Schuster kündigt Topmotorisierung für 1er an

Schuster kündigt Topmotorisierung für 1er an
BMW Einser-Projektleiter Gerd Schuster.

Mit dem neuen Einser zielt BMW auf das Premium-Segment in der Kompaktklasse ab. Projektleiter Gerd Schuster sieht gute Absatzchancen für das neue Modell, wie er der Netzeitung sagte.

BMW bringt am 18. September den neuen Einser auf den Markt. Damit wird der bayerische Autohersteller erstmals in der Kompaktklasse vertreten sein. In sein neues Modell setzt man hohe Erwartungen. «Für das kommende Jahr rechnen wir mit Absatzzahlen im sechsstelligen Bereich», sagte der Projektleiter des Einser, Gerd Schuster (42), im Interview mit der Netzeitung.

Schritt für Schritt expandieren

Netzeitung: Herr Schuster, BMW hat das Thema Kompaktklasse lange vernachlässigt. Warum kommt man jetzt mit dem Einser?

Gerd Schuster: Nachdem unsere bisherigen Modelle so gut laufen, haben wir uns gesagt, dass wir Schritt für Schritt weiter expandieren wollen. Erst kam das Segment der offroad-tauglichen Fahrzeuge mit dem BMW X5 und X3, jetzt kommt logischerweise das der Kompaktklasse.

Netzeitung: Liegt der Grund dafür aber nicht auch am schwierigen Marktumfeld, in dem sich die Autoindustrie angesichts schleppender Absatzzahlen befindet? Auch eine Marke wie BMW konnte sich doch langfristig - trotz guter Geschäftszahlen - nicht dem Volumenmarkt der Kompaktklasse verschließen.

Schuster: Der Markt der Kompaktklasse ist ohne Frage ein riesiger. Doch gerade im Premium-Segment ist der Anteil entsprechender Fahrzeuge derzeit noch ausgesprochen gering. Und mit unserem Konzept des BMW 1er sehe ich hier sehr gute Absatzchancen.

Sechsstellige Absatzerwartung

Netzeitung: Wo liegen denn die Absatzerwartungen für den Einser in diesem und in den kommenden Jahren? Man hört Zahlen von 100.000 bis zu 200.000 Einheiten.

Schuster: Zu den Absatzerwartungen in diesem Jahr kann ich nichts sagen, sie sind auch nicht so aussagekräftig, da der Einser erst im September auf den Markt kommt. Für das kommende Jahr rechnen wir aber mit Absatzzahlen im sechsstelligen Bereich.

Netzeitung: Zur Markteinführung des Einser am 18. September geht BMW mit vier Motorisierungen an den Start, für den Dezember ist von Ihnen der 118i mit 130 PS angekündigt worden. War es das, oder kommt noch eine absolute Topmotorisierung dazu?

Schuster: Es wird auch eine Topmotorisierung geben.

«Haben nicht vor, hinterherzufahren»

Netzeitung: Und, wie wird sie ausschauen?

Schuster: Darüber sprechen wir jetzt noch nicht. Aber Sie können davon ausgehen, dass wir nicht vorhaben, bei den Fahrleistungen den anderen hinterherzufahren.

Netzeitung: BMW stellt mit dem Einser erstmals ein Auto in der Kompaktklasse. Wo sehen Sie die Konkurrenz: Bei Golf V, dem Audi A3 oder auch dem Opel Astra?

Schuster: Bei der Konzeption des BMW 1er haben wir uns nicht an der

Konkurrenz orientiert. Wir wollten ein Auto definieren, dass so aussieht wie ein BMW und sich auch so fährt. Es ging uns um einen sportlichen Antrieb, Agilität, gute Fahrleistungen und ein tolles Design, mit dem sich unsere Kunden abheben von dem Einerlei anderer Hersteller. Der Fahrer stand im Mittelpunkt aller unserer Überlegungen: Er muss sich wohlfühlen, dazu gehört beispielsweise eine sportlich-klare Instrumentierung und - ganz wichtig - dass der Fahrer gerade hinter dem Lenkarad sitzt. Das ist keineswegs selbstverständlich in der Kompaktklasse.

Netzeitung: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Einser an? Wenn man sich den begrenzten Platz im Fond anschaut wohl eher Singles und junge Paare als junge Familien.

Schuster: Natürlich sprechen wir mit dem BMW 1er auch Singles und junge Paare an, das ist richtig. Aber auch junge Familien gehören zu unserer Zielgruppe, denn auch Kinder finden im Fond ausreichend Platz.

Kein Raumwunder

Netzeitung: Aber Menschen über 1,70 Meter können im hinteren Bereich alles andere als bequem sitzen. Warum hat man dem Einser im Fond nicht mehr Platz gegönnt. So wirkt er doch eher wie ein Zweisitzer mit vier Türen.

Schuster: Der BMW 1er ist sicherlich kein Raumwunder. Das überlassen wir der Konkurrenz. Zuviel Fahrspaß wäre auf der Strecke geblieben. Aber schauen Sie sich doch einmal im Straßenbild um: Wie viele Menschen sitzen denn im Auto? In der Regel doch nicht mehr als zwei.

Netzeitung: Der Einser verfügt ohne Frage über eine Vielzahl von Innovationen, aber einen Rußpartikelfilter für die beiden Dieselmotoren sucht man vergeblich. Warum bietet man ihn nicht an?

Schuster: Der BMW 1er erfüllt auch so die strenge Abgasnorm Euro 4. Ich halte auch nichts von der derzeit laufenden Diskussion, dass der Gesetzgeber Autos mit Partikelfilter steuerlich begünstigen soll. Was nötig ist, sind klare Regelungen des Gesetzgebers, welche Emisssionsgrenzwerte die Autohersteller erfüllen müssen. Doch es muss ihnen überlassen bleiben, mit welcher Technik sie diese Normen erfüllen. Stehen die EU5 Grenzwerte fest, kann man sich Gedanken über die steuerliche Förderung derer machen, die sie frühzeitig erfüllen.

Netzeitung: Nach den ersten Tests ist die Resonanz auf den Einser ausgesprochen positiv, doch im Vergleich mit dem 120d kann der 120i nicht vollends überzeugen. Er wirkt im unteren Drehzahlbereich doch etwas schwach auf der Brust. Teilen Sie diese Auffassung?

Schuster: Dieser Eindruck überrascht uns ja nicht. Schließlich haben Benzin- und Dieselmotoren immer eine unterschiedliche Charakteristik: Ein turboaufgeladener Diesel verfügt immer über ein besseres Drehmoment im unteren Drehzahlbereich als ein hubraumgleicher Benziner. Lassen Sie uns aber erst einmal die ersten Vergleichstests mit anderen Benzinern in dieser Klase abwarten. Diesen Tests sehen wir sehr zuversichtlich entgegen.

Netzeitung: Welches Fahrzeug bevorzugen Sie denn selbst?

Schuster: Ich selbst fahre einen 120d.

Das Interview mit Gerd Schuster führte Frank Mertens

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