Mercedes E-Klasse: Gefragt, auch als Gebrauchtwagen

Mercedes E-Klasse: Gefragt, auch als Gebrauchtwagen
Die Mercedes E-Klasse W212 ist nicht ganz frei von Pannen. © Mercedes

Eine neue Mercedes E-Klasse ist wegen der Chipkrise so gut wie nicht zu bekommen. Wer sie fahren will, muss sich auf dem Gebrauchtwagen-Markt umschauen.

Die Produktionsplätze der E-Klasse Limousine sind bis zum Modellwechsel im März 2023 ausgebucht. Alternativ kann man noch sein Glück beim Händler mit Vorführwagen versuchen oder man schaut sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt um. Das Angebot ist aber hier wie dort eher übersichtlich.


Die aktuelle E-Klasse debütierte in Deutschland im April 2016 und hört intern auf die Bezeichnung W 213. Im September kam das T-Modell (Kombi) hinzu. Coupé und Cabrio folgten 2017. Den Kombi gibt es seit dem Frühjahr 2017 auch als „All-Terrain“-Modell in trendiger Offroad-Optik.

Länge von 4,92 Meter

Die 4,92 Meter lange Limousine setzt auf optische Präsenz, ohne dabei unangenehm aufzufallen. Sie greift auf Designelemente von C- und vor allem S-Klasse zurück. Besonders das Heck erinnert an den großen Bruder. Der Kofferraum fasst 540 Liter, wer mehr Ladevolumen braucht: Das Gepäckteil des 4,95 Meter lange T-Modells schluckt zwischen 640 und 1.820 Liter. Innen geht es luftig zu, Platz ist für die Insassen reichlich vorhanden.

Komfort auch; der Wohlfühlstatus hängt jedoch von der Bereitschaft des Erstbesitzers ab, von der langen Aufpreisliste zum Ankreuzen von Extras wie die großen Displays im Armaturenbrett animieren zu lassen. Immer an Bord: sehr gute Verarbeitung und Materialien.

Facelift erfolgte 2020

Im Sommer 2020 erhielt die E-Klasse ein Facelift. Das ist an überarbeiteter Front und Heck zu erkennen. Die Scheinwerfer haben eine andere Form; im Innenraum gab es unter anderem ein geändertes Lenkrad und andere Zierteile und das Infotainmentsystem MBUX gehört zum Serienumfang.

Vier-, Sechs- und Achtzylindermotoren stehen zur Auswahl, außerdem noch Plug-in-Hybride. Einstiegsbenziner ist ein Vierzylinder mit 184 PS (E 200) und Handschaltung. Alternativ zum Heckantrieb ist dieses Aggregat auch mit einer Neungangautomatik und Allrad (4Matic) erhältlich. Seit 2019 unterstützt ein kleiner 14 PS starker E-Motor den auf 197 PS gewachsenen E 200. Der E 300 kommt auf 245 PS (seit 2019: 258 PS plus 14 PS-E-Motor), der seit 2018 verfügbare E 350 auf 299 PS plus E-Unterstützung mit 14 PS. Ebenfalls als Vierzylinder fahren die Plug-in-Hybride vor. Der zunächst angebotene 350e hat eine Systemleistung von 286 PS, der seit 2018 verfügbare 300e leistet 320 PS.

Wer einen Sechszylinder möchte, greift zum E 400 (333 PS) und E 450 (367 PS oder zum 401 PS starken E 43 AMG oder E 53 mit 435 PS), die alle mit Allrad ab Werk aufwarten. Allrad ist auch bei den V8-AMG-Versionen an Bord. Der E 63 leistet 571 PS, der E 63 S kommt auf 612 PS. Die AMG-Motoren sind nichts für Spritsparfüchse, hier fließen nach Norm zwischen 8,2 und 9,4 Liter durch die Leitungen. Bei den anderen Benzinern sind es durchschnittlich zwischen 6,1 (E 200) und 8,3 (E 450 4Matic) Litern.

Effiziente Diesel

Sparsamer sind die Diesel. Hier kommt der neu entwickelte Zweiliter-Vierzylinder-Diesel zum Einsatz, genannt OM 654. Das Angebot startet mit dem E 200 d mit 150 PS (seit 2019: 160 PS), gefolgt vom 220 d und 220 d 4Matic (194 PS) und 300 d (245 PS). Seit Anfang 2021 ist nur noch die Allradvariante des 300 d verfügbar, die 265 PS leistet und von einem 20 PS starken E-Motor unterstützt wird.

Der Diesel-Plug-in-Hybrid im 300 de kommt auf eine Systemleistung von 306 PS und ist mit Verbrauchswerten von 1,4 bis 1,7 Litern angegeben, die anderen Vierzylinder mit Werten zwischen 3,9 und 5,6 Litern. Fans von Sechszylinder-Diesel werden beim 350 d (258 PS, seit: 2018: 286 PS) und 400 d (330 PS, seit 2018: 340 PS) fündig. Hier liegen die Normverbrauchswerte zwischen 5.3 und 6,1 Litern. Außer dem Basisbenziner sind alle Triebwerke ab Werk an eine Neungangautomatik gekoppelt.

Lange Ausstattungsliste

Die Basisversionen bieten Klassenstandards wie Zweizonen-Klimaautomatik, Lederlenkrad und Leichtmetallräder; die Liste an Upgrades ist aber lang. Zur Erleichterung hat Mercedes einige Pakete geschnürt: Für Exterieur und Interieur gibt es oberhalb der Basis jeweils drei Stufen (Avantgarde, Exclusive und AMG Line), die sich in Ausstattungsumfang und Ausprägung deutlich unterscheiden. In der langen Aufpreisliste standen aber noch etwa Luftfederung, LED-Leuchten in der Multi-Beam-Ausführung oder ein 80-Liter-Tank.

Gebrauchtwageninteressenten müssen daher penibel nachschauen, über welche Extras das in Frage kommende Fahrzeug verfügt. Das gilt auch für die vielen Assistenzsysteme, die für die E-Klasse im Programm sind. Beim NCAP-Crashtest erzielte die Limousine die volle Fünf-Sterne-Bewertung.

Ohne große Probleme beim TÜV

Die wichtigste Änderungen beim Design der Mercedes E-Klasse betrifft die Rückleuchten der Limousine. Foto: Daimler

Beim W 213 liegt die Zahl der mängelfreien Fahrzeuge bei den TÜV-Hauptuntersuchungen (HU) über dem Durchschnitt der untersuchten Fahrzeuge und das, obwohl Fahrleistungen über dem Schnitt liegen. Ganz mängelfrei ist die E-Klasse allerdings nicht. Bei der HU bemängeln die Prüfer die Achsaufhängung. Die Doppelquerlenkerachse, die auch in der C-Klasse genutzt wird, bereitet Probleme. Auch die Feststellbremse gibt Anlass zu Kritik. Die anderen Prüfkriterien sind unauffällig.

Mit der Mercedes E-Klasse-Limousine kann man nicht viel falsch machen. Sie sieht gut aus, das Motorenangebot ist groß und bei den Themen Komfort und Sicherheit ganz vorn dabei. Allerdings ist das Angebot auf den Gebrauchtwagenbörsen ziemlich ausgedünnt. Dafür sind die Preise hoch. Ältere Modelle mit sehr hoher Laufleistung (knapp 300.000 Kilometer) werden ab rund 20.000 Euro angeboten. Mit etwas geringerem Tachostand muss man mindestens 25.000 Euro einplanen. (SP-X)

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