Bei Kurierfahrern radelt hohes Risiko mit

Bei Kurierfahrern radelt hohes Risiko mit
Ob Essen, Einkäufe oder Akten - Fahrradkuriere leben gefährlich © DVR

Wenn es schnell gehen muss, erledigen in Großstädten oft Kurierfahrer die Arbeit. Ein gefährlicher Job. Fast jeder hat pro Jahr einen Unfall.

Fahrradkuriere von App-basierten Lieferdiensten verunglücken bei ihrer Arbeit auffallend häufig. Im Schnitt hat ein Fahrer 0,91 Unfälle pro Jahr, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in einer Befragung von sogenannten Ridern ermittelt hat, die überwiegend per Fahrrad, Pedelec oder Lastenrad unterwegs sind.

Die meisten Unfälle sind der von der TU Dresden durchgeführten Studie zufolge Alleinunfälle. Häufige Auslöser sind rutschiger Untergrund, Schienen, Unebenheiten, Laub, Schnee oder schlechte Sicht. Besonders riskant ist das Fahren bei Dunkelheit oder ungünstiger Witterung. Mehr als jeder zweite Unfall führt zu Verletzungen. Betroffen sind vor allem Arme und Beine. Zwar tragen viele Rider Helm und reflektierende Kleidung, andere Schutzmittel wie Protektoren kommen aber nur selten zum Einsatz. Offiziell werden die Stürze oder Kollisionen selten: Unter den Fahrern, die nach einem Unfall nicht länger krankgeschrieben waren, meldeten 52,5 Prozent den Vorfall nicht beim Arbeitgeber.

Geringe Routine, hohe Fahrleistung

Ein besonders kritischer Zeitraum für Rider ist der Beginn der Tätigkeit. In den ersten Monaten treffen laut Studie geringe Routine und hohe Fahrleistung aufeinander. Zusätzlich erhöht sich das Risiko bei jüngeren Fahrern, bei Personen mit geringer Fahrradsozialisation in Kindheit und Jugend sowie bei Personen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind.

Für die Prävention empfehlen die Studienautoren frühe und verpflichtende Einweisungen, mehrsprachige und niedrigschwellige Informationsangebote sowie bessere Meldesysteme für Unfälle und Beinaheunfälle. Praktische Trainings stoßen bei den Befragten allerdings auf vergleichsweise wenig Interesse. Gewünscht werden eher kurze digitale Formate, etwa Videos oder Social-Media-Inhalte. Gleichzeitig sehen die Autoren auch Lieferplattformen und Kommunen in der Pflicht: Lieferzeiten und Routen müssten bei schlechtem Wetter angepasst, Radwege besser instandgehalten und typische Gefahrenstellen wie Schienenquerungen baulich entschärft werden. (SP-X)

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