Hyundai Ioniq 9: Für alle, die sehr viel Platz brauchen

Hyundai Ioniq 9: Für alle, die sehr viel Platz brauchen
Der Hyundai Ioniq 9 kann durchaus agil bewegt werden. © Thorsten Weigl/Hyundai

Er ist groß, sehr groß sogar. Doch es gibt offensichtlich Kundinnen und Kunden, die nach einem Fahrzeug wie dem Ioniq 9 von Hyundai verlangen. Der hat eine Länge von 5,06 Meter.

Kiedrich ist nicht Los Angeles. Die Straßen in der Weinbaugemeinde in der südhessischen Rheingau-Region sind schmal, sehr schmal sogar. Es ist gut, wenn es hier keinen Gegenverkehr gibt. Sonst wird es eng, sehr eng. Insbesondere dann, wenn man hier in einem Auto wie dem Ioniq 9 von Hyundai unterwegs ist. Auf den breiten Highways und riesigen Parkplätzen in L.A. sähe das anders aus. Doch die Koreaner hatten nicht nach Kalifornieren geladen, sondern ins Rheingau.

Der Ioniq 9 ist das das neue Elektroflaggschiff der Marke. Es kommt auf eine Länge von 5,06 Meter. Das sind noch einmal vier Zentimeter mehr als beim EV9, dem Modell der Schwestermarke Kia. Der hatte mit seiner schieren Größe bereits für Aufsehen gesorgt, weil es angesichts immer voller werdender Städte schon eine Herausforderung ist, mit einem solchen Modell auf Parkplatzsuche zu gehen – oder in ein Parkhaus zu fahren. Für Fahrzeuge dieser Dimension sind sie nicht vorbereitet. Aber eine solche Länge hat ein Ioniq 9 nicht exklusiv. Ein BMW 5er Touring beispielsweise ist identisch lang.

Wer mit einem EV9 schon einmal versucht hat, in ein Parkhaus zu fahren, wird das als Herausforderung an sein fahrerisches Können empfunden haben. Zudem wird er sich über seine Assistenten, samt 360 Grad-Kamera, gefreut haben, die ihnen vor Parkschäden bewahrt haben. Aber abseits kleiner Gemeindestraßen fühlt man sich im Ioniq 9 ausgesprochen wohl, er fährt sich für ein Auto dieser Größe erstaunlich einfach.

Viele durchdachte Details

Der Fahrer im Ioniq 9 sitz bequem, kann sich über eine gute Bedienbarkeit der Instrumente freuen. Foto: Weigl/Hyundai

Der Ioniq 9 kommt übrigens auf eine Breite von 1,97 Meter und eine Höhe von 1,79 Meter. Wer solche Abmessungen samt einem Radstand von 3,13 Meter anzubieten hat, lobt dann auch den Platz des Modells. „Der Ioniq 9 bietet den größten Innenraum im Segment“, preist der Hyundai-Pressesprecher das Raumangebot an. Dazu gehört nicht nur, dass Fahrer und Beifahrer im Ioniq 9 bequem auf Reisen gehen können, sondern dass auch die Passagiere in Reihe zwei oder drei sich über Raummangel nicht beklagen brauchen.

Je nach Wunsch kann der Ioniq 9 als Sechs- oder Siebensitzer geordert werden. Wer sich für die sechssitzige Variante entscheidet, kann sich auch über drehbare Sitze freuen. Damit kann man nicht nur das Einsteigen erleichtern, sondern, wenn man will, sich zu den Passagieren in Reihe drei drehen. Das ist alles nett und schlüssig gemacht – das trifft auch auf die Mittelkonsole zu. Die ist nicht nur verschiebbar, sondern lässt sich beidseitig öffnen – die Passagiere im Fond freut es. Sie finden in der Seite der Vordersitze übrigens USB-C-Ladebuchsen. Mit ihnen kann das Smartphone oder Tablet mit bis zu 100 Watt geladen werden.

