In so manchen Regionen kratzen die Nachttemperaturen schon an der Gefrierpunktmarke und schmuddelig-herbstlich ist das Wetter sowieso seit Wochen. Zeit also, das Auto auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.
Man kann einen brandneuen Polo-GTI fahren oder einen in die Jahre gekommenen 5er-BMW. Wenn der Winter in den Startlöchern steht, verwischen sich sĂ€mtliche Unterschiede, weil StraĂe und Wetter jedem Wagen gleich zusetzen.
FĂŒr den nĂ€chsten freien Samstag bieten sich deshalb einige schnelle Handgriffe an, die jeder Autofahrer selbst erledigen kann. Welche und wie, das verraten wir jetzt.
1. Winterreifen
Schlaue Autofahrer wissen, dass die âO bis Oâ-Regel (Ostern bis Oktober) juristische GĂŒltigkeit hat Es zĂ€hlt nur die Witterung. Da sieht es so aus, dass normale Sommerreifen schon ab plus zehn Grad verhĂ€rten und unfalltrĂ€chtig Grip verlieren können. Das Runde muss also ins Eckige oder in diesem Fall der Satz Winterreifen ans Automobil. HĂ€lt man sich an die Vorgehensweise der Profis, kann da auch zuhause im Hof nichts schiefgehen.
ZunĂ€chst sollte das Auto auf eine flache OberflĂ€che gestellt und die Handbremse angezogen werden. AnschlieĂend werden die Winterreifen bereitgelegt. Vor dem Hochbocken des Autos mĂŒssen zunĂ€chst alle Schrauben/Muttern mit dem RadschraubenschlĂŒssel um eine viertel bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn gelöst werden.
Nach dem Hochbocken dann alle Schrauben des in der Luft hĂ€ngenden Rades herausdrehen und das Rad abnehmen. Falls das Rad festsitzt helfen leichte SchlĂ€ge gegen den Reifen (nicht die Felge). Die Position des abgenommenen Reifens wird mit Kreide auf dem Reifen notiert. HR steht zum Beispiel fĂŒr Hinten Rechts. Die Gewinde der Radschrauben des abgenommenen Reifens und auch die Nabe werden mit einer DrahtbĂŒrste gereinigt, um eventuellen Rost abzukratzen.
AnschlieĂend wird das neue Rad auf die Nabe gesetzt und die Radbolzen nach dem Eindrehen kurz angezogen - und zwar ĂŒber Kreuz. Nun kann per Wagenheber der Reifen wieder herabgelassen werden und die Schrauben werden mit einem DrehmomentschlĂŒssel bis zumeist 120 Nm angezogen. Das Festziehen kann allerdings auch nach dem Anbringen aller Reifen erfolgen, ehe an der nĂ€chsten Tankstelle der korrekte Luftdruck in die Pneus gefĂŒllt wird. AbschlieĂend werden die SommerrĂ€der frostfrei liegend eingelagert (vorher im Profil auf Steinchen u.Ă. achten und diese mit einem Schraubendreher entfernen). Nach 50 Kilometern Fahrt mit den Winterreifen werden die Schrauben noch einmal mit dem DrehmomentschlĂŒssel kontrolliert.
2. Lack
Herbst-Dreck, Regen, Streusalz sind nicht nur eine Kratzer-erzeugende Belastung fĂŒr den Lack, sondern können gerade bei Ă€lteren Autos auch fĂŒr ĂŒble Rostnester sorgen, die unschöne Optik bis hin zu handfesten TĂV-Problemen nach sich ziehen. Solange es also noch frostfrei ist, sollte man seinem Lack ein wenig Pflege zuteil werden lassen.
DafĂŒr werden im Handel je eine Flasche SprĂŒhwachs, Kunststoffpflege und ein Hand-Applikator - eine Art Schwamm -
besorgt. Da auch die sanfte WĂ€sche daheim in den meisten Kommunen aus GrundwasserschutzgrĂŒnden verboten, ist wird die nĂ€chstgelegene SB-Waschbox angesteuert. Nach dem Waschen entfernt ein weicher Gummirakel erst das ĂŒberschĂŒssige Wasser, per Lederlappen oder Mikrofasertuch wird auch noch der letzte Rest Feuchtigkeit trocken gewischt.
