Wolfgang Plank

Ansonsten bleibt es auch in der Luftikus-Version bei 4,14 Metern Länge, 2,62 Metern Radstand, 420 Litern Frachtraum und einer Anhängelast von 750 Kilo. Der 110-kW-Motor (150 PS) bedient sich wie gewohnt aus einem 52-kWh-Akku und erlaubt eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 8,2 Sekunden sowie eine elektronisch auf 150 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit. Auch der „Plein Sud“ verfügt über einen bidirektionalen 11-kW-Lader, der den Akku in viereinhalb Stunden von 10 auf 100 Prozent füllt. Mit den maximal möglichen 100 kW an der Gleichstrom-Säule kommt man in 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent.

Der Fahrspaß indes ist ungleich höher. Dafür sorgen nicht bloß die straffe, aber keineswegs unkomfortable Abstimmung sowie die sehr präzise Lenkung – sondern vor allem die temporäre Obdachlosigkeit. Der automatische Windabweiser lässt eine Unterhaltung auch noch auf der Autobahn zu. Allerdings sollte, wer dem Himmel nah sein will, ohnehin nicht zu viel quatschen. Ach ja: Weil weniger windschlüpfig, sinkt selbstredend die Reichweite des „Plein Sud“ – um sieben auf 392 Kilometer (WLTP). Wen das allerdings ernsthaft bekümmert, der hat Luft nach oben womöglich gar nicht verdient.

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