Man hat sich daran gewöhnt, dass Autos mit jeder Modell-Generation etwas wachsen. Aber, hoppla – der aktuelle Opel Mokka ist 13 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Warum? Das steht in unserem Praxistest.
Gerade mal 4,15 Meter misst der Opel Mokka und das liegt vor allem daran, dass es sich bei dem Auto nicht um eine eigenständige Opel-Entwicklung handelt. Er muss sich im Stellantis-Konzern die CMP-Plattform mit dem Peugeot 2008, dem DS3 und dem Citroën C4 teilen.
Allerdings ist der Mokka in diesem Quartett hierzulande das mit Abstand beliebteste Auto: Mit fast 21.000 Neuzulassungen im vergangenen Jahr erreichte er annähernd so viele wie die anderen drei zusammen.
GSE als Speerspitze
Das Modell GSE soll die sportliche Speerspitze der Mokka-Familie markieren und er tut das mit 207 kW oder 281 PS Spitzenleistung auf beeindruckende Weise. Doch entgegen der weit verbreiteten Ansicht, dass Leistung sich wieder lohnen müsse, sind die 124 Mehr-PS gegenüber dem normalen Elektro-Mokka nicht mit einem Zuwachs an Reichweite verbunden: Es kommt die gleiche 54-kWh-Batterie zum Einsatz, wie in den anderen Elektro-Mokkas. Die Buchstabenkombination „GSE“ hat übrigens Tradition unter dem Opel-Blitz: In den 70er Jahren war etwa das Modell Commodore damit verziert, ein Wagen, der aus 160 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h machte.
Das schafft im Sportmodus auch der frisch gebrühte Mokka und sprintet in weniger als sechs Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. In Normal- und Eco-Modus sind die Leistung reduziert und die Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Maximal 345 Newtonmeter zerren an der Vorderachse und damit es nicht zu Traktionsproblemen kommt, ist dort ein Sperrdifferenzial am Wirken. Mit seinen 20-Zoll-Felgen steht er selbstbewusst auf der Straße und als weiterer sportlicher Akzent sind wohl die gelb lackierten vorderen Bremssättel zu werten, die man durch die Speichen sehen kann. Offenbar ist aber im Hause Opel der allgemeine Sparzwang so erdrückend, dass die hinteren keine Farbe mehr abbekommen haben. Das sieht asymmetrisch und unfertig aus.
Beengter Platz im Fond
Wer im Mokka GSE vorne sitzen darf, kann sich freuen. Dort sind nicht nur die Platzverhältnisse auskömmlich, sondern es gibt auch sehr bequeme Sportsitze, die einen mit ihren wulstigen Wangen in schnellen Kurven aufrecht halten. Allerdings fragt man sich, warum eine Gurthöhen-Verstellung fehlt. Hinten dagegen geht es recht beengt zu, der Begriff „Beinfreiheit“ ist dort unangebracht. Wie man die Raumaufteilung geschickter hinkriegt, kann man zum Beispiel am Renault Clio sehen. Der ist noch drei Zentimeter kürzer als der Mokka, hat aber drei Zentimeter mehr Radstand und deshalb auch etwas mehr Platz für die Fondpassagiere. 310 bis 1060 Liter Kofferraum mahnen bei Mehrtages-Ausflügen zu kluger Gepäckplanung.
Die Kabinenbreite beträgt vorn 1,38 Meter, hinten sind es zwischen den Türverkleidungen noch 1,34 Meter. Die Sitzposition ist auch vorn recht tief, was wohl einem sportlich-dynamischen Fahrerlebnis zugutekommen soll. Gefördert wird dieser Eindruck aber vor allem von den 40er-Niederquerschnittsreifen. Sie melden jeden Reparaturstau auf Straßen unverblümt an die Insassen, im Falle unseres Testwagens erzeugten die montierten Michelin-Pneus obendrein gut vernehmliche Abrollgeräusche. Als Alternative zu den französischen Gummis bietet Opel auch Goodyear-Reifen an, ebenfalls mit 40er-Querschnitt auf 20 Zoll-Felgen.
Die Kapazität des 54-kWh-Akkus soll laut Hersteller eine Reichweite von 336 Kilometern ermöglichen. Der Onboard-Charger ist auf 11 kW ausgelegt, so dass man an der Wechselstrom-Säule für die Nachladung von 20 auf 80 Prozent schon mal drei Stunden einplanen sollte. Weniger als eine halbe Stunde ist laut Hersteller an der 100-kW-Gleichstrom-Tanke zu veranschlagen. Die errechnete Reichweite unseres Testwagens bei 100 Prozent Batterie-Füllstand betrug 320 Kilometer.
Auch der Preis ist sportlich
Da Opel für den GSE mindestens 47.300 Euro verlangt, soll die Ausstattung auch höheren Ansprüchen gerecht werden. Ab Werk machen außen die 20-Zoll-Alus und LED-Matrix-Scheinwerfer den Unterschied aus, drinnen gibt es viel Alcantara, ein Infotainment-Navigationssystem, beheizbares Lenkrad und ebensolche Sitze, Parkpilot, Fahrrad- und Fußgänger-Erkennung sowie einen Spurhalte-Assistenten. Zum Vergnügen einer sportlich ambitionierten Klientel sind Performance-Daten, Beschleunigungswerte und G-Force-Grafiken auf den Monitor einspielbar.
Auch wenn die mögliche Reichweite keinen Anlass zum Jubeln gibt, so bleiben die Kilometer mit dem Mokka GSE doch in guter Erinnerung. Cruisen und Sprinten mit dem leicht abgesenkten Fahrwerk und dem Sportchassis mit modifizierter Achsauslegung machen Laune. Die Lenkung ist angenehm direkt, der Federungskomfort eher robust als sänftenartig. Mit den Folgen der geringen Gummi-Überdeckung auf den Felgen kann man sich arrangieren, jedoch sollte man behutsam bleiben, denn in Bordsteinnähe gibt es keine Knautschzone.



