Thinktanks: Keine E-Autoprämie für Plug-in-Hybride

Thinktanks: Keine E-Autoprämie für Plug-in-Hybride
Bis zur breiten Einführung von E-Autos in der EU ist es noch ein weiter Weg. © dpa

Im Vorjahr hat die Regierung ein Förderprogramm für privat genutzte Elektroautos angekündigt. Wie es ausgestaltet ist, daran wird gearbeitet. Zwei Thinktanks stellen dazu ihre Ideen vor.

Geht es nach den Thinktanks Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität, dann sollte die von der Bundesregierung im Vorjahr angekündigte Elektroauto-Prämie nicht für Plug-in-Hybride gewährt werden.

„Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Bundesregierung ein Förderprogramm für private Elektromobilität angekündigt hat. Aber noch ist die Förderung nicht konsequent zu Ende gedacht“, sagte Christian Hochfeld, der Direktor der Agora Verkehrswende. Aus seiner Sicht mache es „sowohl industrie- als auch klimapolitisch am meisten Sinn, die Förderung auf vollelektrische Antriebe zu konzentrieren“. Nur so könne die deutsche Automobilindustrie langfristig auf den Märkten der Zukunft erfolgreich sein. „Die Ausweitung der Förderung auf Plug-in-Hybride, also Verbrennerfahrzeuge mit zusätzlicher Antriebsbatterie, bringt keinen Mehrwert.“

Förderung nur für niedrige und mittlere Einkommen

Das kommende Förderprogramm erachtet auch Thomas Losse-Müller als sinnvoll, denn die teils noch höheren Anschaffungskosten eines E-Autos stellen nach wie vor „die größte Hürde beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge“, so der Direktor der Stiftung Klimaneutralität. Wie er sagte, sollten insbesondere Haushalte mit mit mittlerem und niedrigem Einkommen von der kommenden Prämie profitieren. „Das ist sozial und ökonomisch wichtig. Denn diese Haushalte kaufen vor allem in niedrigeren Preisklassen, in denen Elektrofahrzeuge bei den Gesamtkosten teurer sind als vergleichbare Verbrenner“, so Losse-Müller.

Wie er ergänzte, würden in den Preisklassen über 60.000 Euro schon jetzt E-Fahrzeuge häufig günstiger abschneiden. „Für die teureren Fahrzeugsegmente braucht es deshalb keine zusätzliche staatliche Fahrzeugförderung.“

Förderung an Kaufpreis koppeln

Wie aus dem Politikpapier der beiden Thinktanks hervorgeht, sollte sich die geplante Förderung von privat genutzten E-Autos auf Personen mit einem monatlichen Bruttoeinkommen bis 4000 Euro auf batterie-elektrische Fahrzeuge mit einem Kaufpreis bis etwa 60.000 Euro konzentrieren. Das Paper ist auf Basis einer repräsentativen Umfrage unter potenziellen Autokäuferinnen und -käufern entstanden.

Die beiden Denkfabriken sprechen sich zudem dafür aus, dass die Förderung auch Kreditfinanzierungs- und Leasingmodelle umfassen sollte. Zudem sollte es die Förderung auch für Gebrauchtwagen geben. Die geplante Förderung der Regierung sieht vor, dass Haushalte mit einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 80.000 Euro eine Basisförderung von 3000 Euro beim Kauf oder Leasing eines E-Autos oder PHEVs erhalten. Die Ausgestaltung der E-Prämie erfolgt gerade federführend im Bundesumweltministerium.

Einkommensgrenze wird kritisiert

Die Thinktanks kritisieren die von der Regierung angedachte Obergrenze von 80.000 Euro pro Haushalt; sie seien für Single-Haushalte zu hoch angesetzt. Nach den bisherigen Regelungen würden auch „alleinstehende Personen selbst dann gefördert, wenn sie etwa 8150 Euro pro Monat brutto verdienen“, heißt es in einer Presseerklärung der beiden Denkfabriken. Dort, wo ein Haushalt zwei Erwerbstätige hat, sei die Obergrenze von 80.000 Euro indes vertretbar. Dies entspreche etwa einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4300 Euro pro Person.

Die Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität erachten ein Staffelung der Förderung auch nach dem Kaufpreis als sinnvoll. Als besonders wichtig wird die Ausweitung der Förderung auch für gebrauchte E-Autos erachtet. Das wird derzeit auch von Regierungskreisen erwogen.

Markttransparenzstelle gefordert

Mit Blick auf die Ladeinfrastruktur wird ein weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur gefordert. Daneben sei es auf Basis eines Rechtsgutachtens wichtig, den Wettbewerb bei den Anbietern öffentlicher Ladeinfrastruktur zu stärken. Damit soll erreicht werden, dass die Kosten fürs öffentliche Laden gesenkt würden. Dafür sprechen sich die Thinktanks für die Einrichtung einer Markttransparenzstelle aus.

Wie aus der durchgeführten repräsentativen Umfrage unter 3000 Personen hervorgeht, komme es übrigens für 47 Prozent der Befragten grundsätzlich infrage, sich beim Autokauf für ein E-Modell zu entscheiden. 43 Prozent haben sich noch nicht entschieden oder sind skeptisch. Elf Prozent lehnen ein E-Auto ab.

Hinweis: Das Einkommen für Alleinstehende und das für zwei Erwerbstätige wurde seitens der Thinktanks korrigiert. 

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