Foto: Axel F. Busse
Der Chery-Konzern hat eine Handvoll Marken unter seinem Dach. Jaecco gehört dazu. Und das als Jaecco 7 auf den Markt kommende Modell ist ein SUV vom Kaliber des VW Tiguan und mit Verbrenner-Antrieb, aber auch als Plug-in-Hybrid (PHEV) erhältlich.
In Österreich und Italien kann man ihn schon auf der Straße sehen, hierzulande wird gerade mit Hochdruck am Aufbau eines Händlernetzes gearbeitet. Die markante Frontgestaltung dürfte im Nu für Aufmerksamkeit sorgen.
Reichweite von 1120 Kilometern
Wer hinterm Steuer des vollgetankten Testwagens Platz nimmt, reibt sich verwundert die Augen: Stolze 1120 Kilometer Reichweite verspricht das Display. Hat das Auto vielleicht in Wahrheit einen Dieselmotor und ist gar kein Plug-In-Hybrid?
Nein, fürs Fortkommen sorgen ein 1,5 Liter großer, aufgeladener Direkt-Einspritzer mit 143 PS sowie ein Elektromotor mit 150 kW (204 PS). Um auf große Fahrt zu gehen, stehen der Energiegehalt von 60 Litern Benzin und 18,4 Kilowattstunden Batteriekapazität zur Verfügung.
Multiton-Konzert aus Warnungen
Dass alle üblichen Assistenz- und Sicherheitssysteme an Bord sind, sollte an dieser Stelle keiner besonderen Erwähnung bedürfen. Wenn sie Made in China sind, zeichnen sie sich jedoch oft durch einen Hang zur Bevormundung aus. Das ist bei Jaecoo nicht anders. Wer auch nur zum Öffnen des Garagen- oder Grundstückstores aussteigt, muss das Gurtschloss wieder einrasten lassen, sonst bewegt sich der Wagen keinen Millimeter. Überdies machen sich die diversen Warntöne – deren Bedeutung man erst einmal auskundschaften sollte – in einer Lautstärke bemerkbar, dass sie das Wohlbefinden an Bord durchaus beeinträchtigen können.
Dabei sind die Voraussetzungen für Wohlbefinden sehr gut. Das liegt nicht nur an edel wirkenden und gut verarbeiteten Materialien, sondern auch an Ausstattungsmerkmalen, die gewöhnlich dem Premium-Bereich zugerechnet werden. Damit sind unter anderem Voll-LED-Scheinwerfer, Lenkradheizung, Zwei-Zonen-Klimatisierung sowie beheiz- und belüftbare, elektrisch verstellbare Sitze gemeint, ferner Panorama-Glasdach, Lenkradheizung, elektrische Heckklappe und Head-Up-Display. Nicht übersehen werden sollten auch die beheizbare Frontscheibe, das Navigationssystem und die Soundanlage von Sony, die sich durch einen exzellent transparenten Klang auszeichnet.
Anlass zum Schmunzeln
Dass die elektrischen Seitenscheiben entgegen der erwartbaren Logik zu bedienen sind, also durch Ziehen geöffnet und durch Drücken geschlossen werden, ist angesichts dessen eine entschuldbare Petitesse. Ebenso, dass die Tastenbelegung im Cockpit eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert, zumal die Symbole auf den Lenkradspeichen schlecht ablesbar sind.
Eher ein Anlass zum Schmunzeln ist die Plattenspieler-Grafik, die bei Radiobetrieb auf dem 14,8 Zoll großen Zentralmonitor erscheint. Vorn beträgt die Kabinenbreite 1,42 Meter, hinten sind es 1,39 m. Die Höhe der Ladekante liegt mit 76 Zentimetern im Durchschnitt vergleichbarer SUV und im Gepäckfach können Volumina von 500 bis 1265 Litern genutzt werden.
Elektrische Reichweite realistisch
Die elektrische Reichweite gibt der Hersteller mit 90 Kilometern an. Nach unserem ersten Ladestopp errechnete das System sogar 95 km, was bei entsprechenden Rekuperationsphasen im gemischten Verkehr durchaus noch übertroffen werden kann. Nach WLTP-Rechnung soll der Stromverbrauch laut Hersteller 18,7 kWh/100 km betragen.
Der offizielle Benzinverbrauch von sechs Litern je Normstrecke ist durch häufiges Batterieladen nahezu beliebig unterschreitbar. Am Ende unseres Tests lag er bei 5,2 Litern. Die vorgesehene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h erreichte der Testwagen ohne Mühe, beim Standardsprint sollen 8,5 Sekunden von Null auf 100 km/h vergehen.
Ordentliches Fahrwerk
Unterwegs fällt einem erstmal und buchstäblich der Innenspiegel ins Auge, der eine Weitwinkel-Funktion hat. Besser nach hinten sehen kann man dadurch aber nicht, weil die hinteren Kopfstützen das verhindern. Das Fahrwerk zeigt auf unruhigem Geläuf keine Schwächen, die Dämpfungs-Eigenschaften sind ordentlich. Nur die Lenkung fühlt sich etwas synthetisch und unpersönlich an, sie könnte etwas straffer sein, um das „S“ im Kürzel SUV stärker zu betonen. Eine Bodenfreiheit von 20 Zentimetern erlaubt nicht nur bequemes Ein- und Aussteigen, sondern auch das Befahren von Gebieten ohne festen Asphaltbelag.
Ein Geländewagen ist der Jaecoo 7 freilich nicht. Er wird über die Vorderräder angetrieben und lässt man im Sportmodus die volle Systemleistung von 205 kW (279 PS) mit 365 Nm Drehmoment auf diese Achse los, reißt man gern mal die Traktionskontrolle aus dem Tiefschlaf. Sucht man auf 14-tägiger Testtour intensiv nach möglichen Schwachpunkten, kommt man um eine Erkenntnis nicht herum: Das Auto ist womöglich zu günstig, denn dieses wohlgeschnürte Paket aus Komfort und Leistungsvermögen ist für weniger als 40.000 Euro zu haben.


