Kia baut nach dem PV5 seine Elektro-Nutzfahrzeugfamilie weiter aus. Der auf der IAA Transportation vorgestellte PV7 soll 2027 als Cargo- und Passenger-Variante auf den Markt kommen.
Der koreanische Autobauer Kia erweitert seine noch junge Familie elektrischer leichter Nutzfahrzeuge. Auf der IAA Transportation in Hannover hat der koreanische Hersteller an diesem Montag mit dem PV7 das zweite Modell seiner sogenannten „Platform Beyond Vehicle“-Strategie (PBV) präsentiert.
Der bis zu 5,35 Meter lange Elektro-Transporter soll unterschiedliche Anforderungen von Flottenbetreibern, Logistikunternehmen und Shuttle-Diensten abdecken. Auch für kleine und mittlere Unternehmen sowie private Nutzer ist der PV7 vorgesehen. Die Markteinführung in Europa und Korea ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant. „Wir planen den Start der Produktion im Juni“, sagte Kia-CEO Ho Sung Song. In Europa würden die Orderbücher im April geöffnet, so Kia-Coo Sjoerd Knipping. Weitere Märkte und Varianten sollen bis 2027 folgen.
PV7 setzt auf Ökosystem
Nach dem kleineren PV5 positioniert Kia den PV7 eine Klasse größer. Dabei geht es dem Hersteller nicht allein darum, einen weiteren Elektro-Transporter anzubieten. Vielmehr versteht Kia das Fahrzeug als Bestandteil eines umfassenden Geschäftsmodells, bei dem Fahrzeugtechnik, Software und Dienstleistungen miteinander verbunden werden. Das Ziel: Unternehmen sollen ihre Fahrzeuge effizienter einsetzen und die Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus reduzieren können. „Der PV7 ist mehr als nur ein größerer PV5“, so Song.
Technische Basis des PV7 ist die speziell für PBV-Modelle entwickelte E-GMP.S-Plattform. Ein vollständig ebener Fahrzeugboden soll dabei für ein möglichst großes und flexibel nutzbares Raumangebot sorgen. Hinzu kommt das von Kia entwickelte „Flexible Body System“ (FBS). Die modulare Karosseriestruktur ermöglicht unterschiedliche Aufbauten und Derivate auf einer gemeinsamen technischen Basis. Dadurch soll sich der PV7 vergleichsweise einfach an unterschiedliche betriebliche Anforderungen anpassen lassen.
Zwei Batteriegrößen und bis zu 460 Kilometer Reichweite
Beim Antrieb setzt Kia auf zwei NMC-Batterien mit 71,5 beziehungsweise 96,2 kWh. Der serienmäßig frontangetriebene PV7 leistet je nach Markt und Konfiguration bis zu 200 kW und stellt ein maximales Drehmoment von 420 Nm bereit. Eine Allradversion soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Bis zu 460 Kilometer Reichweite
Mit der größeren Batterie soll der PV7 Cargo bis zu rund 460 Kilometer erreichen. Dabei handelt es sich allerdings noch um einen Wert aus Kia-internen Messungen nach WLTP-Kriterien; die Homologation für die deutsche Ausführung steht noch aus. Für gewerbliche Nutzer dürfte neben der Reichweite vor allem die Ladegeschwindigkeit von Bedeutung sein. Dank 800-Volt-Technik soll sich die Batterie an einer 350-kW-Schnellladestation in rund 25 Minuten von zehn auf 80 Prozent bringen lassen.
Eine Besonderheit sind die Ladeanschlüsse an Front und Heck. Während vorne sowohl AC- als auch DC-Laden möglich ist, kann am Heck optional ein weiterer AC-Anschluss untergebracht werden. Das soll insbesondere bei unterschiedlichen Parksituationen mehr Flexibilität ermöglichen.
Auch als mobile Energiequelle lässt sich der PV7 einsetzen. Über die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) können elektrische Geräte und Werkzeuge mit Strom versorgt werden. Dafür stehen 230-Volt-Steckdosen im Innen- und Außenbereich zur Verfügung. Gerade für Handwerker oder andere gewerbliche Nutzer kann der Transporter damit nicht nur als Fahrzeug, sondern zugleich als mobile Stromquelle dienen.
