Mercedes: Weniger Absatz, höherer Gewinn

Mercedes: Weniger Absatz, höherer Gewinn
Schwungvoll schick und windschnittig: der Mercedes EQE © Mercedes-Benz

Die Chipkrise und der Ukraine-Krieg führen bei Mercedes zu einem Absatzrückgang. Der Umsatz steigt indes.

Der Grund dafür sind die hohen Verkaufspreise. Dass der weitgehende Rückzug aus Russland wegen des Angriffskriegs in der Ukraine viel Geld kostet und die mangelnde Halbleiterversorgung die Produktion stört, bremst den Konzern dabei nur wenig.


Die von Konzernchef Ola Källenius eingeleiteten Kostensenkungen tun ihr Übriges. Die Aktie legte am Mittwoch kräftig zu, auch weil das Unternehmen im Rahmen seiner Prognosen etwas zuversichtlicher wurde

Besser abgeschnitten als erwartet

Analyst Jose Asumendi von der US-Großbank JPMorgan sprach von einem sehr starken Quartal. Sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis seien besser ausgefallen als von ihm und dem Markt erwartet. Es stehe nun zunehmend zur Debatte, ob das Management den Ausblick nicht anheben sollte.

Dazu rang sich das Management nämlich nicht durch – Finanzchef Harald Wilhelm stellte aber gleichwohl in der Pkw-Sparte für das Jahr einen Wert am oberen Ende der Prognosespanne von 11,5 bis 13 Prozent der bereinigten operativen Marge in Aussicht. Preise und Modellmix sollten auf einem hohen Niveau bleiben, hieß es vom Unternehmen.

Lockdowns in China

Allerdings will Wilhelm wegen einiger Risiken Vorsicht walten lassen. Zum einen dürften sich die hohen Gebrauchtwagenpreise, von denen Mercedes über Leasing-Rückläufer profitiert, im Laufe des Jahres nicht mehr ganz so positiv entwickeln wie in der jüngeren Vergangenheit. In China drohen mögliche Lockdowns wegen der Covid-Pandemie sowohl die Produktion in Peking wie auch die Lieferketten zu stören.

Nicht zuletzt dürfte die Inflation die Kosten für Material, Energie und Personal stärker steigen lassen als noch zu Jahresbeginn gedacht. Daneben könnten auch der Krieg in der Ukraine und der Chipmangel die Produktion stören.

Umsatz steigt um sechs Prozent

Der Umsatz des Konzerns aus fortgeführten Geschäften stieg im ersten Quartal um 6 Prozent auf 34,9 Milliarden Euro, wie die Stuttgarter mitteilten. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte dank des guten Preisumfelds für Neu- und Gebrauchtwagen sowie wegen Kosteneinschnitten um 19 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro – wenn man nur die Geschäfte betrachtet, die Mercedes nach der Abspaltung des Lkw-Konzernteils Daimler Truck weiterführt.

Die Pkw-Sparte erzielte mit 16,4 Prozent vom Umsatz eine für die Branche sehr hohe bereinigte operative Gewinnmarge. Goldman-Sachs-Experte George Galliers nannte die Umsatzrendite beeindruckend. Dass Mercedes durch Preiserhöhungen und Verlagerung auf teurere Modelle die hohen Rohstoffkostensteigerungen habe abfangen können, sei ein Beleg für den verstärkten Fokus auf Luxus im Angebot.

Kaum noch Rabatte

Seit einigen Quartalen sorgt die hohe Nachfrage nach Autos bei gleichzeitig eingeschränkter Verfügbarkeit für hohe Preise bei Neu- und Gebrauchtfahrzeugen. Die Lieferzeiten sind lang, Rabatte müssen die Händler kaum noch einräumen. So kam es, dass Mercedes-Benz bei den Pkw trotz eines um zehn Prozent gesunkenen Absatzes auf rund 487 000 Autos den Umsatz um 8 Prozent steigern konnte.

Vor allem die teuren Modelle wie das Flaggschiff S-Klasse, die Luxusmarke Maybach, die getunten Sportmodelle von AMG und weitere lukrative Fahrzeuge verkaufen sich gut – auch deshalb, weil Mercedes die knappen Chips vorrangig in diese und in die Elektroautos einbaut. Die Top-Modelle wuchsen beim Absatz um 5 Prozent, die elektrifizierten Autos um 19 Prozent.

Unter dem Strich stand für die Aktionäre ein Gewinn von 3,5 Milliarden Euro, was auch wegen der Abspaltung von Daimler Truck knapp ein Fünftel weniger ist als ein Jahr zuvor. Für den weitgehenden Rückzug aus den Geschäften in Russland musste der Konzern 709 Millionen Euro aufwenden, weitere 281 Millionen Euro wurden für die Dieselaffäre fällig. Demgegenüber stand ein Sonderertrag von 918 Millionen Euro unter anderem für den Verkauf von Niederlassungen in Kanada. Aus dem fortgeführten Geschäft erzielte Mercedes einen kleinen Gewinnanstieg. (dpa)

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