BMW-Designer und -Ingenieure haben sich das Flagschiff vorgenommen. Die kommt die fünfte Generation der 7er Reihe mit Design-Update, neuen Assistenzsystemen und effizienteren Antrieben. Ab November soll das neue Topmodell bei den Händlern stehen.
Von Susanne Kilimann
1976 schickte BMW die erste Generation seiner 7er-Baureihe an den Start. Die aktuelle Version ist seit 2001 auf dem Markt und damit steht jetzt wieder ein Generationenwechsel an. Noch ein paar Wochen läuft Nummer vier vom Band, dann wird die Produktion in Dingolfing auf das neue 7er-Modell umgestellt - und ab November soll die überarbeitete Oberklasselimousine - zumindest in Europa - bei den Händlern stehen.
Premiere in Paris
Auf dem Pariser Autosalon wollen die Münchner das neu gestylte und technisch hochgerüstete Spitzenmodell der Öffentlichkeit präsentieren. Weltpremiere wurde jetzt schon mal gefeiert. Rein optisch ist die Veränderung zeitgemäß, durchaus gelungen - aber nicht wirklich spektakulär. Das Team von Chedesigner Chris Bangle hat an der Linienführung gefeilt, die Aerodynamik verbessert, der Limousine einen dynamischeren Look verpasst. Weiter Radstand, flache Dachlinie, kurzer Überhang vorn, eine wunderschön langgezogenen Motorhaube, eine weit zurückversetzte Fahrgastzelle, mit schlanken Fensterrahmen und Säulen lassen die Karosserie, vor allem in der Seitenansicht deutlich sportlicher erscheinen.
An der Front haben die Designer das BMW-Markenzeichen - die üppige Doppelniere - gekonnt in Szene gesetzt. Das Organ wurde hier besonders tief platziert. Nebelscheinwerfer in Klarglas-Optik, die ihren Platz weit außen am Rand des Lufteinlasses haben, betonen die breite Spur. Edel wirkt das gekonnte Wechselspiel zwischen konkav und konvex ausgeformten Flächen mit effektvollen Licht- und Schattenverläufen, das die Münchner ebenfalls als markentypischen Designmerkmal für sich entdeckt haben. Etwas überfrachtet wirkt dagegen die Heckpartie mit dem auffälligen, oberhalb des Kennzeichenträgers platzierten Chromband, das auf der gesamten Breite des Kofferraumdeckels die Heckleuchten miteinander verbindet. Markante horizontale Linien sollen den breitspurigen Charakter des 7er betonen - weniger wäre hier mehr gewesen.
55 Kilo leichter
Dass die Limousine 55 Kilogramm weniger auf die Waage bringt als ihr Vorgänger, wird durch die konsequente Weiterentwicklung der Leichtbautechnik erreicht. Mehrphasenstähle und warmgeformter Stahl kommen in den Karosserieträgerstrukturen zum Einsatz. Dach, Türen, Fronthaube und Seitenwände werden aus Aluminium gemacht. Das Leichtmetall wird ebenfalls für die Federstütze vorn, für das Gehäuse des Hinterachsgetriebes sowie fürs Kurbelgehäuse des Motors verwendet.
Von der Neugestaltung des Innenraums profitieren vor allem die Fondpassagiere. Die Dachlinie bringt noch mehr Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen. Die Einzelsitze lassen sich individuell verstellen, in der in der Längsrichtung sogar um bis zu sieben Zentimeter. Besonders viel Beinfreiheit bieten die um 14 Zentimeter verlängerten Langversionen 750Li und 740Li.
Drei Motoren zur Auswahl
Die Motorenpalette haben die Bayern komplett erneuert. Zur Markteinführung stehen ein V8- und ein Reihensechszylinder-Benzinmotor, die jeweils mit Twin Turbo und Benzin-Direkteinspritzung ausgestattet sind, sowie der erste Vertreter einer neuen Generation von Sechszylinder-Dieselmotoren zur Auswahl. Der Achtzylinder erzeugt im BMW 750i eine Leistung von 300 kW/407 PS im Drehzahlbereich zwischen 5.500 und 6.400/min.
Der im EU-Testzyklus ermittelte durchschnittliche Kraftstoffverbrauch beträgt 11,4 Liter je 100 Kilometer, der CO2-Wert 266 Gramm pro Kilometer. Damit wurden der Verbrauch im Vergleich zum aktuellen 7er gerade mal drei Prozent reduziert. Denn das neue V8-Triebwerk ist um 30 kW stärker als der Vorgänger und dringt damit auf das Leistungsniveau aktueller Zwölfzylinder-Motoren vor - und bei der Topmotorisierung des Spitzenmodells geht Leistungssteigerung eben immer noch vor Sparkurs.
Sechszylinder wie V8
Die beiden Sechszylinder-Varianten stoßen in Leistungsregionen vor, die bislang Achtzylinder-Motoren vorbehalten waren. Effizienzsteigerungen haben die Münchner Ingenieure vor allem durch Reduzierung des Motorgewichts erreicht. Speziell für den Einsatz im BMW 740i wurde die Leistung des Sechszylinder Twin Turbo Aggregats auf 240 kW/326 PS bei 5.800 min gesteigert.
Der neu entwickelte Sechszylinder-Diesel ist die mit Abstand wirtschaftlichste Art, einen 7er zu fahren. Im Durchschnitt kommt der 730d mit 7,2 Litern pro 100 Kilometern über die Runden, und bläst damit192 Gramm pro Kilometer in die Luft. Das neue Diesel-Aggregat mobilisiert 180 kW/245 PS bei 4.000 min. Aus einem Hubraum von 3,0 Litern werden 180 kW/245 PS bei einer Motordrehzahl von 4.000 min geschöpft. Das maximale Drehmoment von 540 Newtonmetern steht bereits bei 1.750 min zur Verfügung. Auch einen Hybridantrieb soll es demnächst geben - allerdings zunächst nur in den USA, dem wichtigsten aller 7-er Märkte.
Technologie-Trendsetter
Dass das Münchner Flagschiff Technologie-Trendsetter ist und mit allem ausgestattet werden kann, was BMW in punkto Sicherheit und Fahrkomfort auffahren kann, versteht sich. Das weiterentwickelte Sechsgang-Automatikgetriebe ermöglicht schnellere Wechsel und präzisere Fahrstufenwahl. Das Fahrwerk mit einer neuen Doppelquerlenker-Vorderachse befreit die Dämpfer von Querkräften, so dass sie Unebenheiten der Fahrbahn noch geschmeidiger ausgleichen können, versprechen die Ingenieure. Die neuentwickelte Integral-Aktivlenkung, die den Lenkwinkel der Vorder- und Hinterräder steuert, soll unter anderem schnellere Ausweichmanöver ermöglichen und den Spurwechsel insbesondere für Fondpassagiere komfortabler machen.
Auf Wunsch geht auch ein Head-up-Display an Bord, das relevante Informationen auf die Fensterscheibe projiziert, oder auch ein Nachtsichtsystem mit Infrarot-Personenerkennung. Im neuen 7er ermöglicht BMW als erster Autohersteller überhaupt uneingeschränkte Nutzung des Internets im Fahrzeug. Der Internet-Zugang ist für den neuen BMW 7er als Sonderausstattung zu Flatrate-Konditionen verfügbar. Die Preisskala beginnt mit 69.500 Euro für den 730d, mit V8-Motor gibts den neuen 7er ab 90.000 Euro. Für 4-Zonen-Klimaautomatik, Sitz-Memory-Funktion und viele andere Luxusextras muss dann aber noch tüchtig drauflegt werden.
