Der Premiummarkt ist hart umkämpft. Lexus versucht bisher vergeblich, sich hier zu positionieren. Nun bringen die Japaner den überarbeiteten RZ. Er soll der Marke weiteren Auftrieb geben.
Die Citroen-Edeltochter DS versucht es bisher vergeblich, Genesis genauso – und auch Lexus gelingt es nicht, im deutschen Premiummarkt aus der Nische herauszukommen. Kein Wunder: Schließlich tritt man hier in Konkurrenz zu den heimischen Platzhirschen Audi, BMW und Mercedes.
Wer hier reüssieren will, der muss schon einiges zu bieten haben. Da reicht nicht nur ein attraktiver Preis. Man muss den Kundinnen und Kunden auch technologisch einen Mehrwert bieten. Dieses Bemühen war bei Lexus mit Blick auf die Absatzzahlen bisher nicht vom Erfolg begleitet. Im Vorjahr konnte die Marke bundesweit nur 5712 Pkw neu zulassen. Das ist wenig, auch wenn sich damit der neue Deutschlandchef Michael Röck nicht unzufrieden zeigt. „Der Absatz hat sich gut entwickelt“, so der Manager. Gerade mit dem neuen LBX sei es gelungen, den Absatz zu steigern, merkte Röck bei der Vorstellung des zum neuen Modelljahr überarbeiteten RZ im portugiesischen Faro an.
Im Vorjahr kam der kompakte LBX immerhin auf 1366 Neuzulassungen. Er kommt damit allein auf einen Anteil von rund 24 Prozent am Gesamtabsatz der Marke. Besser als er sind nur der RX (1060/18,6 Prozent) und der NX (1655/29 Prozent. Der elektrische RZ kam im Vorjahr auf gerade einmal 146 Neuzulassungen (2,6 Prozent).
Neuer RZ mit mehr Reichweite
Mit dem neuen RZ soll nun alles besser. Dafür hat man dem Stromer nicht nur eine größere Batterie (77 kWh) samt mehr Reichweite und Leistung gegönnt, sondern ihm auch ein Steer-by-Wire-System und erstmals eine F-Sportvariante mit auf den Weg gegeben. Beim RZ 350e mit Frontantrieb und einer Leistung von 224 PS liegt die Reichweite in Kombination mit den 18 Zoll Felgen bei bis zu 568 Kilometer.
Die beiden Allradmodelle RZ 500e (380 PS) und der RZ 550e (408 PS) kommen auf elektrische Reichweiten von bis zu 456 PS beziehungsweise 440 Kilometer. Damit hat sich die Reichweite je nach Modell um bis zu 95 Kilometer verbessert. Gelungen ist dies unter anderem durch Optimierungen am Antriebsstrang mit einer neuen Lithium-Ionen-Batterie, die nun über mehr Batteriezellen verfügt. Doch wird das reichen, um ihn zu einem Absatzbringer werden zu lassen?
Preis steht noch nicht fest
Das wird auch, aber nicht nur vom Preis abhängen. Der steht indes noch nicht fest. Bisher beginnt er beim Vorgänger bei 55.600 Euro. Mal sehen, wie der Neue eingepreist wird. Aber bereits der Vorgänger ist nicht günstig – auch nicht im Premiumumfeld. Doch wer sich für einen Lexus entscheidet, zeigt angesichts der übermächtig erscheinenden Konkurrenz aus Ingolstadt, Stuttgart und München einen Hauch Individualität. Man möchte anders sein, zeigt das mit seinem Auto, in diesem Fall dem neuen RZ, dessen Vorverkauf im Oktober beginnt, ehe im neuen Jahr die ersten Fahrzeuge zum Handel rollen.
Er zeigt aber auch, dass er neuen Technologie aufgeschlossen gegenüber steht. Das ist dann der Fall, wenn er sich für das Topmodell F Sport entscheidet. Denn das wird serienmäßig mit dem Steer-by-Wire-System angeboten. Sprich: Es gibt keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Vorderrädern. Vielmehr werden mit dem System die Lenkbefehle durch elektrische Signale von einem Drehmomentaktuator an einen Steueraktuator weitergeleitet.
