Hyundai bietet mit dem Ioniq 6 auch eine Elektro-Limousine an. Auch wer die Karosserieform nicht mag, sollte sich das Modell anschauen. Es sorgt für vielerlei Überraschungen.
Limousinen gehören in Deutschland nicht zu den beliebtesten Karosserieformen. Wer sich nach einem neuen Auto umschaut, landet meist bei den SUVs. Dabei bieten gut gemachte Limousinen allein wegen ihrer Aerodynamik Verbrauchsvorteile. Klar, das Design ist bei der Kaufentscheidung mitentscheidend. Doch es ist nicht alles. Wer bei einem Elektroauto nach einem Modell mit guten Fahrleistungen und dennoch guten Verbrauchswerten sucht, landet irgendwann beim Ioniq 6 von Hyundai.
Die vollelektrische Limousine der Koreaner wird dabei mit zwei Batteriegrößen (63 und 84 kWh netto) und drei Leistungsstufen (170 PS/229 PS/325 PS) angeboten. Das Topmodell der Baureihe ist die der Ioniq 6 N, der mit 650 PS unterwegs ist. Wir waren mit der Variante mit 229 PS und großen Akku in der Ausstattungsvariante Centriq (ab 55.300 Euro) unterwegs, der eine Reichweite von bis zu 585 Kilometer verspricht. Wer soviel Geld auf den Tisch des Händlers legt, der kann dann auch einiges erwarten. Er wird nicht enttäuscht.
Sicher und komfortabel
In dieser Ausstattungsvariante fährt der Ioniq 6 nicht nur mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen (u.a. Querverkehrswarner, Autobahnassistent 2.0, Spurfolgeassistent) und einer Monitoranzeige für den Totwinkelassistenten vor. Die Monitoranzeige ist dabei Bestandteil des immerhin 2600 Euro teuren Technik-Pakets, aber sehr zu empfehlen – und das nicht nur auf der Autobahn. Es stellt einen deutlichen Sicherheitsgewinn dar, zeigt es doch in guter Auflösung den rückwärtigen Verkehr im Fahrerdisplay an.
Gerade im wuseligen Stadtverkehr vermittelt diese Monitoranzeige beim Abbiegen ein gutes Gefühl, sorgt es doch dafür, dass beispielsweise Radfahrer rechtzeitig erkannt werden. Zum Technikpaket gehört auch ein Head-up-Display, ein Parkassistent mit Fernbedienung, eine Einparkhilfe und eine 360 Grad Kamera. Das alles sorgt dafür, dass man im Alltag sicher und komfortabel unterwegs ist.
Einparkhilfe nicht zu übersteuern
Auch beim Ioniq 6 ist es wie bei vielen anderen modernen Autos so, dass einem die Assistenten manchmal aber auch das Leben erschweren – und damit ist nicht Tempo-Altert gemeint, sondern die Einparkhilfe, die vordere, hintere und seitliche Hindernisse erkennt. Das ist grundsätzlich eine super Sache, verhindert das System doch teure Einparkschäden. Nervig wird es aber dann, wenn man in Enge Parklücken rangieren will, vom System aber daran gehindert wird – obwohl hier durchaus Platz vorhanden ist. Es kann nach der erfolgten (Not)-Bremsung auch nicht durch eine Fortsetzung des Einparkvorgangs übersteuert werden. In solchen Fälle muss das System erst deaktiviert werden. Das muss man wissen, will man sich mitleidige Blicke anderer Verkehrsteilnehmer ersparen, die meinen, man sollte das Einparken nochmals in der Fahrschule üben.
Kommen wir zum Innenraum des Ioniq 6. Er erwartet die Insassen mit mit hellen Farben, einer guten Verarbeitungsqualität und elektrisch einstellbarem Fahrer- und Beifahrersitzen. Die Sitze sind bequem, bieten auch Großgewachsenen eine gute Oberschenkelauflage. Die Bedienung des Cockpits ist intuitiv – und annähernd selbsterklärend. So muss es sein. Hyundai hat zudem gut daran getan, beim zuletzt erfolgten Facelift weiter an physischen Tasten für wichtige Funktionen wie beispielsweise die Klimaanlage beizubehalten und nicht alles in der Menüstruktur des zentralen 12,3 Zoll großen Infotainment-Systems zu verbergen. Das Kombiinstrument ist übrigens gleich groß.
