Geely E2: Günstige Konkurrenz für den ID. Polo

Einstieg für unter 20.000 Euro

Geely E2: Günstige Konkurrenz für den ID. Polo
Optisch ansprechend: der Geely E2. © Geely

Geely hat viel vor in Deutschland und in Europa. Allein in diesem Jahr bringt die Marke vier Modelle auf den Markt. Eines davon ist der E2, ein Stromer mit einem Preis von unter 20.000 Euro.

Der Geely E2 dürfte bislang nur wenigen deutschen Autofahrern ein Begriff sein. Das könnte sich nun ändern. Denn der chinesische Hersteller bringt seinen elektrischen Kleinwagen nach Deutschland – und setzt mit einem Einstiegspreis von 19.900 Euro gleich ein Ausrufezeichen für ein Modell im B-Segment.

Dass der E2 hierzulande nur den wenigsten bekannt ist, überrascht ein wenig. Denn der vollelektrische Kleinwagen war im vergangenen Jahr nach einer Analyse von IHS Markit das meistverkaufte Modell im A/B-Segment. Insgesamt entschieden sich global über 465.000 Kundinnen und Kunden für den E2. Der Erfolg zeige, „dass wir mit diesem Konzept einen Nerv treffen. Ein Elektroauto muss kein Kompromiss sein“, sagte Zack Zhang, der Geschäftsführer von Geely Auto Deutschland.

Gutes Raumgefühl im E2

Das Cockpit des Geely E2 ist übersichtlich gestaltet. Foto: Geely

Kompromisse müssen die Käuferinnen und Käufer beim E2 nicht machen. Weder beim Platz noch beim Fahrverhalten und auch nicht bei der Sicherheit. Mit einer Länge von rund 4,14 Metern bietet der Stromer ausreichend Platz für Fahrer und Beifahrer. Selbst im Fond können zwei normalgroße Erwachsene auch auf längeren Strecken recht bequem in diesem Fünfsitzer Platz finden.

Um die Sicherheit muss man sich ebenfalls nicht sorgen. Im aktuellen Euro-NCAP-Test kam der E2 mit seinen sieben Airbags und seinen Assistenzsystemen auf Bestnoten und errang fünf Sterne. Zu den Sicherheitsfeatures gehört dabei auch ein in dieser Klasse eher selten vorzufindender Center-Airbag. Mit der Euro-NCAP-Bewertung kann sich der E2 selbstbewusst der Konkurrenz von Modellen wie dem neuen VW ID. Polo (ab 25.000 Euro), einem BYD Dolphin Surf oder auch einem Renault 5 stellen. Vor allem aber erweist sich der E2 mit seinem Einstiegspreis von unter 20.000 Euro als ausgesprochen günstiger Stromer. Da das Gros der Kundinnen und Kunden Elektroautos least, bietet Geely seinen Einstiegsstromer auch zu einer monatlichen Leasingrate von 99 Euro an. Darin ist indes auch eine Sonderzahlung von 6.000 Euro enthalten. Sie entspricht dem Höchstsatz der E-Autoförderung.

375 Liter Platz im Kofferraum

Der Kofferraum bietet übrigens Platz für 375 Liter und einen 70 Liter großen Frunk. Nettes Feature: Unter der Rückbank lassen sich auch noch kleine Gegenstände verstauen. Das ist alles stimmig. Wenn es denn hier etwas zu kritisieren gibt, dann waren es bei unserem Testwagen die fehlenden Bänder der Kofferraumabdeckung. Doch hier hat Geely bereits Besserung versprochen.