Steer-by-Wire im F Sport
Im Zusammenspiel mit dem Yoke-Lenkrad soll dass das Lenken für die Fahrerin oder den Fahrer deutlich erleichtern. Bei der altbekannten Lenkung braucht man im Regelfall zwei bis drei Umdrehungen, um bis zum linken oder rechten Anschlag zu kommen. Bei Steer-by-Wire reicht dafür eine 200 Grad-Drehung aus. Braucht man das? Nun ja, es erleichtert die Lenkung gerade bei geringerem Tempo, ist angesichts des Lenkraddesigns aber gewöhnungsbedürftig. Denn das verzichtet auf den unteren und oberen Teil des Lenkradringes. Das Übergreifen wird damit unnötig. Letztlich vermisst man aber nichts, wenn man mit der herkömmlichen Lenkung unterwegs ist. Lexus erwartet, dass europaweit acht Prozent des Absatzes auf die F Sport-Variante und damit auf Steer-by-Wire entfallen. In Deutschland erwartet man eine Take-Rate von zehn Prozent, da das System auch optional für die Luxury-Variante angeboten wird.
Wichtiger als Steer-by-Wire sind aber die Fahrleistungen und die Leistungsentfaltung. An ihnen dürfte es auf jeden Fall nicht liegen, sollte sich der neue RZ wieder nur in homöopathischen Dosen verkaufen. Das von uns u.a. gefahrene Topmodell mit 408 PS jedenfalls stellt auch sportlich orientierte Fahrer zufrieden. In gerade einmal 4,4 Sekunden beschleunigt der RZ auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei vollkommen ausreichenden 180 km/h erreicht.
Direkte Lenkung, gute Fahrdynamik
Auf der kurvenreichen Strecke im Hinterland von Faro hinterließ der RZ dabei nicht nur mit seinen Leistungsdaten einen guten Eindruck, sondern auch mit der Fahrdynamik. Dazu trägt insbesondere die weiterentwickelte Direct4 Allradsteuerung, die für noch bessere Traktion und Fahrstabilität sorgen soll. Ob hier ein deutlicher Fortschritt zum Vorgänger erzielt wurde, können wir wegen eines direkten Vergleichs nicht sagen, doch selbst bei flotter Kurvenfahrt lag der RZ satt und souverän auf der Straße – und die Lenkung spricht direkt an, sei es nun mit oder ohne Steer-by-Wire. Nickbewegungen sind nur minimal.
Ach ja: Ein kleines Gimmick hat Lexus dem RZ F Sport noch mit auf den Weg gegeben: eine virtuelle Achtgangschaltung. Mit dem so genannten Interactive Manual Drive kann die Fahrerin oder Fahrer über die Schaltwippen am Lenkrad die Leistungsabgabe manuell vornehmen. Muss man mögen, doch zu einem E-Auto passt das ebenso wenig wie ein synthetischer Sound, den einige Hersteller für ihre Stromer anbieten.
Effizienter Verbrauch
Und der Verbrauch? Er soll beim Topmodell bei 18,2 kWh/100 Kilometer liegen. Ein Wert, den wir bei den durchaus flotten Testfahrten mit 17,8 kWh sogar unterboten haben. Ist der Akku leer, kann bei allen Modellen übrigens mit maximale 150 kW geladen werden. Damit braucht man rund 30 Minuten, um die Batterie von 10 auf 80 Prozent zu laden.
Angenehm präsentiert sich der Neue mit seinem Fahrkomfort – und dazu gehört auch die Aeroakustik. Dank guter Dämmung und Akustikglas sind die Innenraumgeräusche angenehm ruhig, auch wenn die 20 Zöller gerade auch auf der Autobahn keine Leisetreter sind.
Bleiben wir beim Komfort. Die Federung ist straff, aber nicht zu hart, sodass Straßenunebenheiten gut absorbiert werden, auch wenn man Querfugen deutlich wahrnimmt. Dkie Sitze im RZ bieten ausreichend Seitenhalt und die Cockpitanmutung ist ansprechend, der Touchscreen ist leicht bedienbar. So muss es sein. Über zu wenig Platz brauchen sich die Passagiere nicht beklagen, auch nicht im Fond. Hier können selbst Großgewachsene gut Platz nehmen, ohne gymnastische Verrenkungen anstellen zu müssen. Das Kofferraumvolumen wird übrigens auch Familien erfreuen: es liegt zwischen 522 Liter und 1451 Liter. Das ist anständig.
Der Lexus RZ hinterlässt am Ende der Testfahrten einen stimmigen Eindruck. Ob das indes reichen wird, die Verkaufszahlen deutlich nach oben zu bringen, bleibt abzuwarten. Im ersten Halbjahr kam der Vorgänger übrigens auf 288 Neuzulassungen. Nun hofft man bei Lexus, dass der RZ an den Erfolg des LBX anknüpfen kann. Ein Absatz um die 1000 Einheiten würde die Erwartungen erfüllen.

