Im Winter kommt der Allradantrieb im neuen Opel Grandland besonders gut zur Geltung. Dank zweier E-Motoren auch ganz ohne Verwindung.
Bei seiner Vorstellung im Sommer fand der neue Opel Grandland Electric mit Allradantrieb noch nicht die richtigen Bedingungen, um seine Vorteile zu zeigen. Nun im Winter hat sich das fundamental geändert. Die AWD-Version in der Ultimate-Ausstattung schlägt sich dabei in allen Fahrlagen sehr gut. Innenstadt, Landstraße und Autobahn absolviert das SUV souverän und ruhig. Besonders in der Stadt und auf dem Pass kommt dem Auto das Zwei-Motoren-Konzept zugute, denn diese Form des Allradantriebs erlaubt – anders als bei Verteilergetriebe und Kardanwelle – kleine Kurvenradien, was in engen Serpentinen für größere Beweglichkeit sorgt.
Die Bedienung des Fahrzeugs geht leicht von der Hand, Entertainment und Instrumentierung sind intuitiv angelegt und auch ohne Studium des Bordbuchs flüssig zu bedienen. Lediglich bei der Navigation muss der Ortsunkundige Abstriche machen, denn gerade bei Umleitungen oder in städtischen Kreisverkehren gönnt sich die Elektronik zuweilen etwas zu viel Bedenkzeit und führt daher manchmal in die Irre. Hier wäre es besser gewesen, die Entwickler hätten auf eine Integration der entsprechenden Systeme von Google oder Apple vertraut, anstatt selbst tätig zu werden.
Im Alltag Flüstersänfte
Der Elektroantrieb macht den Grandland zu Flüstersänfte, im Sportmodus jedoch, in dem das Auto die 325 PS im Verhältnis von 60:40 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, wird das mehr als 2,3 Tonnen schwere SUV – fast – zum Sportwagen. Meckern lässt sich allenfalls auf hohem Niveau: Die Bewegungen des Aufbaus können die Magennerven der Mitfahrenden stark beanspruchen, auch die Lenkung könnte etwas präziser sein. Die Bremsen fordern beherztes Auftreten, halten die Fuhre aber jederzeit gut im Zaum. Aufgrund des indifferenten Druckpunkts wirken sie jedoch etwas schwammig.
Unruhig könnten sportliche Fahrer oder Fahrerinnen außer an der Händlerkasse (ab 59.900 Euro) allenfalls an der Ladesäule werden, denn die rund 150 Kilometer in alpenländischer Umgebung haben an der nach WLTP ausgelobten Reichweite von 513 Kilometern ordentlich geknabbert: In der bei Start zu 100 Prozent gefüllten 73-kWh-Batterie schlummern am Ende des Tages lediglich noch 21 Prozent Ladung. Der Normverbrauch von 18 kWh/100 km ist bei anspruchsvoller Strecke und kälterem Wetter eher nicht zu erreichen. (SP-X)


