Kia-Europachef: Stop-and-Go-Politik für Autoindustrie schwierig

Produktionsstart EV4 in Zilina

Kia-Europachef: Stop-and-Go-Politik für Autoindustrie schwierig
Kia hat in Zilinia die Produktion des EV4 gestartet. Mit dabei waren Europachef Marc Hedrich und die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Saková. © Mertens

Kia setzt auf die Elektromobilität. Bis 2030 wollen die Koreaner 15 Elektroautos im Portfolio haben. Das neuste Modell ist der EV4. Dessen Produktion wurde im slowakischen Zilina gestartet.

Marc Hedrich mag ins Wehklagen vieler Autohersteller mit Blick auf die Elektromobilität nicht einstimmen. Für den Europachef des koreanischen Herstellers läuft es mit Blick auf den Absatz seiner batterie-elektrischen mehr als zufriedenstellend.

Im ersten Halbjahr lag der BEV-Anteil am Gesamtabsatz bei Kia in Europa bei 23 Prozent, auf dem deutschen Markt sogar bei 25 Prozent. Damit liegt man jeweils deutlich über dem Marktdurchschnitt, der in Europa bei rund 16 Prozent nach dem ersten Halbjahr liegt, in Deutschland bei rund 18 Prozent. Im Juli lag der Anteil von E-Autos an den Gesamtzulassungen hierzulande sogar bei 18,4 Prozent.

Wachstum ohne Kaufprämie

Kia-Europachef Marc Hedrich (r.). Foto: Kia

„Der Elektromarkt gerade in Deutschland wächst – und das sogar ohne Kaufprämien“, stellte Hedrich am Mittwoch am Rande des offiziellen Produktionsstarts des neuen EV4 im slowakischen Kia-Werk in Zilina fest. Braucht es also keine Förderungen mehr für E-Autos? Hedrich begrüßt natürlich Förderungen, die den Markthochlauf befördern. Doch letztlich müssen sie verlässlich sein – für den Kunden als auch die Industrie. Davon konnte zuletzt keine Rede sein, sagt Hedrich.

Er verweist u.a. auf Deutschland, wo Ende 2023 die Kaufprämie im Dezember über Nacht gestrichen wurde. Ähnlich sei es auch in Frankreich gewesen, wo das Sozialleasing aufgrund der großen Nachfrage schnell wieder beendet werden musste.

15 EV-Modelle bis 2030

Kia-Europachef Marc Hedrich (r.) beim Start der Produktion. Foto: Mertens

Kia jedenfalls setzt mit oder ohne Förderung auf die E-Mobilität – und verfolgt diese Strategie konsequent. Bis 2030 will man 15 EV-Modelle und zehn Plug-in-Hybride im Angebot haben. Schaut man sich das globale Absatzziel an, dann plant Kia bis dahin mit 4,19 Millionen Fahrzeugen, davon sollen 1,26 Millionen reine E-Autos sein. DasZiel, bis 2035 zu 100 Prozent elektrisch zu sein, wird nicht in Frage gestellt.

Doch zurück nach Europa – wo Kia in Zilina nun den neuen EV4 fertigen lässt. Es ist nach dem EV3, EV6, EV9 das vierte E-Modell im Portfolio, was noch in diesem Jahr durch den EV5 ergänzt wird. Im Februar kommenden Jahres folgt der EV2, der ebenfalls in der Slowakei produziert wird. Das dortige Werk fertigte bislang den Sportage und den XCeed – und das mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 350.000 Einheiten. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2006 wurden dort bereits mehr als fünf Millionen Einheiten von den mittlerweile 3500 Beschäftigten produziert. Und welche Kapazität soll auf den EV4 entfallen? Hedrich rechnet mit jährlich zwischen 20.000 bis 30.000 EV4. Mit Blick auf beide neuen EV-Modelle erwartet er einen Anteil, der so sich zwischen zehn bis 20 Prozent bewegt.

Die Schrägheck-Variante des Kompaktwagens EV, die speziell für die europäische Kunden entwickelt wurde, ist zugleich das erste in Europa produzierte vollelektrische Modell der Marke. Es läuft auf einer Linie mit den Verbrennern vom Band in Zilina. In das dortige Werk für die E-Produktion 108 Millionen Euro investiert. „Der Start der EV4-Produktion ist ein bedeutender Meilenstein für uns. Er demonstriert die technische Leistungsfähigkeit und Flexibilität unserer europäischen Aktivitäten“, so Hedrich. Der neue EV4 (ab 37.590 Euro) basiert auf der Elektroplattform E-GMP (Electric Global Modular Platform) und wird mit zwei Batterievarianten (58,3 bzw. 81,4 kWh) angeboten. Die maximale Reichweite liegt bei bis zu 625 Kilometer.

Kia steht zum Verbrenner-Aus 2035

Im Werk Zilina in der Slowakei werden die ersten Kia EV4 gefertigt. Foto: Mertens

Dass derzeit die Diskussionen um ein Verbrenner-Aus im Jahr 2035 nicht enden wollen, sieht Hedrich gelassen. Zuletzt hatte Mercedes-Chef Ola Källenius das Ausstiegsdatum der EU im Jahr 2035 scharf kritisiert. Mit ihm drohe der europäische Automarkt zu kollabieren, hatte Källenius in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt. „Das ist die gleiche Person, die vor ein paar Jahren gesagt hat, dass Mercedes im Jahr 2030 voll elektrisch ist“, so Hedrich süffisant. Kia jedenfalls sei bereit und habe dafür einen Plan, ab 2035 die bestehende Regulatorik zu erfüllen, „ob wir das nun mögen oder nicht“. Für die Autoindustrie sei eine Stop-and-Go-Politik, die hier gefordert würde, schwierig. „Wenn wir jetzt sagen würden, wir stoppen den Launch unserer EVs, dann kostet uns das die Zukunft.“

Und wie steht Hedrich zur Diskussion um die Technologieoffenheit? Prinzipiell sei man auch bei Kia für eine Technologieoffenheit, dazu gehören für ihn aber im Gegensatz zu Herstellern wie beispielsweise Porsche keine eFuels. Daran verschwende man angesichts der bestehenden Regulatorik keinen Gedanken.

Range Extender kein Thema

Die Batterien sind bei diesem Kia EV4 bereits verbaut. Foto: Mertens

Dass derzeit in der Autobranche auch viel über elektrische Fahrzeuge mit Range Extender gesprochen wird, nimmt der Europachef zur Kenntnis, sieht für Kia hier aber keine Veranlassung , etwas Entsprechendes anzubieten. Hier konzentriert sich Kia lieber voll und ganz auf die E-Mobilität und entsprechend attraktive Modelle wie den EV4 und den kommenden EV2. Zum Preis des kleinen Stromers will Hedrich indes nichts sagen, will sich auch nicht dazu äußern, dass dieses Modell unter 30.000 Euro kosten dürfte.

Und wie schaut es mit Autos im Bereich zwischen 20.000 und 25.000 Euro aus? Solche Angebote gibt es derzeit beispielsweise von Citroen mit dem e-C3 oder dem Leapmotor T03. Das spielt mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit für Hedrich momentan angesichts der derzeitigen Kostenstruktur von E-Autos (insbesondere den Batteriepreisen) keine Rolle. Solche Fahrzeuge, so sagt Hedrich, würden immer mit Kompromissen einhergehen – und die wolle man nicht gehen. Das würde wohl auch dem Anspruch der Koreaner entgegen laufen, die gerade auch mit ihrer Produktqualität glänzen wollen.

Keine Beiträge vorhanden