Kawasaki Versys 650: Besser denn je

Kawasaki Versys 650: Besser denn je
Die Kawasaki Versys 650 ist nach der Überarbeitung noch besser geworden. © Volker Rost/Kawasaki

Kawasaki hat die Versys überarbeitet – und das hat sich gelohnt. Der Bike der Japaner präsentiert sich besser als zuvor.

15 Jahre, nachdem die erste Kawasaki Versys auf den Markt kam, weiß so gut wie niemand mehr, was ihre Modellbezeichnung eigentlich bedeutet. Längst ist eine Versys einfach eine Versys.


Die Namensschöpfung setzt sich aus den beiden englischen Worten „versatile“ (vielfältig) und „system“ zusammen. Und vielfältig einsetzbar ist die 650er – es gibt auch eine Tausender-Versys mit Vierzylinder-Motor – seit Beginn ihrer langen Bauzeit.

Ihre Kompaktheit und ihr relativ niedriges Gewicht machen sie handlich und leicht zugänglich, ihre mittellangen Federwege geeignet für Straßen aller Art. Und dank einer Cockpit-Verkleidung bietet sie ausreichenden Schutz auch auf langen Strecken. Die jetzt erfolgte Modellüberarbeitung hat der Kawasaki Versys 650 gutgetan: Sie ist nämlich besser denn je.

Zwei Leistungsstufen erhältlich

Zu den markanten Veränderungen gehören die LED-Beleuchtung rundum, ein nunmehr vierfach höhenverstellbarer und aerodynamisch optimierter Windschild, ein Einschlüsselsystem für Zündung und Seitenkoffer sowie ein ansprechend gestaltetes, übersichtliches und informatives TFT-Display, das nun auch die Temperatur der Umgebungsluft anzeigt. Und auch eine Traktionskontrolle gibt es neuerdings; sie erscheint trotz der überschaubaren Leistung von wahlweise 67 PS oder 48 PS keineswegs sinnlos.

Die Versys 650 gibt es 2022 in drei Versionen: nackt als Versys 650, mit Seitenkoffern sowie Handprotektoren als Versys 650 Tourer und dazu in Vollausstattung mit Topcase und Zusatzscheinwerfern sowie allerlei weiteren Dreingaben als Versys 650 Grand Tourer. Wir nutzten eine Standardversion mit Seitenkoffern als Testfahrzeug für die Premieren-Ausfahrt im Taunus.

Übersichtliches Cockpit

Schon der erste Blick ins Cockpit erfreut: Das Display ist nicht nur bunt, sondern bestens gegliedert und damit leicht ablesbar. Die Anzeige des neuen Traktionskontrollsystems ist gut sichtbar oben platziert, alles Weitere erscheint ebenfalls sinnvoll angeordnet. So ist die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen geringstmöglich. Eine Smartphone-Integration mittels App gibt es neuerdings ebenfalls.

Der in seiner Grundform bekannte, nun aber auf Euro-5-Niveau arbeitende Twin hat seinen angenehmen Charakter über die Jahre nicht verändert: Er agiert in jedem Drehzahlbereich oberhalb von gut 2.000 Touren willig und spricht fein auf Befehle mit dem Gasdrehgriff an. Ruppigkeiten sind sowohl der Einspritzelektronik wie dem Triebwerk selbst fremd.

Drehmoment von 61 Nm

Für zügiges Fahren reichen Drehzahlen bis zum maximalen Drehmoment (61 Nm bei 7000 U/min) völlig aus, die Maximalleistung von 67 PS ist nur selten nötig, obwohl das Triebwerk leicht und locker bis gut 8.500 Touren dreht. Die Laufkultur ist gut, das Getriebe sinnvoll gestuft und leichtgängig bedienbar. Auch die Kupplung bedarf keiner nennenswerten Kräfte. Schön, dass beide Handhebel eine Weitenverstellungsmöglichkeit bieten. Ob man mit dem Normverbrauch von 4,5 Litern pro 100 km sein Auskommen findet, liegt ganz allein am Fahrer, dem Terrain und daran, ob man mit weit stärkeren Motorrädern mithalten will. Was problemlos möglich ist, solange sich alle einigermaßen im Rahmen der StVO bewegen.

Das Fahrwerk, gegenüber der vorangegangenen Auflage im Grunde unverändert, agiert willig und berechenbar; die 41er USD-Gabel spricht recht fein an und ist dank einer Verstellmöglichkeit von Zugstufe und Vorspannung in den beiden Gabelholmen sogar individualisierbar; beim Federbein beschränkt sich die Wahlfreiheit auf die Vorspannung. Dafür gibt es erfreulicherweise ein Handrad zur hydraulischen Einstellung.

Gewicht bei 219 Kilogramm

Die Kawasaki Versys 650 wird mit zwei Leistungsstufen angeboten. Foto: Volker Rost/Kawasaki

Nach wie vor viel Freude macht die kleine Versys mit ihrer Handlichkeit. Mit 219 Kilogramm fahrfertig ist sie im Wettbewerbsfeld kein Ausreißer nach oben und dank gut gewählter Anordnung aller Bedienungselemente und dem für die meisten Männer und fast alle Frauen passenden Verhältnis von Lenker, Sitz und Fußrasten kommt Wohlbefinden auf; der Windschild nervt zum Glück nicht mit Turbulenzen und lässt sich überdies nun vom Fahrersitz aus einfach verstellen.

Und weil auch die Zuladung mit 210 Kilogramm gut bemessen und der Spritvorrat mit 21 Litern mehr als reichlich ist, stellt die Kawasaki Versys 650 ein absolut zeitgemäßes Angebot in der 9.000 Euro-Klasse der Alleskönner dar. Ihrem Kunstnamen macht sie in der Tat Ehre. Wer knapp bei Kasse ist, kann bei der Farbwahl ein wenig sparen; die schwarze Ausführung ist 150 Euro günstiger. Allerdings sind alle Varianten im April teurer geworden; die hohen Transportkosten zwangen Kawasaki Deutschland, die Überführungspauschalen aller Motorräder deutlich anzuheben. Sie liegen nun bei 600 Euro. (SP-X)

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