Schnellladenetz für Lkw: Ausbau an Autobahnen geht los

Vorerst 836 Ladepunkte geplant

Schnellladenetz für Lkw: Ausbau an Autobahnen geht los
EIn Lkw von Daimler Trucks an der Ladestation. © Daimler Trucks

Elektro-Lkw werden bei Speditionen auch angesichts der steigenden Spritpreise beliebter. Nun geht auch der Ausbau des Schnellladenetzes an den Autobahnen los.

Der Ausbau des Schnellladenetzes für Elektro-Lkw an den Autobahnen kann starten. Die Autobahn GmbH hat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die ersten Aufträge für Planung, Bau und Betrieb der Ladeinfrastruktur auf unbewirtschafteten Rastanlagen vergeben. Insgesamt geht es um 124 Standorte mit 836 Ladepunkten.

Davon sind 447 für das Megawatt-Ladesystem MCS vorgesehen, das besonders hohe Ladeleistungen für schwere Nutzfahrzeuge ermöglichen soll. Hinzu kommen langsamere 389 CCS-Ladepunkte, wo bei längeren Standzeiten oder über Nacht geladen werden soll. Die Standorte verteilen sich nach Angaben der Autobahn GmbH über das gesamte Bundesgebiet.

Vergabeverfahren mit fünf Losen

Die Vergabe ist in fünf Lose aufgeteilt, die jeweils rund 25 Rastanlagen umfassen. Zum Zuge kommen Eliso Voltix Truck Charging, autostrom.plus, Electric Mobility Infrastructure Deutschland/Engie Vianeo, die Bietergemeinschaft STRA-loaded sowie die Bietergemeinschaft Eon Drive & mblty.

Die Vergabe der ersten Lose soll ein erster Schritt zur Schaffung eines bundesweiten Lkw-Schnellladenetzes sein. Bis 2030 sollen insgesamt 350 Standorte an bewirtschafteten und unbewirtschafteten Rastanlagen am Netz sein. Für den Aufbau stellt der Bund rund eine Milliarde Euro bereit. Für bewirtschaftete Rastanlagen ist ein weiteres Vergabeverfahren in Vorbereitung.

Zufriedenheit bei Speditionen

E-Lkw werden bei Speditionen immer beliebter: Transportunternehmen mit praktischer Erfahrung bewerten batterieelektrische Lkw überwiegend positiv. Rund 93 Prozent der Firmen sind mit ihren E-Trucks zufrieden, wie eine Studie des Öko-Instituts im Rahmen des Forschungsprojekts ELV-Live ergeben hat. 42 Prozent der Langzeitanwender geben zudem an, dass sich ihre Einschätzung mit zunehmender Nutzungsdauer weiter verbessert hat.

Auch im Detail fällt die Bilanz der Pioniere überwiegend positiv aus. So berichten 39 Prozent der Unternehmen, dass ihre E-Lkw seltener oder deutlich seltener fehleranfällig sind als vergleichbare konventionelle Lkw. Besonders gut schneiden die Fahrzeuge außerdem beim Fahrpersonal ab. Fahrkomfort, Laufruhe und positives Fahrgefühl zählen laut Studie zu den wichtigsten Zufriedenheitsfaktoren.

Ladeninfrastruktur mit Relevanz

Während in der frühen Einführungsphase noch fahrzeugseitige Themen wie ungenaue Reichweitenprognosen oder einzelne Ausfälle im Vordergrund standen, beschäftigen die Anwender inzwischen stärker Fragen der Tourenplanung und der Ladeinfrastruktur. Das Depotladen bleibt dabei der Standard: Im Mittel decken die befragten Unternehmen 83 Prozent des Energiebedarfs ihrer E-Flotten am eigenen Standort. Öffentliches Laden an Lkw-Ladesäulen spielt mit 4 Prozent bislang nur eine Nebenrolle. Rund zwei Drittel der Unternehmen nutzen zudem eigene Stromerzeugung, etwa Photovoltaikanlagen. Dadurch erreichen sie laut Studie im Durchschnitt Depot-Strompreise von 23,77 Cent je Kilowattstunde.

Die positive Praxiserfahrung schlägt sich auch in weiteren Investitionsplänen nieder. 72 Prozent der Pionierunternehmen planen konkret die Anschaffung weiterer schwerer E-Lkw. Das Öko-Institut wertet dies als Hinweis darauf, dass batterieelektrische Lkw die reine Erprobungsphase im schweren Straßengüterverkehr verlassen haben. Für den weiteren Hochlauf bleiben jedoch schnellere Netzanschlüsse, mehr öffentliche Lkw-Ladepunkte und unabhängige Informationen zur Wirtschaftlichkeit wichtig. (SP-X)

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