Leapmotor B05 setzt Golf-Klasse unter Strom

Leapmotor B05 setzt Golf-Klasse unter Strom
Der Leapmotor B05 ist mit 218 PS unterwegs. © Leapmotor

Es läuft für Leapmotor. Die Marke befindet sich auf Wachstumskurs – und hat sich für dieses Jahr ambitionierte Ziele gesetzt. Die sollen gerade auch mit dem neuen B05 erreicht werden.

„Für dieses Jahr“, so sagt Francesco Giacalone, „erwarten wir in Deutschland eine Verdreifachung des Vorjahresabsatzes“. Der Produkt- und Marketingchef von Leapmotor hängt die Messlatte für Deutschlandchef Martin Resch hoch. Resch vernimmt die ambitionierten Zahlen gelassen. Leapmotor hat einen Lauf. Im Vorjahr konnte der Joint Venture-Partner von Stellantis auf dem hartumkämpften deutschen Markt mit gerade einmal drei Modellen 7280 Neuzulassungen erzielen. Das Gros davon entfiel auf den Einstiegsstromer T03 (4962 Neuzulassungen). Dahinter folgen der C10 (1889) und der erst später im Jahr auf den Markt gekommene B10 (427).

In diesem Jahr soll es also das Dreifache werden? Kann das klappen? Nach fünf Monaten weisen die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für die Marke 5740 Neuzulassungen auf, ein Plus von übrigens fast 284 Prozent. Von 21.000 Neuzulassungen ist man damit jedoch weit entfernt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg. In diesen Zahlen sehen Sie ja nicht unsere Bestelleingänge. Und die sind hoch“, sagt der Deutschlandchef.

Preis startet bei 27.900 Euro

Die hohe Nachfrage nach den Modellen von Leapmotor liegt dabei nicht nur an der Elektroprämie, sondern auch den gestiegenen Spritpreisen. „Diese Aspekte sorgen dafür, dass sich immer mehr Kundinnen und Kunden für ein Elektroauto entscheiden“, so Resch. Gerade nach dem T03 (ab 18.900 Euro) gab es in den zurückliegenden Wochen einen wahren Run. „Gerade erst sind 3500 T03 mit dem Schiff angekommen, die jetzt nach und nach in die Zulassung kommen.“ 1000 weitere T03 sind auf den Weg nach Europa. „In den kommenden Wochen werden sie diese Fahrzeuge dann in den Zulassungszahlen sehen.“

Zudem geht die Modelloffensive von Leapmotor weiter. Nun kommt mit dem B05 ein neues Elektroauto – und es ist in der Golf-Klasse unterwegs. „In China verkaufen wir davon pro Monat 8000 Einheiten“, sagt Giacalone. Auch in Deutschland erwartet Resch eine hohe Nachfrage für den neuen Stromer, der auf dem hiesigen Markt für einen Preis von 27.900 Euro angeboten wird. Allein der Preis lässt für einen Stromer im C-Segment aufhorchen. Die Einstiegsvariante ist mit 56,2 kWh großen Batterie unterwegs, die für eine Reichweite von 401 km gut sein soll. Daneben gibt es auch noch die auch von uns gefahrene Variante mit der größeren 67,1-Batterie mit einer Reichweite von bis zu 481 Kilometer. Hier beginnt der Preis bei 31.900 Euro. Es ist ein Angebot für das 4,43 Meter lange Fahrzeug, was auch für jüngere Kundengruppen interessant ist. „Mit dem B05 wird sich unsere Kundschaft weiter verjüngen“, ist Resch überzeugt.

Sportliche Beschleunigungswerte

Reduziert aufs Wesentliche: das Cockpit des Leapmotor B05. Foto: Leapmotor

Für die Kundinnen und Kunden jedenfalls scheint der B05 attraktiv genug zu sein, um ihn zu bestellen, ohne ihn bisher live beim Händler gesehen zu werden. Während vor dem Marktstart des B10 gerade einmal 20 Bestellungen vorlagen, sind es beim B05 bereits 400 Orders, wie Resch berichtet. Wird also der B05 auch perspektivisch besser laufen als der B10? Davon geht Resch nicht aus, er erwartet eine stärkere Nachfrage nach dem B10. Für Europa erwartet Giacalone übrigens eine stärkere Verteilung für den 05.

Die Käufer des neusten Stromers von Leapmotor können sich so oder so beruhigt zurücklegen: mit ihrer Unterschrift unter dem Kaufvertrag haben sie keinen Fehler gemacht. Der 218 PS starke Elektromotor im B05 sorgt für durchaus flotte Beschleunigungswerte: in 6,7 Sekunden beschleunigt der Chinese auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit endet bei völlig ausreichenden 170 km/h. Das maximale Drehmoment von 240 Nm sorgt zudem für einen kraftvollen Antritt.

