Magna-Manager: KI ist für mich Enabler für jedes Feature im Auto

Sharath Reddy, Vize-Präsident R&D Magna International

Magna-Manager: KI ist für mich Enabler für jedes Feature im Auto
Magna-Manager Sharath Reddy auf dem Messestand des Zulieferers auf der IAA. © Magna

Magna gehört zu den weltweit führenden Automobilzulieferern. Im Interview spricht Magna-Manager Sharath Reddy unter anderem über die Krise der Branche, China Speed und Technologien, die der Zulieferer seinen Kunden anbietet.

Die Krise in der Autoindustrie hat angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Konkurrenz aus China und der Transformation hin zur Elektromobilität längst die Zulieferer erreicht.

Sie müssen die Autobauer angesichts der sich verändernden Mobilitätsbedürfnisse mit einer Vielzahl neuer Technologien beliefern. Für global aufgestellte Zulieferer wie Magna bedeutet das nichts anderes, als dass sie von der Verbrenner-Technologie, über die Software bis hin zur Elektrifizierung des Antriebs ihren Kunden einen ganzen Strauß von Lösungen anbieten müssen. Allein auf die Elektromobilität zu setzen, reicht nicht.

„Die Märkte sind so verschieden, dass wir jeweils auch die passenden Technologien im Angebot haben müssen“, sagt Sharath Reddy, Senior Vice President Forschung & Entwicklung bei Magna im Gespräch mit der Autogazette. Wir trafen den Manager in der Vorwoche am Stand des Zulieferers in der Halle B3 auf der IAA Mobility in München.

Messen wie IAA mit hohem Stellenwert

Magna folgt globalen Trends, auch bei den Antrieben. Foto: Mertens

Während viele von einem Abgesang von Automessen sprechen, will er davon nichts hören. Sie sind wichtig, sehr wichtig sogar, so Reddy. Sie böten eine hervorragende Gelegenheit, mit der gesamten Branche in Kontakt zu kommen, sich auch mit anderen Zulieferern auszutauschen. Und natürlich möglichst auch Geschäfte zu machen. Allein am ersten Messetag hatte er Gespräche mit acht Kunden, wie Reddy erzählt. Es seien Meetings mit Vorstandsmitgliedern verschiedener Hersteller gewesen, die Interesse an den Produkten und kommenden Innovationen von Magna hatten. „Für mich ist eine solche Messe eine hervorragende Gelegenheit, sich auszutauschen, über neue Ideen und Anforderungen zu sprechen, den Kunden unser Portfolio zu präsentieren.“

Wichtig sei das auch deshalb, weil Magna im Gegensatz zu kleineren Zulieferern nicht nur ein Produkt im Angebot habe, sondern ein breit gefächertes Portfolio. Das reiche beispielsweise von elektrifizierten Antriebssträngen, Fahrassistenzsystemen bis hin zur Auftragsfertigung. Ein derart breites Angebot anbieten zu können, erfordere eine hohe Innovationskraft, so Reddy. Kurz nach unserem Gespräch wurde bekannt, dass Magna in seinem Werk im österreichischen Graz zwei Elektromodelle für den chinesischen Hersteller Xpeng fertigt.

China bei Entwicklung mit höherem Tempo

Dass die Branche in einer Krise steckt, liegt aus Sicht des Magna-Entwicklers neben den schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen auch am Tempo, dass die Industrie in der westlichen Welt an den Tag legt, „sie sei angesichts der neu auf den Markt gekommenen Konkurrenz ein wenig langsam gewesen“. Um wieviel schneller die neue Konkurrenz gerade aus China ist, hätte er zuletzt auf der Shanghai Auto Show gesehen. Es sei beeindruckend, wie schnell hier neue Technologien entwickelt werden, sie schnell auf den Markt kommen.

Und wie schnell ist man bei Magna? Ist man bereits mit „China Speed“ unterwegs? „In China sind wir bereits mit China Speed unterwegs. Dort haben wir bereits 66 Fabriken. Das Geschäft dort boomt, wir arbeiten mit einer Vielzahl von chinesischen Herstellern zusammen.“ Dass man immer von „China Speed“ redet, ist aus Sicht von Reddy indes nicht der richtige Ansatz. „Darum geht es gar nicht, es geht darum, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen.“ Und da kann man von den Chinesen lernen. Während im Westen die Entwicklung eines Autos vier Jahre dauert, geht das in China viel, viel schneller. „In China kann man eine neue Plattform in 12 oder 18 Monaten aufsetzen. Daran sieht man den Unterschied.“

