Wer Premium sein will, muss nicht fünf Meter lang bauen. Lexus versucht den Nachweis für diese These mit dem Modell LBX. Das misst nur 4,19 Meter.
Der Nobel-Ableger von Toyota hatte bisher kein so kleines Modell im Angebot. Der Hersteller spekuliert darauf, dass es genügend Menschen gibt, die einerseits gediegenes Ambiente, hochwertige Ausstattung und solide Assistenztechnik schätzen, andererseits aber keine sperrige Premium-Limousine im urbanen Dschungel einparken wollen. Und die bereit sind, ein höheren Preis zu zahlen, als es im B-Segment sonst üblich ist. Versehen mit einem 1,5 Liter großen Dreizylinder-Motor nebst Hybrid-Technik kostet der LBX mindestens 33.000 Euro.
Die Idee scheint aufzugehen, denn 2025, dem ersten vollen Verkaufsjahr in Deutschland, erreichte der kleine Lexus fast ein Drittel der gesamten Neuzulassungen der Marke. Da trifft es sich besonders gut, dass sich die Entwicklungskosten in überschaubarem Rahmen hielten. Der LBX ist nämlich technisch eng verwandt mit dem Toyota Yaris Cross. Das Modell Yaris ist hierzulande der bestverkaufte Toyota des vergangenen Jahres. Als Zwillinge sollte man beide Autos aber nicht ansehen, denn Lexus hat viel dafür getan, dem LBX eine eigenständige Note zu geben. So sind sie eher Halb-Geschwister, denen man unterschiedliche Gene auch ansehen soll.
Stämmigere Erscheinung als Yaris Cross
Insgesamt wirkt der LBX stämmiger als der Yaris Cross, was vor allem an der um sechs Zentimeter breiteren Spur und den muskulös ausgestellten hinteren Radhäusern liegt. Die Felgen sind in der Ausstattungslinie „Cool“ 18 Zoll groß, auch das lässt ihn erwachsener wirken. Vom bisher bekannten „Diabolo-Grill“ der Marke ist kaum noch etwas zu sehen, weil das Einlassgitter rahmenlos mit der Front verschmilzt. Äußerst schmale LED-Lichter werden mit einer Chromspange verbunden. Das durchgehende Leuchtenband am Heck setzt einen weiteren optischen Akzent.
Der aus Verbrenner und E-Motor bestehende Antrieb ist nicht gänzlich neu, wurde aber unter den Bedingungen aktueller Emissions-Limits gründlich überarbeitet. Der Dreizylinder leistet 91 PS, das vorn eingebaute Elektro-Aggregat sogar drei mehr (69 kW). Weitere 4,7 kW steuert ein Elektromotor hinten bei, wenn man sich für die Allradvariante E-Four entscheidet. Die Systemleistung wird mit 136 PS (100 kW) angegeben und das Drehmoment mit 185 Newtonmetern.
Nobel wirkende Möblierung
Das ist nicht wirklich viel, auch wenn der Wagen offiziell nur rund 1350 Kilogramm auf die Waage bringt. Umso mehr erstaunt es, wie munter das City-SUV zu Werke geht. Die E-Maschine hat natürlich ihren Anteil daran und im Alltagverkehr schwimmt der LBX souverän mit. Auf der Landstraße verlangen Überholvorgänge etwas mehr Sorgfalt, denn um von 80 auf 100 km/h zu kommen, dauert es länger als zum Beispiel die Beschleunigung von 30 auf 50 km/h. Das stufenlose CVT-Getriebe ist zwar weitgehend vom ungeliebten „Gummiband-Effekt“ befreit, erledigt seine Arbeit aber grundsätzlich mit stoischer Gelassenheit. Zwar gibt es wie bei „den Großen“ auch Schaltpaddel am Lenkrad, aber da die Fahrstufen nur simuliert werden, ist die spürbare Wirkung zu vernachlässigen.
