Lamborghini Temerario: Ein Paket, das süchtig macht

Lamborghini Temerario: Ein Paket, das süchtig macht
Lamborghinis neuer Supersportwagen Temerario zaubert aus durchschnittlichen Fahrern talentierte Racer. © Lamborghini

Im Huracán-Nachfolger Temerario kombiniert Lamborghini Renntechnik, Elektrifizierung und mehr als 900 PS. Kostet nur leider 300.000 Euro.

Der Lamborghini Temerario, benannt nach einem spanischen Kampfstier, oder direkt übersetzt auch der Tollkühne, der Draufgänger, rollt in diesen Tagen in aller Ruhe als Nachfolger des Huracán aus den heiligen Hallen in Sant´Agata Bolognese. Dort hat man sich mit der Ablösung des erfolgreichsten Lambos der Geschichte Zeit gelassen und lässt sie sich auch bei der Produktion. Nur rund 25 Temerarios werden pro Tag gebaut. Schon jetzt, ein knappes halbes Jahr vor Markteinführung, beträgt die Wartezeit gut 15 Monate. Bei einem Basispreis von 307.500 Euro.

Mit 4,71 Meter ist der Temerario etwa 20 Zentimeter kürzer als der große Bruder Revuelto. Aber auch graziler und in seiner Designsprache – obwohl sofort als Lambo zu erkennen – mehrheitsfähiger und nicht mehr so provozierend. Während der Revuelto seine Chefrolle mit einem aufwendigen Monocoque aus Carbonfasern untermauert, fährt der neue Einstiegs-Lambo mit einem ausgeklügelten Alu-Spaceframe-Chassis vor. Das besteht aus 50 Prozent weniger Teilen als noch beim Huracán, ist leichter und auch deutlich steifer, weil viel weniger Schweißnähte nötig waren.

V8-Biturbo statt V10-Sauger

Käufer des Temerario müssen mehr als 300.000 Euro übrig haben. Foto: Lamborghini

Den entscheidenden Paradigmenwechsel aber leistet sich Lamborghini beim Antrieb. Nach mehr als 20 Jahren wird der grandiose V10-Sauger des Huracán ersetzt von einem komplett neu entwickelten, doppelt aufgeladenen Vierliter-V8 – unterstützt von einem Ensemble aus insgesamt drei E-Motoren und einer 3,8 kWh starken, auch extern aufladbaren Batterie. Wir sprechen hier also von einem Plug-In-Hybriden. Jeder E-Motor leistet 110 kW (Dauerleistung 60 kW), beim System-Urknall entladen sich 920 PS auf alle vier Räder. Der Huracán musste noch mit 640 PS für Dopamin-Ausschüttung sorgen. Zwei der elektrischen Motoren sitzen an der Vorderachse, einer steckt zwischen Verbrenner und Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und füllt das Turboloch.

Für gerade mal elf Kilometer, kann sich der Temerario still und leise rein elektrisch aus dem Staub machen. Zur Gesamt-Performance steuert der V8 800 PS bei. Für bessere Laufruhe hat Lamborghini unter anderem leichte, enorm stabile Pleuel aus Titan spendiert. So konditioniert, lässt sich der Achter in groteske Drehzahlbereiche von mehr als 10.000 Umdrehungen hochjubeln. Wenn andere Turbos schlappmachen, dreht der neue Motor erst richtig auf. Zwischen 9.200 und 9.700 Touren erreicht er ein Power-Plateau, auf dem für einige Sekunden „der Spaß erst richtig anfängt,“ wie Entwicklungschef Rouven Mohr mit leuchtenden Augen referiert.

Formel-1-Werte im Straßensportwagen

Im Cockpit soll man sich fühlen wie in einem Düsenjäger. Foto: Lamborghini

Die elektrifizierte Vorderachse, bestehend aus zwei Axial-Elektromotoren mit intergeriertem Torque Vectoring, sorgt für mehr Agilität und Stabilität in Kurven. Baugleich mit der Vorderachse im Revuelto ist sie im Temerario deutlich fahraktiver ausgelegt. Während die Drehmomentverteilung beim großen Bruder eher neutral und Richtung Allrad geht, ist sie beim Temerario tendenziell eher auf Heckantrieb konditioniert. Die 100-km/h-Marke wird aus dem Stand nach 2,7 Sekunden pulverisiert, die Spitze liegt bei 343 – das sind nahezu Werte eines Formel-1-Boliden. In einem Straßensportwagen!

Das Ganze erlebt man in einer zum Huracán spürbar luftigeren Umgebung, die nun auch Großgewachsenen humane Platzverhältnisse bietet, ihnen aber nicht erspart, sich in die nur 1,20 Meter flach Flunder akrobatisch einzufädeln. Das Gesamtpaket aus Renntechnik, Hybridisierung, Gänsehautsound und enormer Kraft führt zu einem Fahrerlebnis, das Drogenbeauftragte beunruhigen müsste. Das besondere Talent dieses Hochleistungssportlers liegt weniger in der brutalen Beschleunigung oder in der enormen Spreizung zwischen Alltagskomfort und Pisten-Performance. Er hält einfach wie von selbst die Balance und hebt die Traditionsmarke Lamborghini auf ein neues Level. Leider gilt das auch für den Preis. (SP-X)

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