KGM Tivoli: Der Spaß hört beim Verbrauch auf

KGM Tivoli: Der Spaß hört beim Verbrauch auf
Der KGM Tivoli fährt sich anständig, nur der Verbrauch ist zu hoch. © Axel F. Busse

Der Tivoli ist ein Freizeit- und Vergnügungspark in Kopenhagen. Ob es auch ein Vergnügen ist, mit dem gleichnamigen Kompakt-SUV der Marke KGM zu fahren, klärt unser Praxistest.

Ein Sprichwort wie „junger Wein in alten Schläuchen“ kann auch im Automobilbereich Anwendung finden. Bereits seit mehr als zehn Jahren ist der Tivoli in Deutschland erhältlich, zunächst als SsangYong, nunmehr unter dem Markennamen KGM. Das Design des 2024 gelifteten Modells ist zeitgemäß und eigenwillig, fällt durch besonders wulstig ausgestellte hintere Radhäuser auf, aber winzige Details verraten seine Vergangenheit. Das alte SsangYong-Logo prangt wie eh und je auf dem Pralltopf des Lenkrades und wo sonst findet man heute noch einen Zigarrenanzünder auf der Mittelkonsole?

Acht Modelle bietet KGM aktuell auf seiner Website an, doch bisher ist der Absatz überschaubar. Im ersten Halbjahr 2025 registrierte das Kraftfahrtbundesamt etwas mehr als 1500 Neuzulassungen. Da hatte selbst Subaru rund 30 Prozent mehr. Mit günstigen Einstiegspreisen und guter Ausstattung wollen die Koreaner für mehr Akzeptanz hierzulande sorgen.

Gut in der Hand

Angetrieben wird der Tivoli von einem 1,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner, der 163 PS abgibt. Mittels 6-Gang-Automatik (in der Top-Version aufpreisfrei) werden bis zu 260 Newtonmeter Drehmoment an die Antriebsräder übertragen und am Getriebe zeigt sich, dass Festhalten am Gewohnten auch seine Vorteile haben kann: Geschaltet wird mit einem stattlichen und griffigen Knauf, der gut in der Hand liegt.

Das Cockpit im KGM Tivoli ist übersichtlich, die Instrumente gut ablesbar. Foto: Axel F. Buse

Mit seinen 4,22 Metern Länge überragt der Tivoli zum Beispiel den Kia Stonic um acht Zentimeter, bei der Höhe sind es sogar zehn (1,62m). Das hohe Dach sorgt für eine gute Kopffreiheit auch auf der Rückbank, wo allerdings nur 1,39 m Kabinenbreite für die Passagiere zur Verfügung stehen. Vorn sind es immerhin 1,42 Meter. Die Ladekante zum 423 Liter großen Gepäckfach ist mit 82 Zentimetern unverhältnismäßig hoch. Durch Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht eine nahezu ebene Ladefläche, wo maximal 1115 Liter Volumen nutzbar sind.

Nerviges Gebimmel

Wo ein Einstiegspreis von unter 23.000 Euro gehalten werden soll, darf man sich über Hartplastik-Verkleidungen nicht wundern. Die in diesem Test bewegte „Lux“-Version kostet zwar 29.900 Euro, glänzt dafür aber mit LED-Scheinwerfern, Spurhalte- und Notbrems-Assistent, Müdigkeits- und Verkehrsschild-Erkennung, Totwinkel- und Querverkehrswarner. Damit das Wohlbefinden nicht zu kurz kommt, sind Tempomat, beheizbares Lenkrad, Rückfahrkamera, Navigationssystem, Sitzheizung und Zweizonen-Klimaautomatik an Bord. Warum die Komfort-Fantasie des Herstellers jedoch nur für eine Abwärtsautomatik am Fahrerfenster gereicht hat, ist nicht recht zu verstehen.

Klar übers Ziel hinaus geschossen ist er aber beim Tempo-Warnsystem. Zwar mag die akustische Knöllchen-Vermeidung durchaus ihren Sinn haben, ein ebenso lautes wie nerviges Gebimmel, wie es hier produziert wird, ist aber eindeutig des Guten zu viel. Das Abschalten ist war möglich, braucht aber fünf Schritte im Tastenmenü und unterbleibt deshalb häufig. Ohnehin sind Anordnung und Funktionsweise der Druckschalter am Lenkrad nicht immer von Logik geprägt, was die Vergnüglichkeit ihrer Nutzung beeinträchtigt.

Verbrauch von gestern

Das Heck des KGM Tivoli trägt den Schriftzug des Modells. Foto: Axel F. Busse

Da der Wagen nur wenig mehr als 1300 kg wiegt, kommt der Vierzylinder gut mit der Masse zurecht und treibt die Fuhre bis auf maximal 190 km/h. Das Beschleunigungs-Vermögen ist munter, aber einen Sprintwert für 0-100 km/h gibt der Hersteller nicht an. Als nicht zeitgemäß muss wohl der Spritkonsum angesehen werden. Schon der offizielle Wert von 7,8 Litern erscheint recht hoch, denn immerhin hat man es mit nur 1,5 Liter Hubraum zu tun. Unser Testverbrauch von 8,5 Litern/100 km ist einer überwiegend zurückhaltenden Fahrweise zu verdanken.

Lenkung und Federungs-Komfort sind frei von Auffälligkeiten, sieht man einmal von einer leichten Tendenz zum Untersteuern ab. Die Geräuschdämmung ist auch bei höherem Tempo ordentlich. Wer bei längeren Touren den Tempo-Piepser stumm schaltet, hat dank der guten Ausstattung durchaus eine Chance auf tivoli-haftes Vergnügen.

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Axel F. Busse
Axel F. Busse ist gelernter Redakteur, sein kommunikations-wissenschaftliches Studium absolvierte er an der FU Berlin. Nach Tätigkeiten bei Tageszeitungen, wo er sich mit Auto- und Verkehrsthemen beschäftigte, arbeitet er seit 2003 als freier Autor ausschließlich in diesem Bereich. Außer für die Autogazette schreibt er für verschiedene Online- und Printmedien.

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