Mercedes übertrifft überraschend eigene Prognose

Autobauer mit Gewinnsprung

Mercedes übertrifft überraschend eigene Prognose
Die neue SL-Baureihe R 232 von Mercedes soll wieder mehr Kunden begeistern. © Mercedes

Der Autobauer Mercedes-Benz hat im vergangenen Quartal einen Gewinnsprung erzielt. Die Schwaben überraschten mit dem vorgelegten Ergebnis.

Der Dax-Konzern teilte die Daten zur Profitabilität im Automobilbau am Freitag überraschend anhand von Eckdaten mit.


In die Karten spielt Mercedes-Benz vor allem die hohen Autopreise bei Neu- und Gebrauchtwagen sowie der Fokus auf teure Modelle wie die S-Klasse und Maybach.

Umsatzrendite von 12,7 Prozent erwartet

Den vorläufigen Berechnungen zufolge erwartet der Vorstand für die Sparte mit Pkw und Vans im vergangenen Jahr nun eine bereinigte Umsatzrendite von 12,7 Prozent sowie ein um Sondereffekte bereinigtes Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 14 Milliarden Euro – das war mehr als doppelt so viel wie im von Corona-Lockdowns belasteten Vorjahr, als der damals noch bestehende Daimler-Konzern hier 6,8 Milliarden Euro operatives Ergebnis erzielte.

Die Mercedes-Benz-Aktie drehte nach der Mitteilung ins Plus und legte an der Dax-Spitze 2 Prozent auf 71,13 Euro. Im Schlussquartal fuhr Mercedes eine Umsatzrendite von hohen 15 Prozent ein – am Markt war nur mit rund 11 Prozent gerechnet worden. Von je 100 Euro Erlös blieben damit 15 Euro als operativer Gewinn hängen. Experten der Investmentbank Stifel sprachen von weitaus besseren Ergebnissen als erwartet.

Stammmarke mit Absatzverlust

Wie bereits bekannt, hatte der Autobauer mit seiner Stammmarke Mercedes-Benz 2021 mit 464.130 Autos fünf Prozent weniger ausgeliefert als im Jahr zuvor – und das trotz wochenlanger Werksstillstände im Frühjahr 2020 wegen des Ausbruchs der Corona-Krise. Vor allem im zweiten Halbjahr 2021 knickten die Verkäufe ein. Das lag vor allem am Engpass bei Halbleitern und anderen elektronischen Bauteilen. Die Vans im Konzern lieferten zwar mit 334 210 Fahrzeugen 2,6 Prozent mehr Autos aus. Insgesamt übergab der Hersteller so aber nur 2,43 Millionen Fahrzeuge an Kundinnen und Kunden. Das waren vier Prozent weniger als im Vorjahr.

Allerdings hatte das Management um Chef Ola Källenius sich für eine Priorisierung beim Einbau verfügbarer Halbleiter in lukrativere Modelle und Elektroautos entschieden, um dennoch einen möglichst hohen Gewinn einzufahren. Bereits bei den Absatzzahlen für das vergangene Jahr hatte Mercedes davon gesprochen, dass die Luxus- und Sportwagenmarken Maybach und AMG, aber auch die renditeträchtige S-Klasse und der Geländewagen G-Klasse gut bei den Käufern ankamen. Lange Lieferzeiten, die bei der eingeschränkten Produktion und der derzeit hohen Nachfrage entstehen, führen am Markt zu hohen Verkaufspreisen – kaum ein Händler räumt derzeit große Rabatte beim Autokauf ein wie früher üblich.

Ergebnis ein Resultat aus Sparkurs

„Unser gutes Ergebnis ist das Resultat von stark gefragten Produkten sowie dem Fokus auf profitables Wachstum und Kostendisziplin“, sagte Källenius, der beim Autobauer nach seinem Amtsantritt 2019 einen scharfen Sparkurs eingeschlagen hatte. Neben der Nettopreisgestaltung sei bei der Entwicklung auch ein „guter Produktmix“ und eine „günstige Gebrauchtwagenperformance“ Treiber der Entwicklung gewesen, hieß es vom Unternehmen weiter.

Weil Leasing-Rückläufer teurer am Gebrauchtwagenmarkt verkauft werden können, hebt das die Ergebnisse der Finanz- und Mobilitätsdienstesparte Mercedes-Benz Mobility, bei der die Leasing-Autos in der Bilanz stehen. Mercedes-Benz Mobility erreichte eine bereinigte Eigenkapitalrendite von rund 22 Prozent, was am oberen Ende der bisherigen Zielspanne von 20 bis 22 Prozent liegt. Die Sparte erzielte auf Basis vorläufiger Zahlen ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 3,4 Milliarden Euro.

Positiver Effekt durch Daimler Truck

Zum aktuellen Zeitpunkt liegen laut dem Konzern – aufgrund verschiedener Effekte aus der Entkonsolidierung des Daimler Nutzfahrzeuggeschäfts – noch keine Konzernfinanzdaten vor. Allerdings rechnet das Unternehmen damit, dass die Börsennotierung von Daimler Truck einen hohen positiven Einmaleffekt mit sich zieht.

So werde das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern auf Konzernebene 9 bis 10 Milliarden Euro besser ausfallen, hieß es. Aus Sicht des Managements solle dieser Bewertungseffekt aber nicht bei der Berechnung des Dividendenvorschlags einbezogen werden. Der Sondereffekte habe keine Auswirkungen auf die Zahlungsströme (Cashflow) im Konzern. Der Lastwagen- und Bushersteller Daimler Truck war Mitte Dezember an die Börse gegangen.

Die endgültigen Zahlen inklusive des Nettoergebnisses für 2021 sollen am 24. Februar veröffentlicht werden. Der Geschäftsbericht folgt dann am 11. März. (dpa)

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