AnschlieĂend kommt der Kunststoffpfleger zum Einsatz, mit dem nach Anleitung alle unlackierten Kunststoffteile an der Karosserie behandeln werden. Mit dem Applikator werden dann - auf dem Autodach beginnend - alle lackierten OberflĂ€chen gleichmĂ€Ăig eingewachst. Gerade im Front-, Heck- und dem Spritzbereich hinter den RĂ€dern darf der Auftrag ruhig auch etwas dicker sein.
Die Wachsschicht ist dabei das A und O, denn sie sorgt dafĂŒr, dass nicht nur all die Wassermengen der kommenden Monate besser abperlen, sondern verhindern vor allem, dass Streusalz in direkten Kontakt mit dem Lack kommt und dort sein buchstĂ€blich Ă€tzendes Werk beginnt. Letzteres wird deshalb immer Lack-gefĂ€hrlicher, weil kommunales Streusalz lĂ€ngst mehr ist als bloĂes Natriumchlorid.
3. TĂŒren und Fenster
Bis hierhin ist das Auto zwar schon gut vorbereitet, doch neben den Reifen ist verhĂ€rteter Gummi auch noch an anderer Stelle ein Problem - und zwar an den Dichtungen der Fenster, ferner zwischen TĂŒr und Karosserie und natĂŒrlich auch der Heckklappe. Hier muss man gleich mehrere Strategien fahren:
So mĂŒssen die Dichtungsgummis der TĂŒren und versenkbaren Fenster mit einem feuchten Lappen gereinigt und mit KĂŒchenkrepp getrocknet werden. AnschlieĂend die Dichtungen hauchdĂŒnn mit einem speziellen Silikon-Pflegestift oder aber etwas Vaseline (im Notfall funktioniert auch farbloser Lippenpflegestift) bestreichen. Hier ist weniger mehr, vor allem damit man sich beim Einsteigen nicht die Kleidung beschmiert.
Dann alle Scheiben auch von innen mit Glasreiniger und KĂŒchenkrepp grĂŒndlich reinigen und dabei den RĂŒckspiegel nicht vergessen und abschlieĂend mit einem Pinsel hauchdĂŒnn etwas Multifunktionsfett (kein Ăl) auf die Verriegelungsbolzen an den TĂŒrsĂ€ulen applizieren.
Bei Autos ohne Fernbedienung am SchlĂŒsselbund empfiehlt es sich zudem, zumindest in das Schloss der FahrertĂŒr und des Kofferraums ein wenig WD-40 (fĂŒhrt jeder Zubehör-Handel bzw. Baumarkt) zu sprĂŒhen. Dieses Mittel verdrĂ€ngt Wasser und verhindert so, dass der empfindliche Mechanismus festfriert.
4. FlĂŒssigkeiten
Wasser kann einfrieren. Das sorgt nicht nur auf den StraĂen fĂŒr widrige VerhĂ€ltnisse, sondern kann auch bei den FlĂŒssigkeiten des Fahrzeugs fĂŒr Probleme bis hin zum kapitalen Motorschaden sorgen. Der finale Check gilt deshalb diesen liquiden Helfern.
Bei kaltem Motor (mindestens vier Stunden ausgeschaltet) vorsichtig den Deckel des KĂŒhlmittelbehĂ€lters aufdrehen und mittels FrostschutzprĂŒfer etwas KĂŒhlflĂŒssigkeit ansaugen. Der angezeigte Wert muss selbst im Flachland mindestens -25°C, besser -30°C anzeigen. Ist der Wert zu gering, muss ein halber Liter KĂŒhlflĂŒssigkeit abgesaugt (groĂe Kunststoffspritze oder notfalls FrostschutzprĂŒfer) und durch die gleiche Menge an fĂŒr das Auto passendem Frostschutzmittel (Betriebsanleitung) ersetzt werden. Danach den Deckel wieder festschrauben. Den WischwasserbehĂ€lter weitestgehend leeren und danach ein wintertaugliches Reinigungskonzentrat einfĂŒllen. Mit Leitungswasser den Tank restlos auffĂŒllen.
Ăl, Kraftstoff und BremsflĂŒssigkeit sind von sich aus bereits wintertauglich und bedĂŒrfen keiner weiteren Kontrolle. Allerdings sollte man die obligatorische Flasche Leitungswasser aus dem Kofferraum entfernen, damit sie nicht in einer frostigen Nacht platzt. So vorbereitet kann einem der Winter nichts mehr anhaben.




