Wenn es um die Reichweite eines Elektroautos geht, orientiert sich der Kunde am WLTP-Wert. Doch dieser Wert hat nur bedingt etwas mit der Realität zu tun. Deshalb testet der norwegische Automobilclub NAF zweimal im Jahr unter Realbedingungen.
Für das Gros der Käufer ist die Reichweite eines Elektroautos nach wie vor eines der entscheidenden Kriterien. Um zu sehen, wie weit man kommt, orientiert man sich am WLTP-Wert. Doch der ist eher theoretischer Natur. Deshalb veranstaltet der norwegische Automobilclub NAF zweimal im Jahr einen Reichweitentest. Nach eigenen Angaben ist es der weltweit größte Reichweitentest für Elektroautos. Dabei fährt man das Auto beginnend mit einem Ladestand von 100 Prozent bis zum Stillstand des Fahrzeugs mit leergefahrender Batterie. Es ist ein Test, der von den Herstellern im Winter wie auch jetzt im Sommer mit großem Interesse verfolgt wird.
Dass im Winter Elektroautos deutlich an Reichweite einbüßen, ist bekannt, doch wie schaut es im Sommer aus. Wie sehr nähern sich die Stromer dem WLTP-Wert an? Oder kommen sie sogar darüber hinaus? Sieger des „El Prix“ ist dabei nicht das Modell, das am weitesten kommt, sondern das, was im Vergleich zur offiziellen WLTP-Angabe am besten abschneidet.
Xpeng X9 um 11,4 Prozent über WLTP-Wert
Bei Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad mit Start in Oslo war dies am Ende der Xpeng X9. Der Van des chinesischen Autobauers kam bis zum Liegenbleiben auf eine Strecke von 646 Kilometer. Damit überbot er den WLTP-Wert von 580 Kilometer um 11,4 Prozent. „Das ist ein starkes Ergebnis an einem Tag mit günstigen Fahrbedingungen, mit Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad und durchgehend trockenen Straßen“, sagt Nils Sødal, leitender Kommunikationsberater beim NAF. Bei der Ladegeschwindigkeit zeigte der X9 ebenso seine Stärken und lud den Akku von 10 auf 80 Prozent in zwölf Minuten.
Hinter dem Xpeng X9 rangiert der neue Kia EV2 (Standard Range) auf dem zweiten Platz. Das kompakte SUV der Koreaner überbot mit 325 Kilometern den WLTP-Wert (308 Kilometer) um 5,4 Prozent. Auf Platz drei fuhr der Mercedes GLB 350. Das SUV der Schwaben beendete den Reichweitentest mit 593 Kilometern. Das sind 5,3 Prozent mehr als der angegebene WLTP-Wert von 563 Kilometern. Platz vier sicherte sich der Kleinstwagen Inster. Er fuhr 373 Kilometer und überbot damit den WLTP-Wert (360 Kilometer) um 3,5 Prozent.
BMW iX3 fährt am weitesten
Der BMW iX3 rangiert auf Platz zehn. Er kam auf eine Reichweite von 781 Kilometer, das sind indes nur 1,5 Prozent mehr als der angegebene WLTP-Wert (770 km). Der BMW legte damit die größte Strecke im Teilnehmerfeld zurück. „Der BMW schien den größten Teil des Tages noch weiter fahren zu können, doch das änderte sich, als in den Bergen der Abend hereinbrach. Dennoch ist es ein starkes Ergebnis für den Neuling“, sagte Sødal.
Es gab indes auch zwölf von insgesamt 24 teilnehmenden Fahrzeugen, die schlechter unterwegs waren als der angegebene WLTP-Wert. Am unteren Ende dieser Skala steht dabei der MG IM6, der 446 Kilometer zurücklegte. Das ist eine Abweichung von 11,7 Prozent zum WLTP-Wert von 505 Kilometern. „Wir waren überrascht, bei diesem MG eine so große negative Abweichung zu sehen, insbesondere da das andere MG-Modell, der S6, eine positive Abweichung von 3,4 Prozent erzielte“, so Sødal.



