Blick auf die letzte Reise: Probeliegen im Leichenwagen

Blick auf die letzte Reise: Probeliegen im Leichenwagen
Ein zum Bestattungswagen umgebauter Chevrolet Impala ist Teil der Dauerausstellung in Kassel. © dpa

Wie fühlt sich die letzte Reise an? Im Museum für Sepulkralkultur findet sich auch viel über die Geschichte von Bestattungsfahrzeugen.

Einmal in einem Leichenwagen Probeliegen? Das bot am Wochenende mal wieder das Kasseler Museum für Sepulkralkultur. Freunde historischer Bestattungsfahrzeuge, auch „Schwarzfahrer“ genannt, präsentierten ihre Leichenwagen – von liebevoll und aufwendig restaurierten Klassikern bis zu spektakulären amerikanischen Oldtimern.

Die Geschichte der Leichenwagen reiche weit zurück, so der stellvertretende Direktor des Museums Gerold Eppler. Früher seien es von Pferden gezogene Wagen gewesen. Im 20. Jahrhundert habe der Wandel zum motorisierten Bestattungswagen begonnen. „Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit der Technisierung immer mehr Automobile eingesetzt“, erklärt der Kunstpädagoge.

Fahrzeuge aus dem Premiumbereich

Die Fahrzeuge hätten für die Bestattungsunternehmen zunehmend an repräsentativer Bedeutung gewonnen. „Da greift ein Betrieb eben auf Fahrzeugtypen zurück, die nicht im Niedrigpreissegment angesetzt sind“, sagt Eppler. Beliebt seien daher Autos aus dem Premiumbereich geworden, etwa Chrysler- und Mercedes-Modelle. Das Image der Marke sollte auf das Unternehmen ausstrahlen. „Das hält sich bis heute“, weiß Eppler. So seien etwa BMW-Modelle als Leichenwagen nur selten im Einsatz. Die Marke habe „ein zu sportliches Image“.

Inzwischen würden oft Vans eingesetzt, die nicht sofort als Bestatterfahrzeug zu erkennen seien. Während es früher groß inszenierte Leichenzüge gab, geht man heute immer diskreter mit dem Vorgang des Leichentransports um. Wichtig sei eine würdevolle letzte Reise als Ausdruck von Wertschätzung und Respekt für den Verstorbenen.

Das Angebot des Probeliegens in einem Leichenwagen habe das Museum schon früher gemacht und es sei gut angenommen worden, berichtet Eppler. Besonders Männer zeigten sich daran interessiert. „Sie scheinen sich über das Thema Auto mit dem Thema Tod auf andere Art und Weise auseinandersetzen zu können.“ Sonst seien es eher Frauen, die sich auf die Thematik einließen. Im Museum für Sepulkralkultur in Kassel dreht sich alles um die Themen Sterben, Tod und Totengedenken – nach Angaben des Hauses ist dieses Konzept bundesweit einzigartig. (dpa)

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