Auf dem Weg dorthin hinterlässt der Angreifer in der Golfklasse einen guten Eindruck. Die Lenkung ist direkt, gibt dem Fahrer eine gute Rückmeldung. Das Fahrwerk ist dabei weniger auf Sportlichkeit als auf Komfort ausgelegt, was keineswegs als Nachteil zu sehen ist. Der Radstand von 2,73 Meter lässt den Hecktriebler satt auf der Straße liegen, wenngleich bei flotter Kurvenfahrt die Sitze etwas mehr Seitenhalt vertragen könnten. Und wie schaut es mit dem Verbrauch aus? Laut WLTP sollen es 15,9 kWh/100 Kilometer sein. Bei unseren Testfahrten auf Land- und Schnellstraßen lag der Verbrauch bei gerade einmal 12,2 kWh. Ist die Batterie leer, lässt sie sich dank einer Ladeleistung von bis zu 168 kW von 30 auf 80 Prozent in nur 17 Minuten laden. Es ist eine Ladeperformance, die deutlich über der beispielsweise eines Opel Astra Electri (100 kW) liegt.

Rigider Spurwechselassistent

Wenn es denn etwas zu kritisieren gibt, sind es übermotivierte Assistenzsysteme. Der Spurwechselassistent greift zu rigide ein – und das Gebimmel durch das Fahrermonitoring nervt ebenso wie der Tempolimitwarner. Gut, Letzteres hat Leapmotor wegen der EU-Regulatorik nicht exklusiv, doch will man es im Menü abstellen, dauert es eine Weile. Denn die Menüstruktur im ansonsten gut ablesbaren 14,6-Zoll-Touchscreen ist nicht gerade intuitiv. Doch eines können die Chinesen: sie reagieren prompt auf Kritik – und sorgen bei Problemen wie beim Feintuning der Software mit OTA-Updates schnell für Besserung.

Im Innenraum brauchen sich Fahrer und Beifahrer nicht über zu wenig Platz beklagen. Sie können sich über ein gutes Raumgefühl freuen. Und auch im Fond können Erwachsene gut sitzen und auch längere Strecken ohne Murren überstehen. Im Kofferraum sollen sich mindestens 345 Liter Gepäck verstauen lassen. Das ist nur Durchschnitt. Ein Frunk wird leider nicht angeboten. Die Qualitätsanmutung der Materialien indes geben keinen Anlass zur Kritik. Sie sind gut verarbeitet, fühlen sich auch so an. Auch die Optik des Armaturenbretts ist gelungen, die Anzahl der Knöpfe auf ein Minimum am griffigen Lenkrad reduziert. An eines muss man sich jedoch – wie bereits im B10 – auch im B05 gewöhnen: es sind die Löcher im Armaturenträger gegenüber dem Beifahrersitz. In China gibt es hier entsprechende Anbauteile wie beispielsweise ein Halterung für das Tablet.

Produktion ab 2027 in Spanien

Der Leapmotor B05 steht mit rund 28.000 Euro in der Preisliste. Foto: Leapmotor

Ab dem kommenden Jahr soll der B05 übrigens in Saragossa produziert werden. Dann entfallen auf den Import auch 31 Prozent Strafzoll. Im dortigen spanischen Werk soll übrigens auch das mit Opel gemeinsam entwickelte vollelektrische C-Segment SUV gebaut werden, in dem Leapmotor-Technologie zum Einsatz kommen wird.

Sieht man einmal von den genannten Eigenheiten der Assistenzsysteme und der Menüstruktur ab, fährt mit dem Leapmotor B05 ein ernstzunehmender Konkurrent im hartumkämpften C-Segment vor. Der Absatz der Chinesen dürfte damit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit weiter deutlich ansteigen. Im Vorjahr kam Leapmotor weltweit auf 596.555 ausgelieferte Fahrzeuge, was ein Verdoppelung im Vergleich zu 2024 darstellt. Von solchen Wachstumsraten können europäische Hersteller – auch aus dem Mehrmarkenkonzern Stellantis – nur träumen. Auch wenn der Marketingchef Giacolone größere Abwanderungsbewegungen von anderen Stellantis-Marken hin zu den Modellen von Leapmotor verneint, dürfte man gerade auch bei Opel die hauseigene Konkurrenz mit Aufmerksamkeit beäugen.

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