In der sechsten Clio-Generation geht Renault über Hybrid-Technik nicht hinaus. Das ist okay – auch weil die EU in Sachen Klima herumeiert.
Wie das so ist mit einem Trend. Einmal gesetzt, kommt kaum noch jemand daran vorbei. Bei E-Autos heißt das immer öfter: moderne Akku-Technik – aber bitte modelliert wie Ikonen der Verbrenner-Ära. Wenige Hersteller pflegen diese Idee so konsequent wie Renault mit R5 und R4. Bei der Neuauflage ihres Bestsellers Clio mit traditioneller Technik allerdings blicken die Franzosen in Sachen Silhouette kein bisschen zurück. Ganz im Gegenteil. Die sechste Generation reckt stolz ihre Rhombus-Nase, beeindruckt mit breiten Schultern, bis zu 18 Zoll großen Rädern und einem kurzen, aber wunderbar schnittigen Heck. Schick – und doch keine Überraschung. Seit 35 Jahren besticht der Kleinwagen mit modernem Design. Die Folge: Mehr als 17 Millionen Exemplare machen den Clio zur meistverkauften Baureihe im Zeichen der Tricolore.
Damit das so bleibt, haben sie Nummer 6 um sieben Zentimeter auf 4,12 Meter gestreckt und ihr eine breitere Spur verpasst. Bei nahezu identischem Radstand von 2,60 Metern reicht das vorne wie hinten für auskömmlich Raum, auch wenn man beim Einstieg achtern den Kopf ordentlich neigen muss. Im Gepäckfach kommen – je nach Antrieb – bis zu 391 Liter unter, mit umgeklappten Rücksitzen sind es maximal 1176. Gut für den größeren Einkauf: Die Ladekante ist Im Vergleich zum Vorgänger um vier Zentimeter gesenkt.
Benziner mit und ohne Hybrid-Antrieb
Unter dem progressiven Blechkleid zeigt sich der Clio höchst konventionell mit Kolben-Technik und überlässt den Strom der Zeit seinen Batterie-Brüdern. Immerhin: Der Diesel ist wegen der aufwändigen und damit teuren Entgiftung Geschichte – und abgesehen vom spartanischen Einstiegsmodell mit 1,2-Liter-Dreizylinder (115 PS) ohne jegliche Unterstützung ist Renaults Jüngster immerhin mit Hybrid-Technik unterwegs. Zu den 158 PS Systemleistung kooperiert ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit einem Startergenerator (15 kW/20 PS) und einem E-Motor, der seine 36 kW (49 PS) aus einem Akku mit 1,4 kWh zieht. In der Stadt mit viel Möglichkeiten zur Rekuperation soll der Clio damit bis zu 80 Prozent rein elektrisch unterwegs sein. Bei einem offiziellen Verbrauch von 3,9 Litern rechnet Renault den maximalen Radius mit einer Tankfüllung auf 1000 Kilometer hoch.
Das mag im Schleichfahrt-Modus nicht gänzlich utopisch erscheinen, wer dem Zwitter-Antrieb allerdings dauerhaft ordentlich Leistung abverlangt, bringt auch eine Fünf vors Komma. Das ist noch längst kein schlechter Wert – besser aber, man lässt sich entspannt von den 15 möglichen Getriebe-Einstellungen leiten, die feinfühliger als jeder Gasfuß die diversen Kräfte so sinnreich wie verbrauchsarm kombinieren.
Bis zu 29 Assistenzsysteme
Das Fahrwerk des nicht mehr ganz so kleinen Kleinwagens macht seinen Job sehr ordentlich und bewahrt einen alltagstauglichen Mittelweg zwischen Sport und Sänfte. Auch der Drang Richtung Tangente hält sich bei zügiger Bogenfahrt in stets beherrschbaren Grenzen. Insgesamt ein gelungener Mix für die gepflegte Tour und den kleinen Kurvenhunger zwischendurch. Zum guten Eindruck trägt die gegenüber früher direktere Lenkung bei. Dafür nimmt man sogar das fast quadratische Volant in Kauf. Und ja : Weniger Hebel an der Lenksäule wären mehr gewesen. Für Sicherheit sorgt – je nach Ausstattung – eine Armada von bis zu 29 Assistenzsystemen. Die geben ein gutes Gefühl, können aber auch schnell in Bevormundung ausarten. Gute Nachricht für alle, denen häufiger Warndrang auf den Wecker geht: Auch im neuen Clio lässt sich allzu nerviges Fiepen auf doppelten Knopfdruck elegant abwürgen.
Anders als die Kontur des Clio folgt der Kommandostand weitgehend den Stromern des Konzerns. Die Basisausstattung „Evolution“ verfügt über ein sieben Zoll großes Display und einen Touchscreen mit zehn Zoll, die gehobeneren Versionen „Techno“ und „Esprit Alpine“ kombinieren zweimal zehn Zoll in leichter V-Stellung. Dazu kommt das bei Renault OpenR link genannte Infotainmentsystem mit integrierten Google Services. Eine Verbesserung ganz analoger Art wartet in den Sitzen: Stählern gestützt, bieten die Wangen auch bei schnelleren Bewegungen um die Hochachse ordentlich Seitenhalt.
Einstiegsmodell unter 20.000 Euro
Das Bestreben, dem ab sofort erhältlichen Clio auch künftig hohe Akzeptanz zu sichern, spiegelt sich im breit angelegten Preis-Korridor. In der Nackedei-Version mit Handschaltung, aber immerhin Klimaanlage und Zentralverriegelung, kommt man gerade noch unter 20.000 Euro davon, ein optionales Doppelkupplungsgetriebe kostet 1500 Euro Aufpreis. Wer sich für den ohnehin automatisierten Hybridantrieb entscheidet, muss mindestens 24.200 Euro investieren, für das Topmodell mit 18-Zöllern und Alcantara ruft Renault ab 27.600 Euro auf.
Für gerade mal 400 Euro mehr gäbe es übrigens den vollelektrischen R5. Eigentlich ein Grund, um in Sachen Antrieb mindestens ins Grübeln zu kommen. Beim aktuellen Zickzackkurs der europäischen Klimapolitik indes dürfte dem Clio auch in sechster Generation ein erfolgreicher Auftritt beschieden sein.