Bis zu 2500 Liter Kofferraumvolumen

Ach ja, natürlich. Wie groß ist der Kofferraum? Bei voller Bestuhlung sind es 338 Liter, 908 Liter bei umgelegter 3. Sitzreihe und 2494 Liter, wenn alles flachgelegt wurde. Hinzu kommt der Platz im Frunk: der liegt beim Allrad bei 52 Liter, beim Heckantrieb bei 88 Liter. Damit steht dem Familienurlaub nichts im Weg, zumal natürlich auch noch eine Dachbox installiert werden kann. Die Anhängelast liegt bei 2,5 Tonnen. Auch wenn der Ioniq 9 ein Trumm auf Rädern ist, ist es den Designer mit der Linienförmig ihn eleganter auftreten zu lassen als das Schwestermodell von Kia. Aber das ist nun Geschmackssache.

Die Sitze können im Hyundai Ioniq 9 flach umgelegt werden. Foto: Hyundai

Weniger Geschmackssache ist das Fahrverhalten – und die Leistung, die das neue Hyundai-Flaggschiff zu bieten hat. Wir haben uns dabei bewusst für die kleinste Motorisierung mit 218 PS, Heckantrieb (ab 68.500 Euro) entschieden. In der von uns getesteten Techniq-Variante liegt der Preis bei mindestens 77.500 Euro. Macht man sein Kreuz dann noch wie bei unserem Testwagen u,a. bei Panoramaglasdach und Bosesoundsystem bei 79.900 Euro. Mit Allrad und 307 PS steht der Ioniq 9 ab 81.500 Euro in der Preisliste, in der Performance-Variante mit 428 PS werden 87.500 Euro fällig. Bei einem solchen Preis ist es schön, dass die Regierung den Nettolistenpreis auf 100.000 Euro angehoben hat, ab dem man noch in den Genuss der 0,25 Prozent Versteuerung kommt. Doch wichtiger als der Verkaufspreis sind die Leasingkosten. Und die gehen für Privatkunden bei 599 Euro (brutto) und für Gewerbekunden bei 449 Euro (netto) los.

Effizienter Verbrauch mit kleiner Motorisierung

Doch kommen wir zu den Fahrleistungen: 218 PS sind für ein solches Dickschiff nicht gerade viel, doch auf ausufernde Sportlichkeit legt man bei der Entscheidung für ein solches Auto nicht das Hauptaugenmerk. So lässt sich der Ioniq 9 für den Sprint auf Temp 100 auch etwas Zeit; er braucht dafür neun Sekunden. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 190 km/h. Nun ja, aber so schnell dürfte man im Ioniq 9 eher selten unterwegs sein. Seine Batterie hat zwar eine Kapazität von 103 kWh (netto), aber bei zuviel Sportlichkeit muss man schnellen an die Ladestation, als es das Datenblatt mit einer Reichweite von bis zu 620 Kilometer verspricht.

Wer es umsichtiger angehen lässt, der kommt, wie wir bei unseren Testfahrten rund úm Kiedrich auf beachtliche 17,8 kWh/100 Kilometer (im Eco-Modus). Wer in den Sportmodus wechselt und das Pedal entsprechend durchtritt, kann zusehen, wie man sich schnell den 20 kWh annähert. Wer sportlich unterwegs ist, spürt in Kurven natürlich das Gewicht von rund 2,6 Tonnen (!). Dennoch kann man im neuen Hyundai recht agil durch Kurven fahren, besser zumindest, als man es erwartet.

Laden mit bis zu 233 kW

Der Hyundai Ioniq 9 wird auch mit schicker grüner Lackierung angeboten. Foto:Thorsten Weigl/Hyundai

Ist die Batterie leer, kann dank 800 Volt mit bis zu 233 kW geladen werden. Hyundai verspricht dabei eine über längere Zeit lineare Ladekurve. Soll heißen: von 10 auf 80 Prozent werden 24 Minuten in Aussicht gestellt. Das ist mehr als in Ordnung. Nun darf man abwarten, wie die Kundinnen und Kunden auf den Ioniq 9 reagieren.

Der EV9 bei Kia kommt eher auf überschaubare Zulassungszahlen laut Kraftfahrt-Bundesamt von 747. Aber Absatz ist nicht ja nicht alles. Es geht auch ums Markenimage – und da zeigen die Koreaner mit ihrem Flaggschiff, was zu an Technologie anzubieten haben, auch wenn ein solches Auto eher für Länder wie die USA oder das Heimatland Korea konzipiert wurden.

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