In der Kabine empfängt die Passagiere eine noble Atmosphäre, die Materialien wirken edel, Oberflächen im Cockpit sind größtenteils unterschäumt und haptisch angenehm. Mit Ziernähten wird nicht gegeizt, alles sieht aufgeräumt und wertig aus. Hartplastik kommt nur an weniger offensichtlichen Stellen zum Einsatz. Die Türschlösser funktionieren auf elektromagnetischer Basis, was zwar keine erkennbaren Vorteile bringt, aber auch keine Nachteile, denn innen sind die Öffnungstaster mit einer Doppelfunktion versehen und können auch als mechanische Hebel dienen.
Hinten kann’s schnell eng werden
Dass von einem nicht einmal 4,20 Meter kurzen Pkw keine Raumwunder zu erwarten sind, versteht sich von selbst. Vorn geht es noch einigermaßen gemütlich zu, sieht man einmal davon ab, dass Menschen von mehr als 1,80 Metern Größe sich wohl längere Sitzschienen wünschen würden. Sie müssen jedoch so kurz sein, weil andernfalls für die Rückbänkler auch der letzte Knieraum abhandenkommen würde. Vorn ist die Kabine 1,38 Meter breit, hinten sind es sieben Zentimeter weniger. Die Ladekante liegt mit 78 cm im Durchschnitt, dahinter geht es um 20 Zentimer in die Tiefe, so dass ein Kofferraumvolumen von 400 Litern entsteht. Eine ebene Ladefläche kann man durch Umlegen der Rücksitzlehnen nicht erreichen, aber immerhin darauf vertrauen, dass mehr als 990 Liter Volumen nutzbar sind.
Als „Cool“-Version kostet der kleine Lexus stolze 11.000 Euro mehr als die Basisausführung. Um das zu rechtfertigen, hat Lexus so ziemlich alles an Komfort- und Sicherheits-Features hineingepackt, was das Regal hergab. Angefangen vom intelligenten Park-Assistenten und der elektrischen Heckklappe über Head-Up-Display, Lenkrad- und Sitzheizung, fünf USB-Ports, Ambiente-Beleuchtung und 360-Grad-Kamera bis hin zu einem umfangreichen Arsenal an Assistenten, die sich um Spurhaltung, Querverkehr, Fahrzeug-Annäherung von hinten, Verkehrsschild-Erkennung und Temporegelung kümmern. Für gute Unterhaltung soll ein Mark-Levinson-Soundsystem sorgen. Aussagen zur Güte des Navigationssystems müssen an dieser Stelle unterbleiben, da der Testwagen vor der Bereitstellung ein notwendiges Update nicht erhalten hatte. Fehlt eigentlich nur die elektrische Verstellbarkeit des Beifahrersitzes.
Winter-Wetter fordert Tribut
Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass sich Dreizylinder-Motoren ihrer Umwelt gern auf etwas knurrige Weise mitteilen. Das ist beim LBX nicht anders. Doch dank großflächigen Einsatzes von Dämmmaterial – es sollen rund 60 Kilo davon verbaut sein – nervt die Maschine nicht. Unter Labor-Bedingungen erreicht der elektrisch unterstützte Verbrenner einen Verbrauch von 4,6 Liter/100 km. Herrscht permanenter Frost und sind die Heizungen für Kabine, Sitze und Lenkrad im Dauereinsatz wie im Falle unserer Testfahrten, geht der Spritkonsum nach oben. Zu Protokoll genommen wurden 5,8 Liter/100 km.
Da Fahrkomfort, Federungs- und Dämpf-Eigenschaften durchaus höheren Ansprüchen genügen, die Lenkung ausreichend präzise ist und sich auch längere Strecken entspannt zurücklegen lassen, ist am Gesamtpaket nichts zu tadeln. Die Frage, ob man sich einen sehr gut ausgestatteten Kleinwagen zum Preis eines Mittelklässlers zulegen möchte, wird individuell wohl aber unterschiedlich beantwortet.


