Elektro- und Wasserstoff-Lkw sollen den Güterverkehr klimafreundlicher machen. Doch der Ausbau von Ladepunkten, Netzanschlüssen und Tankstellen hält mit der Technik nicht Schritt.
Der Straßengüterverkehr könnte einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der deutschen und europäischen Klimaziele leisten. Knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen des europäischen Straßenverkehrs entfallen nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) auf schwere Nutzfahrzeuge. Entsprechend groß ist hier das Einsparpotenzial durch alternative Antriebe.
Doch während herstellerseitig das Angebot an batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Lkw wächst, kommt die für eine effiziente Nutzung nötige Energieinfrastruktur nach Einschätzung des Branchenverbands zu langsam voran.
Klimaziel könnte 2026 verpasst werden
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen auch aktuelle Berechnungen von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende. Demnach könnte Deutschland 2026 erstmals sein Klimaziel insgesamt verfehlen. Zwar sanken die Emissionen des Verkehrssektors im ersten Halbjahr um rund vier Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Der Rückgang ist jedoch vor allem Folge einer schwachen Konjunktur und eines entsprechend rückläufigen Aufkommens im Schwerlastverkehr. Auf Bundesstraßen nahm der Lkw-Verkehr um acht Prozent, auf Autobahnen um zwei Prozent ab. Doch die konjunkturelle Delle belegt in erster Linie, dass eine strukturelle Verkehrswende weiter auf sich warten lässt.
Die stärkere Elektrifizierung des Güterverkehrs kann einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Absenkung der CO2-Emissionen leisten. Was ihr fehlt, so der VDA, ist eine leistungsfähige Infrastruktur. Demnach stehen derzeit EU-weit lediglich rund 730 Ladepunkte mit mindestens 350 kW Leistung exklusiv für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Nach Berechnungen des europäischen Herstellerverbands ACEA wären bis 2030 dagegen rund 35.000 öffentlich zugängliche Megawatt-Ladepunkte nötig. In Deutschland stehen aktuell 355 Lkw-Ladepunkte an 88 Standorten zur Verfügung. Bis 2030 soll ein initiales Netz mit 4.200 Anschlüssen entstehen, darunter 1.800 besonders leistungsfähige MCS-Lader. Nach Ansicht des VDA wären jedoch 4.000 MCS-Anschlüsse erforderlich.
Hürden beim Ausbau der Infrastruktur
Auch beim Aufbau von Ladeinfrastruktur auf Betriebshöfen sieht der VDA erhebliche Hürden. Von den für 2030 in Deutschland prognostizierten knapp 14 GW Ladeleistung müssten mehr als 11 GW über private Depotanlagen bereitgestellt werden. Gerade die Installation derart leistungsfähiger Netzanschlüsse könnte laut VDA unter den aktuell vorherrschenden Rahmenbedingungen im Extremfall bis zu zehn Jahre benötigen.
Auch Wasserstoff hält der Branchenverband für einen wichtigen Baustein der klimaneutralen Verkehrswende. Laut VDA hinkt auch hier der Infrastrukturausbau hinterher. Für 2030 werden europaweit rund 2.000 Lkw-geeignete Tankstellen, davon etwa 300 in Deutschland, veranschlagt. Aktuell gibt es EU-weit rund 150 Stationen mit 350-Bar- und 168 mit 700-Bar-Technik.
Wie breit das Angebot alternativer Antriebe inzwischen geworden ist, wird die Nutzfahrzeugbranche Mitte September auf der IAA Transportation (15. bis 20. September) in Hannover demonstrieren. Auf der alle zwei Jahre stattfindenden Leistungsschau der Lkw-Hersteller werden vor allem batterieelektrische Lkw sowie Wasserstofftechnik und weitere Lösungen für einen emissionsärmeren Güterverkehr im Mittelpunkt stehen. Die Technik ist also da, trifft in Europa allerdings auf eine bislang eher zögerlich ausgebaute Versorgung mit Strom und Wasserstoff. (SP-X)



