Sie heißen Changan, Nio, MG, Xpeng oder Zeekr. Nun kommen mit Jaecoo und Omoda zwei neue chinesische Marken nach Deutschland. Die Chery-Töchter starten mit zwei PHEVs, Elektroautos werden zeitnah folgen.
Kennen Sie Omoda? Oder kennen Sie Jaecoo? Nein, dann geht es ihnen wie vielen anderen deutschen Kundinnen und Kunden, die von diesen beiden chinesischen Marken bisher noch nichts gehört haben. Doch das soll sich schnell ändern, wenn es nach den Verantwortlichen des chinesischen Newcomers auf dem hart umkämpften deutschen Automarkt geht.
Mit dem Jaecoo 7 und dem Omoda 9 kommen nun die ersten beiden Modelle des Mutterkonzerns Chery nach Deutschland. Hinter Chery steckt übrigens kein Start-up, sondern ein etablierter chinesischer Autobauer. Der Konzern exportiert bereits seit 29 Jahre Fahrzeuge. Mit einem Jahresabsatz von 2,8 Millionen Fahrzeugen gehört das Unternehmen zu den großen Playern auf dem Heimatmarkt. Vom Gesamtabsatz gehen rund 50 Prozent in den Export.
Global in 22 Märkten
Global ist der Konzern mit seinen Tochtermarken derzeit auf 22 Märkten vertreten, in Europa sind es bisher acht. Seine längste Marktpräsenz hat Omoda-Jaecoo dabei in Spanien, wo man bereits seit 27 Monaten vertreten ist. Dahinter folgen Polen (24 Monate), Italien (23 Monate) und Großbritannien (17 Monate). Auf der Insel sind die Chinesen dabei besonders erfolgreich: hier kam man im Vorjahr bereits auf 47.775 Zulassungen. Spanien folgt mit weitem Abstand mit 23.697 Zulassungen auf Platz zwei. In Großbritannien war der Jaecoo 7 im Januar und März dieses Jahres (in diesem Monat lagen die Zulassungen bei 10.064) sogar das meistverkaufte Modell in England.
Nun folgt Deutschland. Und wie sehen die Ziele auf dem Markt aus, auf dem sich einige chinesische Hersteller wie Nio dank einer falschen Vertriebsstrategie verrannt haben? Hier sieht die Absatzplanung von Vertriebschef Michael Mandery für dieses Jahr noch 8000 Einheiten vor. Damit das gelingt, arbeitet der Manager gerade am Ausbau des Händlernetzes. Derzeit bestehen per Mai Übereinkünfte mit 40 Händlern, bis Jahresende sollen es 100 werden. Ziel sind 240 Händler mit Werkstatt.
Marke setzt auf Handel
Dass es ohne Handelsbetriebe nicht geht, ist für Omoda/Jaecoo klar. Dass man in Deutschland nicht mit einem reinen Online-Vertrieb Erfolg haben kann, zeigt Nio. Die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) weist für Nio per April gerade einmal neun Neuzulassungen auf.
So etwas soll den beiden Chery-Marken nicht passieren, sie stellen sich mit Marktstart auf die Bedürfnisse des hiesigen Automarktes ein. Dazu gehört neben Handelsbetrieben auch ein guter Aftersales-Bereich mit einem Ersatzteillager in Rheinland-Pfalz. „Wir stellen damit eine Ersatzteillieferung innerhalb von 24 Stunden sicher“, sagt Daniel Pokorny, Leiter Aftersales. Dabei arbeitet man mit dem Logistiker Kühne & Nagel zusammen. „Wir arbeiten derzeit bereits daran, eine Belieferung unserer Händler in nur zwölf Stunden sicherzustellen“, fügt Pokorny hinzu.
Damit die Kundinnen und Kunden des Newcomers in Deutschland auch ausreichend Vertrauen entgegen bringen, bieten die Marken auch eine 7-Jahres-Garantie (bzw. 150.000 Kilometer Laufleistung) auf ihre Fahrzeuge beziehungsweise acht Jahre auf die Hochvoltbatterie (oder 160.000 Kilometer) bei den rein elektrischen Modellen. Zum Start wird es noch keine E-Modelle geben, doch der Omoda 5 und der Jaecoo 5 stehen schon in den Startlöchern. Sie werden neben einer reinen E-Variante übrigens auch als Hybrid angeboten.
Jaecoo 7 PHEV startet bei 36.900 Euro
Bis die reinen Stromer kommen, müssen sich die Kundinnen und Kunden mit den beiden PHEVs Jaecoo 7 und Omoda 9 begnügen. Sie stehen mit 36.900 Euro beziehungsweise 52.900 Euro in der Preisliste. Das sind beides keine Schnäppchen, sondern selbstbewusst eingepreiste Modelle. Doch die Chery-Töchter wollen nicht als Billigheimer zum Markterfolg kommen, sondern durch Qualität und Effizienz überzeugen.