So wie Fahrer und Beifahrer vorn ausreichend Platz haben, brauchen sich auch Großgewachsene im 4,92 Meter langen Ioniq 6 (Breite 1,88 Meter, Höhe 1,49 Meter) und einem Radstand von 2,95 Meter nicht beklagen. Der Kofferraum bietet Platz für 401 Liter Gepäck, das ist indes nur Mittelmaß. Dafür lassen sich bei der von uns gefahrenen Variante mit Hinterradantrieb noch 45 Liter im Frunk verstauen. Wer sich für die Allradvariante entscheidet, der muss sich mit 14,5 Liter bescheiden.
Unterwegs mit 800 Volt
Doch kommen wir zu den Fahrleistungen des auf der E-GMP-Plattform basierenden Modells, das zudem mit einer 800 Volt-Architektur unterwegs ist. Sie erlaubt an einer Schnellladestation das Laden mit bis zu 260 kW. Das bedeutet, dass man den Akku von 10 auf 80 Prozent in gerade einmal 18 Minuten aufladen kann. Mit seiner Leistung von 229 PS ist unser Testwagen ausreichend motorisiert, um mit ihm auch sportlich unterweg sein zu können. Sein maximales Drehmoment liegt bei 350 Nm.
Es liegt, wie bei E-Autos üblich, sofort an und sorgt für ein ausgesprochen kraftvollen Antrieb. Tritt man das Pedal voll durch, beschleunigt man in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitzengeschgeschwindigkeit liegt bei völlig ausreichenden 185 km/h.
Auf dem Weg dorthin, erfreut einem der Ioniq 6 mit einer großen Laufruhe und einem gut abgestimmten Fahrwerk. Es ist zwar straff abgestimmt, aber nicht unkomfortabel. Bei schlechten Straßenverhältnissen schlucken die Dämpfer die Unebenheiten gut aus. Mit seinem Radstand von 2,95 Meter liegt der Koreaner satt auf der Straße – und das merkt man gerade auch bei flotten Kurvenfahrten im Weserbergland. Hier lässt sich der Ioniq 6 souverän und dank einer direkt abgestimmten Lenkung präzise von Kurve zu Kurve steuern. Der Ioniq 6 vermittelt einem dabei das Gefühl, auch bei besonders sportlicher Fahrweise alles unter Kontrolle zu haben.
Verbrauch erfreut den Fahrer
Kommen wir zum Verbrauch. Er wird laut WLTP mit 20 Zoll großen Rädern mit 15,5 kWh/100 km angegeben. Das wäre für ein Auto mit dieser Leistung und einem Gewicht von knapp über zwei Tonnen ein bereits ziemlich guter Wert, auch wenn der Ioniq 6 als Limousine im Gegensatz zu einem SUV über deutliche Vorteile bei der Aerodynamik verfügt. So kommt er auf einen cW-Wert von gerade einmal 0,21.
Doch bei den Testfahrten von Berlin ins Weserbergland unterbot der Ioniq 6 diesen Wert noch einmal deutlich: Nach einer Strecke von 344 Kilometer zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 14,3 kWh/100 km an. Das nennt man Effizienz – und erfreut jede Fahrerin und Fahrer und bestätigt ihn darin, mit der Wahl dieses Elektroautos die für sich richtige Wahl getroffen zu haben. Klar, Limousinen haben sich in der Käufergunst den Rang von Limousinen streitig machen lassen, doch der Ioniq 6 zeigt, dass man sich bei der Suche nach einem effizienten E-Auto vielleicht doch einmal wieder mit dieser Karosserieform befassen sollte.


