Jeder fünfte Kleinstwagen in Europa ist ein Aygo X. Mit Kolben plus Wicklung setzt Toyota in diesem Segment nun neue CO2-Maßstäbe.
Er ist der Knuffige unter den Kleinen. Gern genutztes Gefährt von Altenpflegerinnen und Pizzaboten. Zu Hause mitten in der City. Da, wo die Gassen eng sind und die Parklücken rar. Damit er dort künftig noch schicker, vor allem jedoch sparsamer unterwegs ist, hat Toyota den Aygo X an die Box beordert und neben ein paar Retuschen technisch ordentlich aufgerüstet. Das Ergebnis: der erste Vollhybrid im A-Segment. Gleichzeitig sind nun sämtliche in Europa angebotenen Toyota-Modelle elektrifiziert.
Herzstück ist ein Dreizylinder-Benziner mit 1,5 Litern Hubraum, der in Kooperation mit einem E-Motor an der Vorderachse 116 PS freisetzt. Das ist mit 44 PS Zuwachs gegenüber dem Vorgänger-Antrieb mit Ein-Liter-Aggregat geradezu eine Leistungsexplosion. Herausfordernder war die Platzierung der notwendigen Komponenten. Die Akku-Zellen liegen – anders als beim Yaris – schmal und quer unter der hinteren Sitzbank. Für die normale Starterbatterie fand sich gleich nebenan ebenfalls ein Plätzchen, so dass die 231 Liter Laderaum hinter der im Stil schwedischer „Schneewittchensärge“ vollverglasten Heckklappe unangetastet bleiben konnten.
Tür in die Toyota-Welt
Dank neuer Front und einer Streckung auf 3,78 Meter reckt der weiterhin in Tschechien gefertigte Aygo X seine Nase nun noch stolzer, in den plastikbeplankten Radkästen finden sich 18 Zöller, und hinten gibt es nun Scheibenbremsen. Geblieben sind die für ein City-Car gebotene Kürze und fünf Türen. Damit ist der Zwerg aus Fernost zwar offiziell ein Familienauto – aber eben ein sehr kleines. In zweiter Reihe wird es für Kopf und Knie selbst beim Nachwuchs verdammt eng. Schon der Zustieg erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. Womöglich haben ja Yoga und Aygo nicht zufällig eine sprachliche Nähe. Allerdings öffnen sich hier eben auch die erschwinglichsten Türen in die Toyota-Welt. Und trotz schmaler Marge wissen die Hersteller: Wer sich in jungen Jahren und mit womöglich wenig Barschaft für eine Marke entscheidet, bleibt ihr meist treu. Nicht selten ein Leben lang.
Der neue Aygo X bewegt sich flott. Mit guten Manieren und weitgehend ohne lästige Geräusche. Das Zusammenspiel der Motoren mit Kolben und Wicklung verläuft so automatisch wie unauffällig, summiert sich im Schnitt aber auf einen etwa hälftigen Batteriebetrieb. In der Innenstadt kann die Verbrenner-Pause dank verstärkter Rekuperation sogar auf 70 Prozent steigen. Mit 86 Gramm CO2 je 100 Kilometer erhebt Toyota den Aygo X zum emissionsärmsten Serienfahrzeug, das nicht per Stecker aufgeladen wird. Und in der Tat: Bei 3,7 Litern WLTP-Verbrauch kommt man günstiger wohl nur noch mit dem Fahrrad voran. Kleine Anregung für Sparfüchse: Mit etwas Zurückhaltung bringt man in der City sogar locker eine Zwei vors Komma.
Wendekreis unter zehn Metern
Ebenso problemlos absolviert der Aygo X aber auch die kleine Hatz zwischendurch. Obwohl wegen der Hybrid-Technik nun 140 Kilo mehr zu bewegen sind, lässt sich mit beherztem Tritt ansprechender Vortrieb abrufen. Bis zur dritten Stelle im Tacho dauert es aus dem Stand gerade mal 9,2 Sekunden. Unter Volllast allerdings lässt der ansonsten gut gedämmte Dreizylinder knurrig von sich hören. Ein klug ausgelegtes Fahrwerk sorgt trotz magerer 2,43 Metern Radstand für akzeptablen Komfort, hält den Flitzer aber auch in schnelleren Kurven ordentlich im Lot – das schlaffe Gestühl den Fahrer hingegen kaum. Auf dem Weg Richtung Grenzbereich rutscht man auf den zu kurzen und kaum konturierten Sitzen mehr als das Auto selbst. Die Lenkung indes spricht gegenüber dem Vorgängermodell deutlich präziser an und vermittelt das gute Gefühl strichgenauer Linienführung. Apropos: Ein Wendekreis von weniger als zehn Metern ist in engen Gässchen natürlich ein Traum.
Das nun sieben Zoll große Kombiinstrument ist für einen Kleinstwagen vollkommen ausreichend, das Navi indes hinkt gelegentlich etwas hinterher oder wähnt sich neben der Spur. Ein Over-the-Air-Update kann da aber womöglich Abhilfe schaffen. Immerhin: Ab Werk hält der Aygo X die Spur, blickt per Linse und Radar nach vorne, wahrt Tempo und Abstand und wirft im Notfall den Anker. Zwei USB-C-Buchsen sind ebenfalls serienmäßig. Trotzdem ist die Basisversion ab 21.990 Euro (Einführungspreis für kurze Zeit: 19.990 Euro) eher was für Komfort-Verächter. Schicker wird’s in den gehobeneren Varianten. So lässt sich etwa eine Zweifarb-Lackierung ordern, ein Premium-Audio-System von JBL – und auf Wunsch sorgt ein Faltdach für jede Menge Luft nach oben.
Recycling spielt große Rolle
Als kleine Reminiszenz an die Renn- und Rallye-Erfolge von Gazoo Racing bietet Toyota den Aygo X auch in der Version GR Sport an. Außer etwas härteren Federn, einem dickeren Stabi und etwas mehr Lenk-Widerstand beschränkt sich das Tuning allerdings auf allerlei Zierrat und ein paar Stickereien. Dafür sind 28.390 Euro dann schon sehr ambitioniert.
Gut für alle, die selbst bei einem Hybrid-Anrieb noch das schlechte Klima-Gewissen plagt: Toyota hat beim neuen Aygo X den CO2-Fußabdruck im Vergleich zum Vorgänger um 18 Prozent gesenkt. Neben Produktion und Vertrieb spielt dabei vor allem Recycling eine Rolle. So finden sich neben den schon fast klassischen Garnen aus PET-Flaschen auch Holz-Reste und Kork-Abfälle aus der Wein-Industrie. Auf so viel Klimaschutz kann man dann schon mal ein Gläschen heben…