Der erste Eindruck und die ersten Testkilometer mit dem Jaecoo 7 durch den dichten Verkehr in Berlin-Mitte jedenfalls war durchaus zufriedenstellend. Der teilelektrifizierte Stromer bietet ein gefälliges Design, wartet im Innenraum mit einer guten Qualitätsanmutung auf. Der Innenraum wird vom 13,2 Zoll großen Touchdisplay bestimmt, die Fahrerin oder der Fahrer schauen auf ein 10,25 Zoll großes Digital-Cockpit. Die Chinesen legen beim Jaecoo 7 zwar Wert auf eine Reduktion der Knöpfe, doch Spiegel, Sitze und Lenkrad lassen sich wie bekannt über Knöpfe an der Türinnenverkleidung bzw. mit einem Hebel bedienen. Dafür hätten die Kolleginnen und Kollegen aus dem Entwicklungszentrum in Raunheim gesorgt, wie Sprecher Bastian Reisch anmerkt. Wie er kommen auch seine Vertriebs- und Marketingkollegen von etablierten (koreanischen Marken), sind also mit den Anforderungen des hiesigen Marktes vertraut.
PHEV mit 90 Kilometer Reichweite
Um Erfolg zu haben reicht indes eine gute Händlerabdeckung ebenso wenig aus, wie ein gutes Aftersales-Geschäft oder die Garantiebedingungen. Die Produkte müssen den Ansprüchen der Kundschaft genügen. Beim immerhin 4,50 Meter langen Jaecoo (Breite 1,86 Meter, Höhe 1,67 Meter) finden nicht nur Fahrer und Beifahrer ausreichend Platz vor, sondern auch im Fond können normalgewachsene Erwachsene anständig sitzen. Das Kofferraumvolumen ist mit 340 Litern indes nur überschaubar. Das Hybrid-System des Jaecoo 7 besteht aus einem 1,5 Liter Benzinmotor (143 PS) und einem E-Motor (204 PS), was eine Systemleistung von 205 kW entspricht. Die Batterie hat eine Kapazität von 18,3 kWh, was für eine Reichweite von 90 Kilometer sorgen soll.
Das Zusammenspiel der Motoren verläuft dabei harmonisch, im Stadtverkehr ist man damit überwiegend rein elektrisch unterwegs. Der Super-Hybrid-Antrieb im Jaecoo 7 sei auf den elektrischen Antrieb ausgelegt, sagt Reisch. Entsprechend fungiert der E-Motor als primärer Antrieb. Das verspricht gute Verbrauchswerte. Auf dem Papier sind es 2,4 Liter und 15,1 kWh/100 km. Ist die Batterie leer, sollen es 6 Liter/100 km sein. Der leere Akku kann übrigens an einem Schnelllader mit bis zu 40 kW geladen werden, an einer Wallbox sind bis zu 6,6 kW.
Verbrauch beim Alltagstest prüfen
Und in der Praxis? Bei voll geladener Batterie zeigte der Bordcomputer bei der kurzen Ausfahrt von der Oberbaumbrücke entlang dem Bahnhof Ostkreuz bis zur Rummelsburger Bucht 6,5 kWh/100 km und 1,8 Liter an. Wohlgemerkt in der City und das bei zähfließendem Berliner Verkehr. Wie sich der Verbrauch im Alltag darstellt, wird ein ausgiebiger Test zeigen. Bei der ersten Ausfahrt hinterlässt der Jaecoo 7 PHEV mit seinen Fahrleistungen einen stimmigen Eindruck. Die Lenkung spricht gut an, die Dämmung ist gut, lässt wenig Geräusche in den Innenraum. Dank eines maximalen Drehmoments von 310 Nm lässt es sich kraftvoll beschleunigen. Wer möchte, der sprintet in 8,5 Sekunden auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 180 km/h erreicht.
Der Jaecco 7 PHEV überzeugt nicht nur mit seiner Verarbeitungsqualität und guten Fahrleistungen, sondern auch einer guten Ausstattung. Neben einem umfassenden Paket an Assistenzsystemen bietet der Innenraum beispielsweise eine Lenkradheizung, eine Sitzheizung vorn, eine 2-Zonen-Klimaautomatik und mehrstufig verstellbare Kunstledersitze für Fahrer und Beifahrer. Serienmäßig fährt das Modell mit 19-Zoll-Leichtmetallrädernm, Voll-LED-Scheinwerfern, Keyless Entry und Go und eine elektrisch entriegelbare und öffnende Heckklappe vor.
In anderen europäischen Ländern hat das Angebot der Chinesen bereits verfangen, wie der Blick nach Großbritannien zeigt. Gemessen an der wachsenden Modellpalette und dem breiten Antrriebsmix dürfte die Absatzplanung von Vertriebschef Mandery durchaus realisztisch sein. In drei Jahren sollen es übrigens schon 50.000 Einheiten sein.