Einen guten Eindruck hinterlässt auch das Innenraumambiente. Bestimmt wird es von einem 14,6 Zoll großen und flott arbeitenden Touchscreen. Die Fahrerin oder der Fahrer blicken auf ein 8,8 Zoll großes Display. Die Bedienfreundlichkeit ist überwiegend gut: Geely hat sich europäischen Bedürfnissen angepasst und ermöglicht die Einstellung der Außenspiegel über Tasten an den Türen. Doch nicht alles ist so intuitiv, wie man es sich wünscht: Wer sich beispielsweise im Fahrerdisplay den Verbrauch anzeigen lassen will, der muss den rechten Knopf am Lenkrad lange gedrückt halten, um sich die entsprechenden Werte anzeigen zu lassen. Eine gute Einführung beim Händler vorausgesetzt, weiß man das aber als Fahrer.

Apropos Händler: Geely verfügt bundesweit bereits über 46 Standorte. Mit 60 weiteren Händlern seien gerade entsprechende Vereinbarungen getroffen worden, berichtet Executive Director Philipp Hempel. Mit diesem Händlernetz hofft Geely, noch in diesem Jahr mit seinen Modellen auf einen Absatz von mehr als 5.000 Einheiten zu kommen. Und nächstes Jahr? „Dann wollen wir schon fünfstellig werden“, sagt Zhang. Aber der Absatz stehe gar nicht mal im Vordergrund, vielmehr gehe es darum, bei der Kundschaft Vertrauen in die Marke zu schaffen, sagt er.

Drei Varianten im Angebot

Die Chancen dafür stehen mit Blick auf die Stärken des E2 nicht schlecht. Für den Einstiegspreis bekommt man die Ausstattungsvariante Pro mit kleiner Batterie (35,35 kWh) und einer Leistung von 60 kW/81 PS sowie einer Reichweite von 252 Kilometern. Geladen werden kann der kleine Akku mit bis zu 60 kW. Darüber rangiert die Variante Max (23.990 Euro) mit einer 47,14 kWh großen Batterie und einer Leistung von 85 kW/116 PS. Die Ausstattungsvariante Ultra kostet 26.990 Euro und ist mit der gleichen Batterie und Leistung unterwegs. Geladen werden kann die Batterie mit 80 kW. Diese Ladeleistung ist eher unterdurchschnittlich, doch Geely sagt, dass der E2 als urbanes Fahrzeug konzipiert ist und das Gros der Kundinnen und Kunden daheim an der Wallbox lädt. Von daher würde eine Ladezeit an einem DC-Lader von 30 auf 80 Prozent in 25 Minuten reichen. Dass man an einem AC-Lader indes nur mit 6,6 kW laden kann, sollte zeitnah verbessert werden.

Der Geely E2 startet bei unter 20.000 Euro. Foto: Geely

Wir waren bei den Testfahrten in und um Landshut übrigens mit dem Topmodell unterwegs, das unter anderem über 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Ambientebeleuchtung, eine elektrische Heckklappe und elektrisch verstellbare Sitze verfügt. Die 116 PS sind nun nicht dafür geeignet, es im E2 auch einmal sportlicher angehen zu lassen. Doch diese Leistung reicht für das Einsatzgebiet des Stromers allemal, der gerade einmal 1,44 Tonnen wiegt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er übrigens in 11,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 130 km/h erreicht. Ein Dynamiker ist er damit nicht, wenngleich das Fahrwerk mit seinem Radstand von 2,64 Metern seinen Job gut erledigt. Bei den Fahrten durch die Stadt und Landstraße zeigte sich der E2 übrigens ausgesprochen effizient. Der Bordcomputer zeigte 12,7 kWh/100 km an. Der WLTP-Wert wird mit 15,5 bis 15,9 kWh/100 km angegeben.

So wie sich der E2 bei den Testfahrten präsentierte, ist er ein grundsolider Stromer mit nur wenigen Schwächen. Wer die chinesischen Hersteller kennt, weiß, dass sie auf Kritik und Kundenwünsche meist schnell reagieren. Dank Over-the-Air-Updates (OTA) lassen sich Verbesserungen nachträglich schnell einspielen. Der E2 bringt abseits seines Preises einiges mit, um Geely einen erfolgreichen Marktstart zu bescheren.

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