Peugeot versucht sich ein ums andere Mal in der Oberklasse zu positionieren – und sie zu demokratisieren. Das reicht vom 626 bis zum 607 Paladine.
Weniger Beute und schrumpfender Lebensraum bedrohen den Löwen, aber seine Anpassungsfähigkeit sichert dem König des Tierreichs das Überleben. Ähnlich ist es bei Peugeot, der französischen Automarke, die seit 120 Jahren den fauchenden Löwen im Kühlergrill trägt und die ihr Revier Raubkatzen-gleich immer wieder neu absteckt.
Waren es anfangs prestigeträchtige Luxuskarossen wie die Typen 183/184, mit denen sich die Löwenmarke als Haute-Couture für die Hautevolee etablieren wollte, kam es vor 100 Jahren zum Strategiewechsel. Peugeot nahm die Kompaktklasse ins Visier: Hier sollte der ab 1925 entwickelte Peugeot 629 mit Pariser Schick reüssieren, allerdings erfolgte der Marktstart kurz vor der Weltwirtschaftskrise als Peugeot 201.
Ein genialer Marketing-Coup
Die neue Signifikation mit drei Ziffern und der Null in der Mitte erwies sich als genialer Marketingcoup, und der Absatz des feinen 201 florierte, aber für die Reichen und Mächtigen brauchte es doch ein stattlicheres Auto. So lancierte Sochaux 1934 den großen und geräumigen 601. Trotz wechselhafter Fortune glaubte Peugeot nun zu wissen, wie Luxus auf französische Art funktioniert: Mit stilvollen, multifunktionalen Autos, die auch staatstragende Aufgaben beherrschen. So beeindruckte der 601 durch 17 Versionen, darunter der Eclipse als Pionier für Coupé-Cabrios. In den 1960ern erklärten US-Medien sogar den Mittelklasse-Peugeot 404 zu einem der besten Autos der Welt, gleichauf mit Rolls-Royce. Ein Renommee, das die Entwicklung des großen 604 beschleunigte, in der Peugeot 1975 den Euro-V6 präsentierte.
Für präsidiale Aufgaben empfahl sich jedoch der Peugeot 604 HLZ mit um 62 Zentimeter verlängertem Radstand: Der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing empfing zahlreiche Staatsgäste mit der größten Limousine der Grande Nation, während etwa DDR-Staatschef Erich Honecker einen gepanzerten 604 im Normalformat präferierte.
Auch 604 als Diesel
Als größter Dieselmotorenhersteller der Welt war es für Peugeot zwingend, auch den luxuriösen 604 mit einem nagelnden Selbstzünder auszustatten: Es handelte sich um den ersten Turbodiesel Europas im Premiumsegment. Sogar in Nordamerika und Korea avancierte der Peugeot zum Botschafter französischer Lebenskultur und dennoch: Am Ende seiner zehnjährigen Karriere hatte sich der 604 in gerade einmal 153.000 Einheiten verkauft. Etwas erfolgreicher konnte sich der 1989 vorgestellte Peugeot 605 im Segment der Reiselimousinen verankern, einmal mehr in Pininfarina-Formen, aber als erstes Peugeot-Flaggschiff mit Frontantrieb. Ob Michail Gorbatschow aus der UDSSR oder Papst Johannes Paul II., fast alle Gäste von Frankreichs Präsident François Mitterrand wurden in einem 605 chauffiert.
Nicht alles, was Peugeot probierte, wurde vom Markt honoriert. Die Begeisterung für den 1999 erstmals gezeigten 4,87 Meter langen Peugeot 607 blieb gedämpft, daran änderten auch pompöse Versionen wie das in der Länge gestreckte Landaulet Paladine und das Sportwagen-Concept 607 Féline wenig. Im Jahr 2010 stoppte die Peugeot-607-Produktion nach nur 62.000 Einheiten. So geschah, was geschehen musste: Statt des geplanten Peugeot 608 folgten die bis heute aktuellen Nummern 508 und 5008. Zwei volumenstärkere Mittelklassespieler, von denen der 5008 auch Repräsentation kann: Seit Emmanuel Macron 2017 in dem Familien-SUV zu seiner Inauguration fuhr, dient dieser Peugeot dem Élysée-Palast als Staatskarosse. (SP-X)


