Range Rover vergrößert Diskrepanzen

Range Rover Sport 3.0 TDV6

Der Range Rover Sport ist gemeinsam mit dem Range Rover wohl der vornehmste Geländewagen. Abseits des Asphalts möchte man das Nobel-SUV gar nicht bewegen.

Von Thomas Flehmer

Land Rover vergrößert Diskrepanzen. Während ein Defender wie geschaffen ist für die Wege abseits des Asphalts, werden die Hemmungen verstärkt, auch mit dem neuen Range Rover Sport die Abkürzung durch den Wald oder über die holprige Wiese zu wagen. Nicht, dass der sportliche Ableger des Flaggschiffs Range Rover keine Qualitäten auf der Waidmänner Pfade unter Beweis stellen würde. Das neue Adaptive Dynamics System unterstützt die Niveauregelung, die Dämpfereinstellungen wurden optimiert für den Einsatz über Stock und Stein oder Steigungen sowie Abfahrten, die sonst nur Ski-Abfahrer benutzen - nichts hält den Range auf.

Die Angst vor der Beule

Doch bei dem auf Basis des Discovery entstandenen SUV-Sportlers wurde nicht nur das Fahrwerk verbessert, sondern auch das Karosseriedesign sowie der Innenraum. Die Front zieren nun ein Zwei-Lamellen-Grill, der von LED-Scheinwerfern umgeben ist. Auch die Heckleuchten wurden modifiziert, ebenso die Lufteinlässe an den Kotflügeln, die wie eh und je eine besondere Dynamik des immerhin 2,6 Tonnen schweren Gelände-Boliden aufflammen lassen.

Es ist die Angst, die diese verstärkte Diskrepanz ausmacht. Die Angst, dass dem Range Rover auf seiner Fahrt durch das Gelände etwas zustoßen könnte in Form von Kratzern oder Beulen aufgrund eines Fahrfehlers, weil die dynamischen Fähigkeiten des 4,78 Meter langen Schlachtschiffes den Fahrer zu Höchstleistungen anspornen, ist durchaus gegeben.

Allzweckwaffe unter der Motorhaube

Eigener Karosserie-Stil Foto: AG/Flehmer

Das Fundament dieser Dynamik liefert der neue Sechszylinder mit 180 kW/ 245 PS, der auch in anderen Modellen von Land Rover und Jaguar unter der Motorhaube arbeitet. Das Aggregat aus der Kooperation zwischen Ford und Peugeot hat sich in der letzten Zeit zur Allzweckwaffe des britischen Herstellers entwickelt. 600 Newtonmeter bringen den Sport schon bei 2000 Kurbelwellen-Umdrehungen pro Minute auf Trab, innerhalb von 9,3 Sekunden ist Tempo 100 erreicht.

Dabei stellt der Geländewagen auch auf der normalen Straße seine sportlichen Fähigkeiten unter Beweis. Dank zweier Turbolader ist ein agiles Anfahren ohne Turboloch möglich, die Automatik schaltet fast ohne Zugkraftunterbrechung die Gänge hoch. Es ist eine Wonne, sich nur auf das Lenken und Gasgeben konzentrieren zu müssen.

Innenraum zum Wohlfühlen

Elegantes Ambiente Foto: Land Rover

Noch dazu in einem Ambiente, das die Wonne steigert. Vornehm britisch ist der Innenraum gestaltet, alles wirkt aufgeräumt und edel zwischen Leder und Holz. Das Armaturenbrett wurde übersichtlicher gestaltet, auf den ein oder anderen Schalter verzichtet, was der Bedienbarkeit zugute kommt.

Die Sitze wurden weiter verbessert, doch das ist ein Aspekt, der nicht so stark auffällt, da bereits vorher schon ein komfortables Sitzen möglich war, auch auf den hinteren Plätzen vor dem 985 Liter fassenden Kofferraum, der sich mit heruntergeklappten Sitzen auf über 2000 Liter vergrößert und somit fast schon ein eigenes Zimmer hinter den Vordersitzen darstellt. Kein Wunder, dass die Diskrepanz gemeinsam mit den Ängsten kontinuierlich steigen.

Schluckbeschwerden inklusive

Auch im Gelände voll einsetzbar Foto: Land Rover

Zumal sich auch die Verbrauchswerte 1,78 Meter hohen und ganzen 2,15 Meter breiten Range Rovers für diese Ausmaße sehen lassen können. Knapp zehn Liter benötigte das Aggregat über Land, durch die Stadt war es auf 100 Kilometer rund ein halber Liter mehr. Angesichts eines Tankinhaltes von 84 Litern sind große Reichweiten möglich, auch wenn man nach einem Tankvorgang an der Kasse zunächst schlucken muss.

Auch bei der Anschaffung sind die Schluckbeschwerden nicht ganz verschwunden. 61.600 Euro lautet der Grundpreis, der von uns gefahrene Testwagen mit Glasdach, Dynamic Response, Rückfahrkamera und vielen weiteren und schönen Extras war bei 71.740 Euro angesiedelt. Auch mit dieser Summe vergrößert Land Rover aber auch die Diskrepanzen, hier zwischen Wunsch und Wirklichkeit - leider.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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