Bis zu acht Kubikmeter Laderaum
Als Cargo-Modell soll der PV7 vor allem in Logistik und Lieferverkehr zum Einsatz kommen. Angeboten werden unterschiedliche Karosserievarianten. Die Langversion mit normalem Dach stellt bis zu 6,1 Kubikmeter Laderaum nach VDA-Norm bereit, mit Hochdach steigt das Volumen auf bis zu acht Kubikmeter. Die maximale Nutzlast liegt je nach Ausführung bei 1.165 beziehungsweise 1.200 Kilogramm. In der Langversion können bis zu drei Europaletten transportiert werden. Die Ladekantenhöhe beträgt 550 Millimeter.
„Der PV7 ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt, weitere Kunden für unsere Nutzfahrzeuge zu gewinnen“, sagt Deutschlandchef Thomas Djuren. Für Kia ist das Geschäft mit den Nutzfahrzeugen ein neues, entsprechend musste das Händlernetz darauf vorbereitet werden. Entsprechend war 2026 noch das Jahr der Learnings, wie Djuren sagte.
Dazu gehört, dass die Händlerschaft entsprechend geschult werden muss mit Blick gerade auch Umbauten, die sogenannte Conversion Partner für den PV5 anbieten. So gibt es mittlerweile auch ein Aufstelldach für den PV5, der damit auch für Camper geeignet ist. Solche Umbauten bedürfen aber der Zulassung, „wir müssen deshalb schauen, ob so etwas dem Lastenheft entspricht“, so der Deutschlandchef. Derzeit werden mehr als 80 Prozent der verkauften PV5 mit einem Umbau versehen, der entweder bei einem der 113 PBV-Händler durchgeführt wird oder vom Zulieferer direkt. Das Gros des Absatz entfällt bei diesem Modell übrigens auf die Cargo-Variante, „beim neuen PV7 wird das Verhältnis ähnlich ausfallen“. Die Passenger-Varianten werden übrigens derzeit von 312 Händlern vertrieben.
Kia hat dabei zahlreiche Details auf den Arbeitsalltag zugeschnitten. Für den Transport schwerer Lasten gibt es einen speziellen Fahrmodus, der die Fahrzeugleistung an die jeweilige Beladung anpasst. Beim Heckzugang können Kunden zwischen einer weit öffnenden Doppelflügeltür und einer konventionellen Heckklappe wählen. Eine elektrische Schiebetür kann sich über die „Walk Away Lock“-Funktion automatisch verriegeln, wenn sich der Fahrer mit dem Smart Key vom Fahrzeug entfernt.
Bis zu neun Sitzplätze im Passenger
Neben dem Cargo-Modell wird Kia den PV7 auch als Passenger-Variante anbieten. Die Variante richtet sich unter anderem an Personal- und Shuttle-Dienste, Mietwagenunternehmen, den Tourismus und private Nutzer. Je nach Markt sind bis zu neun Sitzplätze vorgesehen, in Korea sogar bis zu elf.
Die Innenraumgestaltung soll dabei stärker an einen komfortablen Kleinbus als an einen klassischen Transporter erinnern. Beim Siebensitzer kommen längs verschiebbare und leicht herausnehmbare Sitze zum Einsatz. Der Neunsitzer kann wahlweise mit oder ohne vierte Sitzreihe bestellt werden. Eine separate Klimaanlage für den Fond, leistungsfähige USB-C-Anschlüsse mit bis zu 100 Watt und zusätzliche Ablagemöglichkeiten sollen den Einsatz auf längeren Strecken angenehmer machen.
Auch beim Bedienkonzept will Kia Nutzfahrzeug- und Pkw-Welt stärker miteinander verbinden. Das Infotainmentsystem Pleos Connect basiert auf Android Automotive OS und bietet unter anderem vernetzte Navigation, variable Bildschirmanordnungen, einen App-Marktplatz sowie Over-the-Air-Updates. Ein KI-gestützter Sprachassistent soll sich zudem per natürlicher Sprache bedienen lassen.


