Das Porsche-Jeep-Seniorenheim

Jeep- und Porsche-Sammler

Gegensätze ziehen sich an. Das gilt auch für das skurrile Raritätenkabinett des Schweizers Jakob Inauen. Im idyllischen St. Peterzell sammelt und restauriert der ehemalige Renault-Händler elegante Porsche-Flitzer und bullige Jeep-Raritäten einträchtig nebeneinander.

Von Sebastian Viehmann

Es dauert nur zwei Sekunden. Mitten auf einer Testfahrt im Appenzell fällt mein Blick zufällig auf dieses große graue Holztor, das ein Stückchen offen steht. Hinter dem Haus in St. Peterzell grüßen die Schweizer Berge im Sonnenlicht. Die Häuser des Örtchens sind akkurat zurecht gemacht. Damit das Klischee komplett wird, müsste nur noch Heidi mit dem Geißenpeter um die Ecke kommen, einen Appenzeller Käse vor sich her rollen und dabei Schokolade kauen. Doch bei den wohl geformten Rundungen, die sich hinter den Torflügeln abzeichnen, schlägt im Hirn sofort der Raritäten-Sensor Alarm: Das kann nur ein Porsche 356 sein. Und waren da nicht ein paar alte 911er zu sehen?

Zerlegtes Räritätenkabinett

Ich steige in die Eisen, meinem Mitfahrer fällt fast der Kaffeebecher aus der Hand. Das Raritätenkabinett wird immer größer. Rund um das Haus stehen alte Jeeps, einige davon zerlegt. Ein Strichachter, vor vielen Jahrzehnten wohl einmal weiß lackiert vom Band gelaufen, gammelt mit einer dicken Patina aus Moos vor sich hin. Daneben parken drei AMC Eagle, Allrad-Kombis einer längst vergessenen US-Marke.

Wir stellen unser neumodisches Gefährt am Straßenrand ab und tauchen ein die Klassiker-Welt von Jakob Inauen. Der Schweizer mit der blauen Kappe auf dem Kopf und einem Gesicht, so wettergegerbt und kantig wie die Alpen, ist gerade dabei, die sandgestrahlte Karosserie eines Porsche 356 zu bearbeiten. Davor steht ein 911er, Baujahr 1965. Dahinter im Halbdunkel, fast verdeckt von Gerümpel und Ersatzteilen, kommen weitere Schätze zum Vorschein: Ein 911er aus den 70ern, ein aufgebockter Carrera und - etwas deplatziert - ein Mercedes 350 SEL.

Vom Porsche Cup zum Bergrennen

Der Porsche 356 in der Werkstatt von Jakob Inauen Foto: press-inform

Als er uns sieht, winkt Jakob Inauen zunächst ab: «Der ist nicht zu verkaufen». Er meint den Porsche 356, den er restauriert. Der Besitzer des Wagens hilft ihm dabei, im Sommer soll der Flitzer fertig sein. Als dem Schweizer Restaurator klar wird, dass wir nur schauen wollen, führt er uns bereitwillig durch sein Reich.

Zwei Herzen schlagen in Jakob Inauens Brust. Das eine hat sich mit Leidenschaft schnellen Sportwagen aus Stuttgart verschrieben. Inauen restauriert sie nicht nur, er fährt sie auch. Den 911er mit den seltenen gelben Rückfahrleuchten und den Zusatzscheinwerfern auf der Haube hat er erst kürzlich bei einem Bergrennen pilotiert. Früher ist der 66-Jährige bei Clubrennen und beim Porsche Cup mitgefahren. Den 911er besitzt Inauen schon seit 38 Jahren. Der Wagen hat es immer warm und gemütlich - im Gegensatz zum roten 924 S, der draußen in der Einfahrt geparkt ist und sich gegen Wind und Wetter wehren muss.

Strenge Winter als Kaufgrund

Zum Abschleppen benutzt Jakob Inauen einen Jeep Forward Control Foto: press-inform

Inauens zweites Herz schlägt im Offroad-Takt. «In der Schweiz gibt es einen strengen Winter, da kommt irgendwann jeder zum Allradantrieb. Und in den 60er Jahren gab es für so etwas eben nur den Jeep», erzählt Inauen. Sein erstes eigenes Auto war zwar ein Mercedes 170 S aus den frühen 50ern, doch danach holte er sich nach und nach immer mehr Jeeps nach Hause. Über sein ganzes Grundstück verteilt stehen zerlegte Willys-Jeeps und Cherokees verschiedenster Baujahre.

In einer verstaubten Halle wartet ein Cherokee Chief mit riesigen Geländereifen auf einen zweiten Frühling, der ihm vielleicht nie vergönnt sein wird. Wenn Inauen Neuerwerbungen oder Teile transportieren muss, tut er das mit einem grünen Jeep Forward Control. Das exotische Fahrzeug aus den 60er Jahren war für seinen Hersteller kein großer Erfolg, nur wenige Exemplare haben überlebt.

Pragmatisches Verhältnis zum Hobby

Der AMC Eagle war der erste Crossover mit Allradantrieb Foto: press-inform

Ein seltener Anblick sind auch die drei AMC Eagle aus den frühen 80er Jahren, die in ziemlich dürftigem Zustand auf einer Wiese parken. Der Eagle war als Familienkombi mit Allradantrieb das erste echte Crossover-Fahrzeug. «Einen davon habe ich selber gefahren, aber eigentlich dienen mir die drei Autos nur als Teileträger, weil Jeep-Technik darin steckt», gibt Jakob Inauen zu.

Dass die kantigen Allrad-Youngtimer im Freien vor sich hin rosten, tut einem in der Seele weh. Doch der gelernte Kfz-Mechaniker hat bei aller Begeisterung ein pragmatisches Verhältnis zu seinem Hobby. Es mag daran liegen, dass Inauen fast 20 Jahre lang Renault-Händler war und Tag für Tag mit Ge- und Verbrauchsautos zu tun hatte.

In Ruhe altern

Der Porsche 911 von 1965 ist seit 38 Jahren ein treuer Begleiter von Jakob Inauen Foto: press-inform

Als wir uns von Jakob Inauen verabschieden, bleibt trotzdem ein tröstliches Gefühl zurück: Die Autos des alten Herren aus St. Peterzell werden zwar nicht verhätschelt, und viele erstrahlen nicht im blank polierten Glanz, der vielen Klassiker-Fans so wichtig ist. Doch die Oldies dürfen in Ruhe altern und sich manchmal immer noch nützlich machen. Den Schrottplatz hat keiner von ihnen verdient.

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