Geläufige Modellnamen zu recyceln ist unter Autoherstellern gängige Praxis. Mitsubishi belebt den Grandis aber nicht mehr als Van, sondern als Familien-SUV.
Als kleinster der drei Hersteller findet Mitsubishi in der Allianz mit Renault und Nissan die größten Vorteile. Statt kostspieliger Eigenentwicklungen werden auf gemeinsamen Plattformen Pkw angeboten, die zu ihren franko-japanischen Pendants selten mehr Unterschiede aufzuweisen haben als in Preis und Ausstattungs-Merkmalen. Der Zwilling des neuen Grandis heißt Symbioz und der Renault hat exakt die gleichen Maße wie der Mitsubishi. Die Versuche, mittels gezielter Kosmetik in Front- und Heckbereich am Grandis Eigenständigkeit und Charakter zu betonen, sind überschaubar.
Laut Hersteller sei der Fünftürer ein „Familienauto, das den Anforderungen eines aktiven Alltags gewachsen ist“. Nur dürfte es wohl von einem aktiven Alltag ungefähr genauso viele unterschiedliche Vorstellungen geben, wie es Familien gibt. Dass ein Kompakt-SUV mit vier Türen und elektrischer Heckklappe (Top-Ausstattung) für Vielseitigkeit und hohen Alltagsnutzen steht, ist aber unbestritten. Über die gefahrene Hybrid-Version mit 158 PS Systemleistung hinaus gibt es noch eine Variante mit 1,3-Liter-Benziner und 140 PS.
Vorlauter Vierzylinder
Die Systemleistung des Doppelherz-Grandis setzt sich aus einem 1,8 Liter großen Vierzylinder mit 109 PS und einem Permanentmagnet-Synchronmotor zusammen, der 36 kW (49 PS) leistet und auf die Vorderachse wirkt. Es ist das gleiche System, das zum Beispiel auch im Modell ASX angeboten wird. Mit 205 Newtonmetern Drehmoment übertrifft die E-Maschine den Verbrenner deutlich (170 Nm), eine Angabe zum Systemdrehmoment fehlt jedoch im offiziellen Datenblatt. Spürbar ist die gemeinsame Schubkraft sehr wohl, denn beim Anfahren geht es munter zur Sache und nach 9,1 Sekunden ist die 100 km/h-Marke erreicht.
Im Stadtverkehr wird häufig rein elektrisch gefahren, was dem Verbrauch zugutekommt. Allerdings muss im Tempobereich zwischen 40 und 55 km/h, wo Abroll- und Windgeräusche keine Rolle spielen, damit gerechnet werden, dass sich der Verbrenner hörbar zu Wort meldet. Er hat nämlich auch die Aufgabe, die 1,4-kWh-Batterie auf einem gesunden Füllstand zu halten, was zu höheren Drehzahlen des Benziners führt, als es aufgrund der Geschwindigkeit nötig wäre. Auf den leicht brummeligen Motorsound hätte man gern verzichtet, aber das ist der Preis, den man für die streckenweise Elektrofahrt zahlen muss.
Variabel und beladefreundlich
Der Name Grandis klingt, als dürfe man mit üppigen Platzverhältnissen rechnen. Sie auf 4,41 Metern Karosserielänge zu realisieren, ist jedoch nicht so einfach. Die Innenbreite der Kabine beträgt vorn 1,39 Meter, hinten 1,35 m. Das ist weniger, als es zum Beispiel im Mitsubishi ASX gibt. Die zweite Sitzreihe ist um 16 Zentimeter verschiebbar, in Normalposition bleibt die Kniefreiheit auskömmlich. An Gepäckvolumen sind zwischen 434 und 1455 Liter realisierbar, die Ladekante ist mit 74 Zentimetern um 40 Millimeter niedriger als bei ASX und somit beladefreundlicher.
Es wird niemanden überraschen, dass sich in der Grandis-Kabine auch Renault-Fahrer wie zuhause fühlen würden. Lediglich das Diamant-Logo auf dem Pralltopf des Lenkrades erinnert an die japanische Marke, von der (nach wie vor) sehr unpraktischen Schlüsselkarte bis hin zum Lenksäulen-Satelliten für die Lautstärke-Regelung ist alles made in France. Wer sich für die knapp unter 40.000 Euro rangierende TOP-Ausführung entscheidet, bekommt frei Haus 19-Zoll-Alufelgen, LED-Scheinwerfer, Lederpolster, Harman-Kardon-Soundanlage, ein Arsenal aus neun Assistenz-Systemen, Klimaautomatik, Frontscheiben-und Sitzheizung, USB-Schnittstellen vorn und hinten sowie ein elektrochromes Glasdach, dass sich auf Knopfdruck eindimmt.
Nur magere Anhängelast
Der 1,8-Liter-Vollhybrid bringt nicht nur 18 PS mehr auf die Straße als der Mildhybrid, er soll trotz größeren Hubraums auch noch sparsamer sein. Um allerdings die nach WLTP-Regeln gemessenen 4,4 Liter/100 km zu erreichen, muss man schon recht viel im Stadtverkehr unterwegs sein, folglich viel elektrisch fahren und auch keine Gelegenheit zum Rekuperieren verpassen. In unserem Test mit etwa 50 Prozent Überlandanteil kamen wir auf 5,6 Liter, was durchaus ein ordentlicher Wert ist. Der Hersteller verspricht 9,1 Sekunden für den Standardsprint und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Unser GPS-Messung ergab sogar 182 km/h. Wer mit Anhänger unterwegs sein will, muss einen Dämpfer verkraften: Nur 1000 Kilogramm beträgt die erlaubte Last – weniger als bei dem kleineren und schwächeren Mild-Hybrid.
Das Fahrwerk ist – ganz nach dem Geschmack der anvisierten Käufer-Zielgruppe – nicht auf sportliche Ambitionen ausgelegt. Es macht einen ausgewogenen Eindruck und zeigt gern seine Fähigkeit, Bodenwellen in ein entspanntes Fahrgefühl zu übersetzen. Bei Querfugen kann es etwas rumpelig werden, aber das Tempo, mit dem man sie überfährt, hat man schließlich selbst in der Hand. Die leichtgängige Lenkung erleichtert das Manövrieren im urbanen Umfeld, sie sollte bei höherem Tempo außerorts aber mehr Rückmeldung geben.
Ab 25.990 Euro ist der Grandis zu haben. Das ist eine Größenordnung, die für eher selten mit großen Budgets ausgestatteten junge Familien attraktiv sein könnte, zumal Mitsubishi mit fünf Jahren Garantie und möglicher Verlängerung lockt. Die vielen Annehmlichkeiten aus der TOP-Ausstattung bleiben ihnen dann freilich verwehrt, denn schon die Wunschfarbe kann dort den Preis über 40.000 Euro hieven.

