Greenpeace: Ölkonzerne mit 702 Millionen Euro Übergewinn

Analyse der Umweltorganisation

Greenpeace: Ölkonzerne mit 702 Millionen Euro Übergewinn
Eine Zapfpistole für Diesel. © dpa

Die Spritpreise an den Tankstellen sinken wieder leicht. Die Ölkonzerne verdienen dennoch weiter mehr als noch vor dem Iran-Krieg, so eine Analyse von Greenpeace.

Die Spritpreise an den deutschen Tankstellen sind seit der Einführung des Tankrabatts am 1. Mai wieder gesunken. Dennoch schreiben die Ölkonzerne seit dem Iran-Krieg deutlich höhere Gewinnen. Wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Freitag mitteilte, lag der Übergewinn der Ölkonzerne im ersten Monat nach der Einführung des Tankrabatts bei 702 Millionen Euro. Dieser Betrag geht aus einer Analyse des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace hervor.

Laut Greenpeace würden die Ölkonzerne weiter deutlich mehr als vor Beginn des Irankriegs – „in etwa so viel wie der Tankrabatt die Steuerzahlenden pro Monat kostet. In den Monaten März, April und Mai addierten sich die zusätzlichen Gewinne am deutschen Tankstellenmarkt laut Analyse auf 2,4 Milliarden Euro“, so die Umweltschutzorganisation.

Greenpeace kritisiert Steuerpolitik

“An den Tankstellen trifft gerade kopflose Steuerpolitik auf Wild-West-Kapitalismus. Mit dem Tankrabatt verteilt die Bundesregierung Milliarden an Steuergeld mit der Gießkanne und gleichzeitig machen Ölkonzerne sich weiter schamlos die Taschen voll”, sagt Greenpeace-Mobilitätsexpertin Lena Donat. Wie sie hinzufügte, bräuchte es „statt unsozialer Geldverschwendung“ nun „Maßnahmen wie ein Tempolimit, die den Ölverbrauch schnell senken und eine Steuer gegen die Abzocke der Ölkonzerne. Der Tankrabatt darf auf keinen Fall verlängert werden.”

Mit dem Beginn des Angriffs der USA auf den Iran am 28. Februar seien die Preise an den Zapfsäulen weit stärker gestiegen als der dem Spritpreis zugrunde liegende Rohölpreis. Dadurch würde die Branche weiterhin hohe Übergewinne erzielen. „Im Mai sind diese bei Diesel deutlich gesunken, liegen jedoch weiter bei 16,3 Millionen Euro pro Tag, während sie bei Benzin weiter anstiegen auf 6,4 Millionen Euro am Tag.“ Im April waren es täglich 4,9 Millionen Euro. “Offenbar ist der Branche die eigene Gier beim Diesel-Aufschlag nicht ganz geheuer”, so Donat. “Der harte Preisschock hat vielen Menschen die Abhängigkeit vom Öl schmerzhaft vor Augen geführt. Jetzt bedroht der einsetzende E-Auto-Boom das lukrative Geschäft der Ölkonzerne. Die Bundesregierung sollte den Trend weg vom Verbrenner hin zum E-Auto weiter beschleunigen, um Deutschland aus dem Würgegriff der Ölkonzerne zu befreien.”

Die Zulassungen von Elektroautos waren zuletzt deutlich gestiegen. Der Grund dafür liegt in den gestiegenen Spritpreisen und der Elektroautoprämie der Bundesregierung. Der Marktanteil von Elektroautos an den Neuzulassungen lag im Mai nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bei 25 Prozent.

Keine Beiträge vorhanden