Neue Köpfe für neuen Opel-Kurs

«Zeit für Veränderungen»

Neue Köpfe für neuen Opel-Kurs
Opel-Interimschef Thomas Sedran. © dpa

Innerhalb von knapp neun Monaten wurde bei Opel der Vorstand fast komplett ausgewechselt. Mit den neuen Vorständen soll das verlustreiche Europageschäft der GM-Tochter wieder auf Vordermann gebracht werden.

Von Harald Schmidt

GM räumt im Opel-Management auf. Der US-Mutter ist der Geduldsfaden mit der Tochter gerissen. Der Vorwurf aus Detroit: Die Top-Manager in Rüsselsheim fahren das Europageschäft an die Wand. Nach Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke müssen auch Finanzvorstand Mark James und Entwicklungschefin Rita Forst gehen. Diagnose: Chronische Erfolglosigkeit.

Aufsichtsrat muss Wechseln im Opel-Vorstand zustimmen

Stimmt der Aufsichtsrat dieser Personalrochade zu, werden im September nur noch zwei der neun Vorstände im Amt sein, die auch im Dezember 2011 schon da waren: Personalvorstand Holger Kimmes und Susanna Webber, die für Einkauf und Logistik verantwortlich zeichnet.

Angesichts von Milliardenverlusten, schrumpfenden Marktanteilen und eines immer schwächeren Marktes kommt das Großreinemachen in der Opel-Führung nicht wirklich überraschend. «Wir brauchen ein wettbewerbsfähiges Management, das auch in schwierigem Fahrwasser absolut handlungsfähig ist», sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. Das Unternehmen bezeichnet den Umbau des Vorstands als große Chance, wie ein Sprecher sagt: «Wir sind uns sicher, dass der neue Vorstand noch schlagkräftiger sein wird und Opel schneller zurück zu alter Stärke führt. Es ist Zeit für Veränderungen, vom Markt erwarten wir keinen Rückenwind.»

Opel holt VW-Manager Lohscheller

Eine Genugtuung dürfte für die zuletzt wenig erfolgsverwöhnten Rüsselsheimer die Verpflichtung von Michael Lohscheller sein. Der VW-Manager habe Volkswagen Amerika zum Turnaround geführt, berichtete Opel stolz. In der Branche heißt es, Opel habe den besten Stürmer der Konkurrenz abgeworben. Zumal GM-Vize Steve Girsky die Devise ausgegeben hatte, Opel müsse vom Wolfsburger Erzrivalen lernen.

Trotzdem: Opel spielt mit dem Feuer. Mitten in seiner bedrohlichen Krise steht der Autobauer ohne Chef da. Und für die Suche nach dem perfekten Mr. Opel der Zukunft will man sich Zeit nehmen. «Es kann sich morgen jemand melden, der bei einem anderen großen Hersteller unglücklich ist und sich für den Job bei Opel berufen fühlt. Es kann aber auch sein, dass man ein paar Tage länger braucht», sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Einen Schnellschuss, der nach hinten losgeht, dürfe es jedenfalls nicht geben.

Sedran als Opel-Chef auf Abruf

Zunächst hält der neue Vize Thomas Sedran die Zügel in der Hand. Der erfahrene Unternehmensberater hat einen guten Ruf und wird sowohl von den GM-Bossen geschätzt als auch von den Arbeitnehmern bei Opel. Der große Wurf wird ihm aber wohl nicht zugetraut. So ist der Strategiechef ein Firmenlenker auf Abruf. Das hat ihm bereits den Ruf einer «Lahmen Ente» («Lame Duck») beschert.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nannte die Interimslösung «konzeptionslos» und «halbherzig». Opel könne sich in der angespannten Lage keine Schwäche an der Führungsspitze leisten. «Für die wichtigen Weichenstellungen, die anstehen, braucht man einen richtigen Chef, keinen Stellvertreter.»

Ruhe bei der Suche nach neuem Opel-Chef

Tatsächlich scheint der Hintergrund des Konstrukts zu sein, Sedran zu schützen: Kommt ein Chef, muss Sedran nicht degradiert werden. Ist er als Vize erfolgreich, könne er auch selbst seinen Hut in den Ring werfen, schlägt Einenkel vor. «Wir werden in aller Ruhe über den Chefposten beraten. Das könnte Sedran sein, oder jemand anderes.»

Ohnehin wird Sedran wenig ohne Girsky entscheiden können. Der GM-Vize ist in Personalunion auch der oberste Opel-Kontrolleur und Chef von GM Europa. «Wir arbeiten weiter daran, den von uns skizzierten Unternehmensplan umzusetzen und weiter zu verbessern. Wir werden die Bürokratie verringern und die Kultur unseres Unternehmens verändern», sagt Girsky. Zu der neuen Kultur gehören auch ein offener und fairer Umgang zwischen Management und Belegschaft sowie eine Wachstumsstrategie anstelle des Kahlschlags, sagt Einenkel.

Girsky trägt Opel-Sanierungspläne mit

Auch deshalb genießt Girsky hohes Ansehen im häufig so GM-kritischen Betriebsrat. Er gilt als «Teamplayer», der andere zu Wort kommen lässt, gleichzeitig aber absolut durchsetzungsfähig ist. Und er hat die Unternehmenspläne mitgetragen, die Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 ausschließen.

Auch Sedran betont, dass er diese Abkommen nicht infrage stellen wird. Denkbar ist aber, dass das Übergangs-Führungsduo die Schlagzahl erhöht. (dpa)

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