Smart Forfour Benziner ist ein Schluckspecht

Smart Forfour Benziner ist ein Schluckspecht
Die farblich abgesetzte Sicherheitszelle des Forfour ist sein Markenzeichen.

Viele Dinge im Smart Forfour sind noch nicht richtig ausgereift. So verbraucht der 1,5 Liter große Benzinmotor für einen Kleinwagen deutlich zu viel Sprit.

Stefan Zaumseil

Während die erste Smart-Generation mit dem City Coupe namens Fortwo noch immer Aufsehen erregt, bleibt der größere Forfour im Straßenalltag bisher unauffällig. Schließlich ist der Forfour ein ganz normaler Kleinwagen - mit farblich abgesetzter Sicherheitszelle, fünf Türen, fünf Sitzplätzen und der üblichen Parkplatznot.

Viel Platz hinten, aber kleiner Kofferraum

Entweder viel Beinfreiheit oder ein großer Kofferraum.

Im Innenraum wird schnell klar, dass der variable Forfour das Zeug zur fahrenden Aktentasche hat. Dank der längsverschiebbaren Rücksitzbank finden die Passagiere im Fond ein Platzangebot vor, dass durchaus Mittelklasse-Qualität hat. Die Beinfreiheit wird allerdings mit einem kleinen 268 Liter kleinen Kofferraum erkauft. Da gilt es Kompromisse zu finden: Entweder schicken Sie Ihr Gepäck mit der Post oder Ihren Fahrgäste hinten wird es nach kurzer Zeit zu ungemütlich.

Den optionalen fünften Sitzplatz zu ordern, ist überflüssig, drei Kindersitze an zwei Isofix-Kindersitzbefestigungen für 30 Euro anzubringen fällt schwer - drei Erwachsene haben im Fond keinen Platz.

Die versprochen witzigen Details wie die 180 Grad schwenkbare Mittelarmlehne (210 Euro) zwischen Fahrer- und Beifahrersitz sind scheinbar nicht zu Ende gedacht: In der vorderen Position verdeckt sie unsinnigerweise die Schalter für die Fensterheber.

Der Kofferraum ist mit der 15 Zentimeter nach vorn gefahrenen Rückbank richtig groß, für noch mehr Platz verschwindet die gesamte Rückbank hinter den Vordersitzen. Wie üblich sind die Lehnen im Verhältnis 60:40 klappbar. Völlig unverständlich ist jedoch, dass für den Forfour keine Laderaumabdeckung verfügbar ist, nicht einmal mal in der opulenten Aufpreisliste.

Sicherheitsausstattung ist vollständig

Typisch Smart sind die Farben im Innenraum, die passive Sicherheitsausstattung mit Airbags, ABS und ESP ist zeitgemäß, aber nur mit zusätzlichen Griffen ins Portemonaie komplett, Windowbags kosten 250 Euro.

Die Sitze sind straff gepolstert mit angemessenem Seitenhalt, leider ist das Lenkrad nur höhen- und nicht auch längsverstellbar. Groß gewachsene Fahrer finden so keine bequeme Sitzpositition, auch wenn sie die Sitzhöhenverstellung geordert haben.

Bunt geht es auch im Innenraum zu.

Die Verarbeitung ist ordentlich, nur auf schlechten Straßen zirpt es hin und wieder in diversen Ecken der Innenausstattung. Die Türen müssen in den ersten Wochen jedesmal mindestens zweimal geschlossen werden, bevor sich alle Familienmitglieder an dem nötigen Kraftaufwand gewöhnt haben.

Den 3,75 Meter langen Smart Forfour gibt es in fünf Motorvarianten: Zwei Vierzylinder-Benziner mit 1,3 Liter (95 PS) und 1,5 Litern (109 PS), einen 1,1 Liter Dreizylinder-Benziner (75 PS) und zwei Dreizylinder-Diesel mit 1,5 Liter Hubraum und 68 PS bzw. 95 PS.

Smart hat nicht nur das Auto selbst, sondern auch die Benzinmotoren zusammen mit Mitsubishi entwickelt. Je nach Hersteller haben beide 40 Prozent oder 60 Prozent Gleichteile. Das sanfte Summen im Leerlauf und das sonore Brummen im Arbeitsmodus könnte auch vom Mitsubishi Colt stammen.

Hoher Verbrauch für einen Kleinwagen

In jedem Fall ist der Forfour 1.5 mit seinen 80 kW/109 PS ein flottes Kerlchen. Der Motor ist gerade beim Herausbeschleunigen kein Leisetreter und entwickelt bei 145 Nm Maximaldrehmoment seine Bullenkraft. Doch 190 km/h Spitze sind im Gegensatz zum Verbrauch auf der Höhe. So darf man nicht überrascht sein, dass die werksseitige Verbrauchsangabe von 6,1 Litern auf 100 Kilometern reine Theorie ist. Im Praxistest verbrauchte der derzeit größte Smart knapp acht Liter auf 100 Kilometer. Zuviel für einen Kleinwagen.

Die 550 Euro für das automatisierte Schaltgetriebe kann man sich getrost schenken. Durch die normale Fünfgangschaltung entfällt auch die nervige Schaltlücke, die den Smart Fortwo heftig nicken lässt. Es macht Spaß ohne den Zeitlupenmodus zwischen den Gängen flüssig mit dem Verkehr zu Schwimmen.

95-PS-Variante reicht aus

Die kleinere Variante des Motors mit 95 PS ist jedoch eine ausreichende Motorisierung. Damit fährt der rund eine Tonne schwere Forfour immer noch in 10,8 Sekunden auf Tempo 100 und anschließend bis 180 km/h. Die möchte man nicht einmal in dem größeren Bruder fahren, da sich ein störender Geräuschpegel ab 160 Kilometern pro Stunde einstellt.

Das Handling und die Fahreigenschaften sind allerdings sehr überzeugend. Das Getriebe schaltet sich leicht und präzise - mit der direkten Lenkung erinnert der Fortwo an ein Go-Kart. Das serienmäßige ESP und das ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung bügeln die Fehler des Piloten wieder aus.

Der Basispreis für das Topmodell Smart Forfour 1.5 liegt bei 15.140 Euro. Mit Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Navigationssystem oder Sitzheizung bewegt sich der Preis schnell in Richtung 18.000-Euro-Grenze. Ärgerlich, dass Bordcomputer (250 Euro), Nebellampen (180 Euro) und Sitzhöhenverstellung (60 Euro) extra kosten.

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