Mercedes EQS: Flaggschiff mit doppelter Spannung

Mercedes EQS: Flaggschiff mit doppelter Spannung
Mercedes hat den EQS geliftet und auf 800 Volt gebracht. © Mercedes-Benz

Nach vier Jahren spendiert Mercedes dem EQS eine umfangreiche Modellpflege. Mit vollem Akku sind nun mehr als 900 Kilometer drin.

Als Mercedes vor etwas über vier Jahren seinen EQS zu den Händlern brachte, galt die eigenwillig gestylte Luxuslimousine noch als eines der fortschrittlichsten Elektroautos am Markt. Zudem war der EQS das erste BEV von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basierte. Doch die Rechnung ging nicht so auf, wie sich das die Marketing-Strategen von Mercedes vorstellten. Der EQS verkaufte sich mehr schlecht als recht. Besonders in China, dem mit Abstand größten Markt für E-Autos, hatte man sich deutlich mehr Zuspruch erwartet. Kritiker gaben sowohl dem One-Bow-Design als auch der 400-Volt-Architektur die Hauptschuld. Letztere hat vor allem bei der Ladegeschwindigkeit das Nachsehen gegenüber der heute in dieser Klasse gebräuchlichen doppelten Spannung.

Wenn Mercedes nun im Sommer seinen neuen EQS auf die Straße bringt, wird man nur marginale Unterschiede sehen. Zu erkennen sind sogenannte Powerdomes auf der Haube sowie Stern-Signets im Tagfahrlicht. Das aufrechtstehende traditionellen Emblem trägt der EQS ja bereits seit einem kleineren Facelift im vorigen Jahr. Jetzt allerdings ist das Markenzeichen beleuchtet. Wesentlich größeres Augenmerk hat man auf technische Updates gelegt., um den Luxus-Stromer in seinem Umfeld wieder an die Spitze zu setzen. Mehr als ein Viertel aller Teile seien neu entwickelt, überarbeitet und verfeinert, heißt es bei Mercedes. Dickster Brocken war, die EVA2-Architektur auf 800 Volt umzustellen. Zudem wurden Antriebsteile neu entwickelt, an der Hinterachse sitzt jetzt ein Zwei-Gang-Getriebe, das bei zirka 120 km/h hochschaltet, die Batterie erhielt eine optimierte Zellchemie.

320 Kilometer in zehn Minuten

Mit voller Batterie sind nach WLTP bis zu 925 Kilometer möglich. Foto: Mercedes-Benz

In Summe macht der EQS einen deutlichen Reichweitensprung nach vorn. Wies er bei seinem Debüt noch einen maximalen Wert von 780 Kilometern (EQS 450+) aus, sind es jetzt 925 Kilometer. Kein anderes deutsches Elektroauto schafft diese Strecke mit einer Füllung. Theoretisch ließe sich so nonstop von München nach Paris oder von Hamburg nach Zürich fahren. Elektrokomfort heißt nicht nur geräuschloses und gediegenes Reisen, sondern auch schnelles Laden. Dank der nun 800-Volt können in zehn Minuten bis zu 320 Kilometer nachgeladen werden. Erreicht wird dies mit einer Ladeleistung von bis zu 350 kW. Die von 118 auf 122 kWh vergrößerte Batterie kann zudem ihren Strom direkt ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid) oder an das eigene Zuhause (Vehicle-to-Home) abgeben. Auch damit schließt Mercedes zu gängigen Standards auf.

Neue Maßstäbe dagegen wollen die Stuttgarter mit einer revolutionären Lenkung setzen. Gegen Aufpreis kann der EQS-Kunde die sogenannte Steer-by-Wire-Technologie wählen. Bei ihr gibt es keine mechanische Verbindung mehr zwischen Steuer und Rädern. Die Lenkbefehle erfolgen elektronisch über Kabel. Integriert ist zudem eine 10-Grad-Hinterachslenkung. Für Steer-by-Wire verspricht Mercedes ein nie gekanntes Fahrerlebnis. Optisch präsentiert sich die neue Technik durch ein Volant, das mehr einer liegenden, eckigen Acht ähnelt als einem Kreis.

Preise starten bei knapp 95.000 Euro

Optional gibt es künftig auch eine Steer-by-Wire-Lenkung. Foto: Mercedes-Benz

Parallel entwickelten die Mercedes-Ingenieure für Fahrzeuge ab Mittelklasse aufwärts eine gänzlich neue Elektroantriebs-Architektur, genannt MB.EA. Integriert wurde eine hochmoderne Software, die auch im EQS Einzug halten konnte. Die Kombination mit künstlicher Intelligenz macht sogar komplexe Dialoge mit dem KI-Assistenten möglich und den EQS so schlau wie nie zuvor. Over-The-Air-Updates halten das Auto über viele Jahre auf dem modernsten Stand. In Sachen Komfort dürfte der neue EQS schon jetzt zum Klassenbesten gehören. Neueste Errungenschaft ist ein beheizbares Gurtband. Es soll an kalten Wintertagen schnell wohlige Wärme in den Oberkörper schicken. Vor sieben Jahren hatte Mercedes dieses Feature im Experimental-Sicherheitsfahrzeug ESF erstmals vorgestellt.

Anbieten werden die schwäbischen Autobauer ihr Elektro-Flaggschiff in vier unterschiedlichen Versionen. Neues Einstiegsmodell ist der EQS 400. Er startet bei 94.403 Euro und ist mehr als zwölftausend Euro günstiger als der Reichweiten-Champion 450+. Darüber rangieren weiterhin der 450 4Matic und die beiden Topmodelle EQS 500 4Matic sowie EQS 580 4Matic. (SP-X)

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