China längst wichtigster Markt

Bei Magna sähe man aber, dass sich diese Prozesse auch bei den westlichen Kunden verändern, dieses schneller werden – „und dafür bieten wir ihnen unsere Cross-Domain-Produkte an. Sie kommen von unseren unterschiedlichen Magna-Gruppen, die für jeden Bereich entsprechend spezialisiert sind. Diese Kompetenz macht Magna die vergangenen 65 Jahre so erfolgreich.“

Für Magna ist China längst zum wichtigsten Markt geworden. Für die Innovationen in der Branche spielt das Land eine herausgehobene Rolle, so Reddy: „Die Longterm-Trends, die in China entstehen, kommen mit einer Verzögerung von zwei bis fünf Jahren dann nach Europa oder Nordamerika.“ Aber nicht alles, was dort auf den Markt komme, würde auch Sinn für die westlichen Regionen machen, schränkt Reddy ein, „aber wir müssen diesen Markttrends folgen“. Magna sei dafür gut aufgestellt.

Nordamerika wendet sich verstärkt Verbrenner zu

Dass in Europa gerade eine Diskussion um das Verbrenner-Aus 2035 und eine Technologieoffenheit geführt werde, nehme man bei Magna natürlich wahr. Doch als global aufgestelltes Unternehmen folge man „den globalen Trends, nicht den Trend in den regionalen Ökosystemen“.

Mit Blick auf den nordamerikanischen Markt beispielsweise erwartet Reddy eine verstärkte Zuwendung auf den Verbrenner, in China hingegen zu einer weiteren Elektrifizierung. Wie geht man damit als Zulieferer um? Indem man in seinen Produktionsstätten entsprechend flexibel auftstelle. Denn das, was heute nachgefragt wird, kann in den nächsten Jahren schon ganz anders ausschauen, so Reddy. Darauf gelte es sich als Zulieferer schnell einzustellen. So wie man eine starke Nachfrage nach Hybriden feststelle, stelle man neuerdings auch eine solche nach Fahrzeugen mit Range Extender fest. Noch habe man diese Technologie zwar nicht im Angebot, doch man arbeite daran, da es eine entsprechende Nachfrage gäbe.

Beim autonomen Fahren von Waymo

Abseits der Antriebstechnologien spielt für Magna das autonome Fahren eine zunehmend wichtige Rolle. Hier biete man seinen Kunden Lösungen für das autonome Fahren auf Level 2+ und Level 3 an. Dazu habe man gerade auch eine Kooperation mit NVIDIA geschlossen, sodass man deren aktuellsten SOC (System-on-a-Chip) nutzen könne, der eine deutlich bessere Rechenleistung bietet. Dadurch sei das autonome Fahren sogar bis auf Level 4 möglich, so Reddy. Der R&D Chef verweist in diesem Zusammenhang zugleich auf die Kompetenz von Magna bei Sensoren und Kameras, die gerade auch für Fahrassistenzsysteme notwendig sind. In den USA sei man beim autonomen Fahren zugleich auch Partner von Waymo.

Das Software-definierte-Fahrzeug spielt natürlich auch bei Magna eine wichtige Rolle. Foto: Mertens

Mit Blick auf die Fahrassistenzsysteme sei es wichtig, diese zu demokratisieren, sie also auch in kleiner Fahrzeugklassen zu bringen, so Reddy. „Als Magna machen wir hier entsprechende Angebote.“ Als Beispiel für solche Systeme nennt Reddy die adaptive Geschwindigkeitskontrolle, einen Spurwechselwarner oder einen Totwinkelwarner. Durch den Einsatz solcher Systeme würde das Fahren sicherer, die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr sinken. Die Regulatorik sollte indes nicht dazu führen, dass die Fahrer von den Assistenten genervt sind, sie lieber ausstellen. Reddy verweist dabei auf den Tempolimitwarner, der beim Überschreiten der erlaubten Geschwindigkeit den Fahrer mit einem Piepton darauf aufmerksam macht.

Eine zunehmend wichtige Bedeutung spielt auch für Magna der Einsatz der Künstlichen Intelligenz. Sie spielen beispielsweise für die Performance der Sensoren und Kameras eine enorm wichtige Rolle, nennt Reddy ein Beispiel. „KI ist für mich ein Enabler für jedes Feature im Auto.“ Die KI sorgt für Simplifizierung der Prozesse, eine besseres Nutzerverhalte. Aber nicht nur das: Auch in der Entwicklung und der Produktion sorgt sie für effizientere Prozesse. Mit Blick auf die Hersteller sorgt die KI auch für deutlich geringere Entwicklungszeiten. Mit Blick auf die KI hat Reddy auch ambitionierte Ziele. Er möchte, dass Magna zu den Vorreitern gehört, wenn es um den Einsatz von KI-Technologie in der Zulieferbranche geht.

Nach knapp 30 Minuten geht unser Gespräch zu Ende. Auf Reddy warten die nächsten Gespräche.

Keine Beiträge vorhanden