Die Bundesregierung wird rückwirkend zum 1. Januar Elektroautos und Plug-in-Hybride mit bis zu 6000 Euro fördern. Die Höhe hängt vom jährlichen Haushaltseinkommen ab.
Rückwirkend zum 1. Januar fördert die Bundesregierung Elektroautos und Plug-in-Hybride inklusive Range Extender mit bis zu einmalig 6000 Euro. Über einen Zeitraum von drei Jahren steht dafür eine Summe von drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. „Die Mittel reichen für geschätzt 800.000 Fahrzeuge“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Montag bei der Vorstellung der neuen E-Autoprämie in Berlin. Sie gilt nur für Privatkunden beim Kauf oder Leasing eines entsprechenden Modells. Gebrauchtwagen werden nicht gefördert.
Auch Förderprogramm für Autoindustrie.
„Das Jahr 2026 ist der Beginn des Durchbruchs der Elektromobilität“, so Schneider. „Mit diesem Förderprogramm wollen wir etwas für die Umwelt tun, für unsere europäische Autoindustrie und für die Haushalte, die sich ohne Unterstützung bisher noch kein Elektroauto leisten konnten“, so der SPD-Politiker.
In den Genuss der Förderung werden dabei auch Modelle chinesischer Hersteller kommen. Wie der Minister sagte, würden im zurückliegenden Jahr „acht von zehn Elektroautos aus europäischer Produktion gekommen. In diesem Jahr werden zudem weitere, günstige Modelle deutscher Hersteller auf den Markt kommen, sagte Schneider. Damit zielte der SPD-Politiker auf den ID.Polo von VW ab, der für einen Preis um die 25.000 Euro angeboten werden soll. Mit Blick auf die Prämie von bis zu 6000 Euro könne man damit einen elektrischen Neuwagen für unter 20.000 Euro fahren, so Schneider.
3000 Euro für E-Auto, 1500 Euro für PHEV
Die Basisförderung beim Kauf oder Leasing eines E-Autos liegt bei 3000 Euro, für einen Plug-in-Hybriden (PHEVs) oder Range Extender gibt es 1500 Euro. Für die Förderfähigkeit der PHEVs müssen diese über eine reine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometer verfügen und dürfen nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Für PHEVs soll die Förderung für die Zeit ab dem 1. Juli 2027 auf den Prüfstand kommen. Dann soll geschaut werden, inwieweit sich die nun gemachten Vorgaben stärker am CO2-Ausstoß im realen Betrieb orientieren. Derzeit liegt der CO2-Ausstoß von PHEVs im Alltagsbetrieb deutlich höher, als es der WLTP-Wert aussagt.
Die Förderung erhalten nur Haushalte mit einem jährlichen Einkommen von bis zu 80.000 Euro, bei zwei Kindern sind es 90.000 Euro. Haushalte mit einem Einkommen von unter 60.000 Euro erhalten zur Basisförderung nochmals 1000 Euro. Diejenigen, die unter 45.000 Euro verdienen, bekommen 5000 Euro, pro Kind je 500 Euro, höchstens jedoch 1000 Euro. Eine Begrenzung beim Listenpreis gibt es jedoch nicht. Die Haltedauer für das Fahrzeug liegt bei der Inanspruchnahme der Prämie bei drei Jahren.
Kritik von Greenpeace
Entsprechende Kritik kommt deshalb auch von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Dass die Bundesregierung den Umstieg auf E-Autos erleichtern will und sich damit unabhängiger von vom Öl machen will wird dabei begrüßt. „Dicke SUVs und klimaschädliche Plug-In-Hybride zu fördern ist allerdings ein Irrweg, sozial und klimapolitisch. Förderung verdient, wer kleine, ressourcenschonende E-Autos für maximal 30.000 Euro kauft“, so Greenpeace in einer Mitteilung.
Mit der nun vorgestellten Förderung würde indes der „Bundeshaushalt mit Geldgeschenken für diejenigen“ belastet, „die keine benötigen. Stattdessen sollte die Bundesregierung das Förderprogramm gegenfinanzieren, indem für neue, besonders klimaschädliche Verbrenner eine Abgabe zu zahlen ist“. Im Vorfeld der Förderung hatten Lobbyverbände sich dafür ausgesprochen, dass es statt der reinen E-Autoprämie verbilligte Ladestrom gibt, beispielsweise durch ein Ladeguthaben. Doch das wurde nicht berücksichtigt.
E-Mobilität muss sich nicht nur beim Kauf rechnen
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) kritisierte dann auch die Prämie. Für den ZVEI sei nicht die nächste Kaufprämie für den Erfolg der E-Mobilität entscheidend, sondern der Strompreis an der Ladesäule. Nach einer Umfrage von Civey im Auftrag von ZVEI würden sich knapp 60 Prozent der Befragten dauerhaft günstigere Stromkosten für dass E-Auto wünschen, nur 18 Prozent bevorzugen eine Kaufprämie. „Elektromobilität nimmt in Deutschland gerade wieder spürbar an Fahrt auf. Damit das so weitergeht, muss das Laden bezahlbarer und transparenter werden“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.
Dass Deutschland im europäischen Vergleich die höchsten Strom- bzw. Ladepreise habe, sei „abschreckend und konterkariert die Emissionsziele im Verkehrssektor“, so Weber weiter. „Elektromobilität muss sich rechnen – jeden Tag, nicht nur beim Kauf.“
Für den Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sendet das Förderprogramm zwar positive Signale, dennoch sieht man es als vertane Chance „für die soziale und bezahlbare Mobilität, dass die Bundesregierung die Förderung von jungen gebrauchten E-Autos nicht mit in das Programm mit einbezieht. Denn Familien und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen kaufen meist einen Gebrauchtwagen“, so VDIK-Präsidentin Imelda Labbé. „Auch ein gebrauchtes E-Auto ersetzt in der Regel einen Verbrenner und unterstützt damit die Klimaziele der Bundesregierung. Leasingkunden werden aufgrund sinkender Restwerte von der Förderung nur eingeschränkt profitieren“, sagte sie. Dass Plug-in-Hybride gefördert werden, wird vom VDIK begrüßt, man hätte sich hier angesichts der hohen elektrischen Alltagsreichweiten der PHEV aber eine höhere Förderung gewünscht.
Die neue Förderung kann nach Aussagen von Schneider ab Mai in einem neuen Portal beantragt werden. Dieses neue Portal dürfe aber nicht zu Unklarheiten und Verzögerungen bei der Bereitstellung der Förderung führen, so der VDIK.


