Der Opel Corsa steht für Vernunft. Es ist ein Kleinwagen, mit dem man im Alltag zuverlässig unterwegs sein kann. An großartige Emotionen denkt man nicht, wenn man den Corsa im Sinn hat. Bislang zumindest.
Wien gehört Jahr für Jahr zu den lebenswertesten Städten der Welt. In diesem Jahr rangiert die österreichische Millionenmetropole im Global Liveability Index hinter Kopenhagen zwar nur auf Platz zwei, aber damit dürften die Wiener gut leben können. Wien ist und bleibt eine Reise wert.
Das hat sich auch Opel gesagt – und hat den neuen Corsa GSE hier statt im doch eher beschaulichen Rüsselsheim vorgestellt. Genauer gesagt ist man nach Pachfurth gegangen, einem Driving Camp vor den Toren Wiens. Wenn man schon einen rein elektrischen Hot Hatch präsentiert, dann nicht nur auf öffentlichen Straßen, sondern dort, wo man dessen Leistung wortwörtlich ausfahren kann.
Unterwegs mit 281 PS
Leistung hat der Corsa GSE genug: 281 PS sind es, die den gerade einmal 1,55 Tonnen schweren Kleinwagen auf Touren bringen. Er ist damit der stärkste Corsa aller Zeiten, wie die Produktverantwortlichen zufrieden feststellen. Diese 281 PS kennt man bereits aus anderen Stellantis-Modellen wie beispielsweise dem Alfa Romeo Junior Veloce, dem Abarth 600e, dem Peugeot e-208 GTi oder auch dem Mokka GSE. Alle basieren auf der e-CMP-Plattform des Stellantis-Konzerns und teilen sich den gleichen Antriebsstrang: einen permanenterregten Synchron-Elektromotor an der Vorderachse, eine NMC-Batterie mit 54 kWh Kapazität und ein maximales Drehmoment von 345 Nm.
So ist es nun einmal, wenn eine Marke Teil eines Konzerns ist. Dann bedient man sich im Konzernregal. Die Kunst der Entwickler liegt dann darin, trotz vieler Gleichteile dem Modell seinen eigenen Charakter mit auf den Weg zu geben.
Bestnoten bei Fahrdynamik
Ist dies beim Corsa GSE gelungen? Schaut man sich die Fahrdynamik an, dann muss man dem 4,08 Meter langen Corsa Bestnoten ausstellen. Wie sich der Kleine durch die engen Kurven über den Pachfurther Parcours schlängelt, ist beeindruckend. Die Fahrwerksspezialisten haben ganze Arbeit geleistet. Dazu gehören neben einem tiefergelegten Sportfahrwerk u.a. auch ein Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse sowie spezifisch ausgelegte Achsen, Stabilisatoren und Stoßdämpfer.
Bei den flott gefahrenen Testrunden in Pachfurth zeigte der Corsa GSE dabei keine Schwächen, meisterte die Runden souverän. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven merkt man zwar ein deutliches Ziehen an der Vorderachse, aber das war es auch schon. Das Fahrwerk ist so fein abgestimmt, dass die Assistenzsysteme nicht eingreifen müssen; die Kontrollleuchte des ESP leuchtete kein einziges Mal auf.
Auch für den Alltag gemacht
Dass das Fahrwerk straff ist, versteht sich bei einem auf Sport getrimmten Kleinwagen quasi von allein. Aber es ist auch nicht unkomfortabel. Entsprechend kann man mit ihm auch im Alltag gut und komfortabel unterwegs sein. Da man nicht ständig die 281 PS braucht und auch nicht immer in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 sprinten muss, gibt es im Corsa GSE auch drei Fahrmodi. Im Sportmodus steht die volle Leistung samt maximalem Drehmoment zur Verfügung. Die Spitzengeschwindigkeit ist übrigens bei 180 km/h erreicht.
Schaltet man auf „Normal“, stehen 231 PS zur Verfügung und auch hier liegt das Drehmoment und die Höchstgeschwindigkeit auf dem gleichen Niveau wie im Sportmodus. Im Eco-Modus ist die Leistung auf 190 PS reduziert, und das Drehmoment sinkt auf 300 Nm und die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h.
Reichweite bei bis zu 374 Kilometer
Übrigens, auch wenn die elektrische Reichweite bei einem Hot Hatch nicht im Vordergrund steht: Je nach Bereifung sollen 354 bis 374 Kilometer möglich sein. Da es ja auch Kundinnen und Kunden gibt, die auch bei einem sportlichen Elektroauto nach einem entsprechenden Sound verlangen, wurde für ihn im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim ein Sport-Sound entwickelt. Nun ja, es wäre auch ohne gegangen. Und was kostet der Corsa GSE? Er steht mit knapp unter 40.000 Euro in der Preisliste.
Und welche Zielgruppe hat Opel mit dem Corsa GSE im Blick? Alle, die Spaß haben wollen, sagt Opel-Deutschlandchef Patrick Dinger. Ein Fahrzeug wie der Corsa GSE zahle auf die Marke ein, lade sie emotional auf, sagt der Manager. Deshalb hat sich Opel auch entschieden, in die Formel E einzusteigen, die rein elektrische Rennserie. Nun darf man gespannt sein, wie sich der Corsa GSE gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Hause oder auch gegen die Modelle von Mitbewerber wie dem Cupra VZ oder bald auch dem VW ID. Polo GTI schlägt. Die beiden letztgenannten Modelle sind zwar nicht ganz so stark motorisiert, bewegen sich aber in der gleichen Preisrange.




