In Japan bestimmen Kei-Cars das Straßenbild. Warum das so ist, liegt an den Total-Cost-of-Ownership. Aber nicht nur. Die Kleinstfahrzeuge überzeugen, wie ein Fahrt mit dem Nissan Sakura zeigte.
Sie sind klein, geräumig – und ideal für die immer voller werdenden Städte. Die Rede ist von den so genannten Kei-Cars. In Japan gehören sie zu den beliebtesten Fahrzeugen. Ihr Anteil auf dem Gesamtmarkt liegt bei 40 Prozent. Im Vorjahr kamen sie auf 1,3 Millionen Zulassungen.
Dass sie so beliebt sind, ist kein Wunder. Denn sie bieten alles, um bequem und komfortabel durch die Stadt zu kommen, wenn man denn nicht auf Busse und Bahnen umsteigen will. Mittlerweile gibt es diese Kei-Cars auch als Elektrovariante. Nissan gehört zu den Autobauern, die solche Modelle anbieten – und als heimischer Hersteller auf einen Marktanteil von allein 13 Prozent kommen, wobei leichte Nutzfahrzeuge da noch nicht einmal inkludiert sind. Wer in Japan als Kei-Car gelten will, darf dabei nicht länger als maximal 3,40 Meter, nicht breiter als 1,48 Meter und nicht höher als zwei Meter sein. Der Hubraum des Autos darf zudem nicht größer als 660 ccm betragen und die Leistung 64 PS nicht überschreiten.
Kosten sprechen für Kei-Cars
Zur Beliebtheit der Kei-Cars tragen insbesondere auch deren Kosten bei. Und damit ist nicht primär der Anschaffungspreis gemeint, sondern die laufenden Kosten bei Steuern, Versicherung und den Kraftstoffkosten. Wer ein Kei-Car fährt, der spart zumindest bei Steuer und Versicherung – und wenn er sich für eine Elektrovariante entscheidet auch bei den Spritkosten. „Ein Auto zu kaufen, ist nicht teuer, es zu besitzen schon“, heißt es. Kei-Cars indes machen die individuelle Mobilität für breite Bevölkerungsgruppen erschwinglich. Wer ein solches Auto fährt, für den entfällt in vielen Städten teils der erforderliche Stellplatznachweis.
Das Klientel von Kei-Cars legt keinen gesteigerten Wert auf Performance, ihr geht es um Erreichbarkeit – und Komfort und Sicherheit. Der von uns gefahrene Sakura beispielsweise kostet umgerechnet zwischen 12.200 bis 13.500 Euro. Seine Batterie hat eine Kapazität von 20 kW und kommt auf eine Reichweite von bis zu 180 Kilometer.
Klar, ein Kei-Car entspricht nicht den strengen Anforderungen die in der EU an Insassen- oder Fußgängerschutz gestellt werden, weshalb ein Markteintritt dieser asl Rechtslenker konzipierten Fahrzeuge in Europa heute als unwahrscheinlich gilt. Das sagt man auch bei Nissan. „Kostenseitig ist es nicht darstellbar, Kei-Cars nach Europa zu bringen“, sagt Richard Candler, Leiter der Produktstrategie des Autobauers. Aus seiner Sicht würde es eher Sinn machen, für Europa ein eigens Modell zu entwickeln. Kommt so etwas? Nein, dazu gibt es keine Entscheidungen. Möglichweise Planspiele? Dazu will der Produktstratege nichts sagen. Dass man nicht einfach ein Kei-Car von Japan nach Europa exportieren kann, liegt neben den strengeren Sicherheitsanforderungen auch an den strengeren Emissionsvorschriften. Zudem seien die steuerlichen Vorteile, wie es sie in Japan gibt, nicht gegeben. Es sind Aspekte wie diese, die es unwahrscheinlich machen, dass aufgrund der strengen Regularien der EU solche Fahrzeuge nach Europa kommen. Schade, sehr schade sogar.
Viel Platz, überzeugende Fahreigenschaften
So wichtig Sicherheit und Umweltschutz sind, so verhindern sie eine Mobilität, die angesichts immer voller werdender Städte nach Lösungen wie den in Japan so beliebten Kei-Cars verlangt. Aber es gibt ja auch bei uns bereits Modelle wie den Opel Rocks oder Citroen Ami, die zur sogenannten L6e-Klasse gehören und bereits ab 15 Jahren gefahren werden können. Es ist ein Vergleich, der hinkt. Kei-Cars wie der von uns gefahrene Nissan Sakura spielen mindestens zwei Klassen höher, gehen als vollwertige Autos durch.
Ihr Innenraum ist komfortabel, die Instrumente unterscheiden sich ebenso wenig von anderen Nissan-Modellen und vor allem überrascht der Sakura mit netten Features wie einer verschiebbaren Rückbank, die ein hohes Maß an Variabilität schafft. Wer heutzutage als Mitfahrer mit einer Größe von 1,91 Meter in den Fond eines Kleinwagens wie beispielsweise VW Polo oder Renault 5 einsteigt, der hofft, dass die Fahrt dann doch bald zu Ende geht.
Verschiedene Varianten im Angebot
Das ist im Sakura anders. Bei der Sitzprobe im Fond hatte ich ausreichend Kopf- und Kniefreiheit hinter dem Fahrersitz (der auf meine Sitzposition eingestellt war). Platz ist das eine, die Fahreigenschaften das andere: Doch auch hier gibt es sich der elektrisch angetriebene Sakura keine Blöße. Er fährt sich erwachsen, sein Antrieb ist mit 63 PS Leistung mehr als ausreichend, um im Tokioter Stadtverkehr und der Autobahn unterwegs zu sein, ohne zu einem Verkehrshindernis zu werden. Es macht richtig Spaß, im Sakura unterwegs zu sein, der übrigens über ein Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen verfügt, sodass man sich hier durchaus sicher fühlt.
Nach den Testfahrten überrascht es nicht, das Kei Cars so beliebt sind, gerade bei älteren Menschen, die ein Auto mit leichten Ein- und Ausstieg suchen und die im Stadtverkehr mit einem Auto unterwegs sein wollen, das nicht zu groß, entsprechend leicht zu manövrieren ist. Damit spricht diese Fahrzeugklasse nicht nur eine ältere Kundschaft an, sondern auch Familien, die auf der Suche nach Platz sind und je nach Hersteller auch ein Modell mit Schiebetüren wählen können. Angesichts der Vielzahl von Kei-Cars (Kei-Vans, Kei-Trucks, Kei-SUVs und Kei-EVs) ist für jeden Kundengeschmack und jedes Kundenbedürfnis etwas dabei.


