Seit drei Jahren ist das Ex-Raumwunder Espace ein SUV. Renault hat ihn jetzt ordentlich überarbeitet. Highlight bleibt das Hybrid-System.
Renault tut gut daran, alte Modellnamen wiederzubeleben. Der Erfolg des mittlerweile rein elektrischen R5 spricht dafür. Auch die elektrische Neuauflage des Twingo dürfte bei vielen Autokäufern auf Sympathie stoßen. Doch nicht jede wiederbelebte Legende liefert auch das Gefühl, das ihr Name verspricht. Beim neuen Espace etwa geht ein Stück des einst avantgardistisch verpackten Raumwunders verloren, das man mit diesem Modell verbindet. Zumal er optisch vor allem eines ist: ein weiteres SUV in einem ohnehin mit SUV-Modellen üppig besetzten Angebot von Renault. Allerdings: Angesichts eines hochwertigen Innenraums, ordentlichen Platzangebots und eines bemerkenswert geschmeidigen Sparantriebs vermisst man die alten Espace-Zeiten am Ende weniger, als man zunächst vielleicht meinen würde.
Den Espace in seiner heutigen SUV-Form gibt es bereits seit 2023. Zum Modelljahr 2026 hat Renault das Design noch einmal nachgeschärft. Mit neuer Front fügt er sich nun stimmiger zwischen den kleineren Technikbruder Austral und das sportlich gezeichnete SUV-Coupé Rafale ein. In der Seitenansicht erscheint der 4,75 Meter lange Fünftürer dagegen weiterhin etwas eigentümlich gestreckt und ein Stück weit beliebig.
Aufwendig gestalteter Innenraum
Die Erwartungen erfüllt die Fünfsitzer-Version allerdings nur bedingt, auch wenn der Neuzeit-Espace zu den geräumigeren Vertretern seiner Klasse zählt. An die Variabilität und das Raumgefühl der früher klar als Van positionierten Generationen reicht er aber nicht heran. Immerhin lässt sich die Rückbank längs verschieben, um das Verhältnis zwischen Passagier- und Gepäckraum flexibel anzupassen. Mit 692 bis 2.224 Litern Ladevolumen steht er auch auf dem Papier gut da. Und trotzdem bleibt der Eindruck: Man sitzt in einem konventionellen SUV – nicht in einem ausgeklügelten Raumwunder. Dazu passt auch das typische SUV-Gefühl der leichten Abschottung. Die Fensterflächen fallen vergleichsweise klein aus, die Übersicht ist nicht mehr so luftig wie einst im Van.
Deutlich überzeugender ist das Erlebnis am Steuer. Der Renault Espace empfängt den Fahrer mit einem aufwendig gestalteten Innenraum, in dem unterschiedliche Materialien stimmig kombiniert sind. Die digitale Bedienwelt richtet sich klar an Smartphone-Nutzer, ohne dabei komplett auf klassische Tasten zu verzichten – eine angenehm praxisnahe Mischung. Clever ist die neue Fahrererkennung: Eine Kamera in der linken A-Säule scannt das Gesicht und lädt automatisch persönliche Einstellungen wie Sitzposition, Spiegel oder bevorzugte Medien. Das Infotainmentsystem OpenR Link auf Android-Basis harmoniert hervorragend mit Android Auto. Angenehm auch: Bis zu fünf Assistenzsysteme lassen sich gebündelt per Knopfdruck in den zeitweiligen Ruhestand versetzen.
Dreizylinder plus zwei E-Motoren
Ein Highlight ist der Hybrid-System des E-Tech 200, der übrigens alternativlos ist. Der komplexe Antrieb kombiniert einen 1,2-Liter-Dreizylinder mit 131 PS mit zwei Elektromotoren (51 kW/69 PS und 18 kW/25 PS). Die elektrische Einheit arbeitet mit 400-Volt-Technik. Während der stärkere E-Motor für den Vortrieb zuständig ist, übernimmt der kleinere unter anderem das Starten des Verbrenners und sorgt für geschmeidige Gangwechsel. Im Alltag wirkt dieses Zusammenspiel erstaunlich harmonisch.
Bei zurückhaltender Fahrweise bleibt der Antrieb leise und fördert entspanntes Cruisen. Ruft man Leistung ab, folgt nach kurzer Verzögerung ein kräftiger, durch den E-Boost unterfütterter Schub. Das fühlt sich fast souverän an und kaschiert den Downsizing-Charakter des Dreizylinders gekonnt. Die Gangwechsel erfolgen automatisch und unauffällig. Vor allem im Sportmodus legt der Espace spürbar an Durchzug zu, erreicht nach 8,8 Sekunden Tempo 100 und läuft mühelos bis in den Bereich seiner Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h (offiziell 174 km/h).
Hohes Komfortniveau
Im urbanen Umfeld fährt der Espace – anders als auf der Autobahn – immer wieder rein elektrisch, unterstützt von einer effizient arbeitenden Rekuperation. Am Ende lag der Praxisverbrauch bei 6,1 Liter auf 100 Kilometer, was rund einem Liter über dem WLTP-Wert liegt. Angesichts von Fahrzeuggröße, Fahrprofil, 200 PS Systemleistung und rund 1,7 Tonnen Gewicht ist das ein absolut respektabler Praxiswert.
Hinzu kommt ein insgesamt hohes Komfortniveau. Eine gute Geräuschdämmung, ein fein ansprechendes Fahrwerk, das selbst mit 20-Zoll-Rädern Unebenheiten sauber filtert, sowie der leise Antrieb ermöglichen entspanntes Reisen. Mit einer Tankfüllung sind Reichweiten von rund 1.000 Kilometern realistisch. Wer diese am Stück zurücklegt, steigt in der Regel entspannt wieder aus – auch dank Helferlein wie dem Abstandstempomaten. Wer ein kompetentes Reisemobil für Familie und Gepäck sucht, wird hier jedenfalls fündig. Doch auch in der Stadt macht der Franzose trotz seiner Größe eine gar nicht mal schlechte Figur, denn seine mitlenkende Hinterachse macht das Trumm erstaunlich wendig.
Los geht es bei fair kalkulierten 44.000 Euro. Die besser ausgestattete Iconic-Version schlägt mit zusätzlichen 4.500 Euro zu Buche, bringt dafür aber Features wie Sitzheizung, Einparkhilfe und 360-Grad-Kamera mit. Extras, auf die man im Alltag nur ungern verzichtet. Unterm Strich lässt sich der Aufpreis daher gut rechtfertigen. (SP-X)

