Mercedes SL 63 4Matic: Roadster alter Schule

Entwickelt von AMG

Mercedes SL 63 4Matic: Roadster alter Schule
Die neue SL-Baureihe R 232 von Mercedes soll wieder mehr Kunden begeistern. © Mercedes

Die Absatzzahlen des Vorgängers waren enttäuschend. Doch das soll mit dem neuen Mercedes SL 63 4Matic+ anders werden.

Der Absatz des Raodsters, besonders in Deutschland, sank in den vergangenen Jahren auf nahezu homöopathische Dosen. Dabei zählte der SL hier einst zu den am meisten verkauften Cabrios. Damals erhielt der Roadster sein erstes elektrisches Verdeck und trug den internen Baureihen-Code R 129.


Mit der im Frühjahr erscheinenden neuen SL-Baureihe R 232 soll die Sache wieder deutlich Fahrt aufnehmen. Mercedes spricht selbstbewusst von einer „Luxus-Ikone der 20er-Jahre“. Dafür hat man sich gegenüber dem Vorgänger mächtig ins Zeug gelegt und keinen Stein auf dem anderen gelassen: neues Design, neues Chassis, neuer Antrieb und – nach zwei glücklosen Hardtop-Generationen – gibt es nun wieder ein klassisches Stoffverdeck, das sich in effizienter Z-Faltung per Touchbedienung innerhalb von 15 Sekunden öffnen oder schließen lässt.

Verbesserte Alltagstauglichkeit

Doch nicht nur die platzsparende Verdeck-Konstruktion – sie vergrößert den Kofferraum – soll die Alltagstauglichkeit des Roadsters verbessern, sondern auch das 2+2-sitzige Layout, selbst wenn hinten allenfalls Kleinkinder sitzen können. „Aber es lässt sich bequem eine Sporttasche oder anderes Utensil hinter die Vordersitze schmeißen“, sagt Projektleiter Frank Emhardt.

Entwickelt hat den SL erstmals die Mercedes-Performance-Tochter AMG, mit dem Ziel, dem Roadster wieder mehr Sportlichkeit unters Blech zu packen. Schließlich soll der SL den Platz des AMG GT Roadster einnehmen, der selbst keinen Nachfolger erhält. Und es gehört nicht viel Fantasie dazu, dass AMG den technischen Unterbau des SL definitiv nutzen wird, um sein nächstes GT Coupé auf die Räder zu stellen.

Leichte Alu-Space-Frame-Architektur

Das Cockpit des Mercedes SL 63 mit einem großen Mitteldisplay. Foto: Mercedes

So steckt unter der 4,71 Meter kurzen Aluminium-Karosserie des SL eine hochstabile, selbsttragende und leichte Alu-Space-Frame-Struktur. Sie bildet die Grundvoraussetzung für ein direktes und solides Fahrverhalten. Maßgeblichen Anteil daran aber hat auch das erstmals bei AMG eingesetzte, hydraulische Aktiv-Fahrwerk (Ride Control). Es besitzt keine Stabilisatoren mehr.

Deren Aufgabe übernehmen Hydraulikzylinder. Sie reagieren innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde auf jegliche Fahrsituationen und Straßenzuständen. Zudem tritt der SL erstmalig mit einem vollvariablen Allradantrieb und mitlenkenden Hinterrädern an.
Fehlt zum Roadster-Glück eigentlich nur noch ein standesgemäßer Antrieb. Wer jetzt denkt, in Zeiten von Nachhaltigkeit und Klimawandel würde der neue SL unter Strom gesetzt, irrt. Er ist noch nicht einmal hybridisiert. Das kommt später. AMG entschied stattdessen, zunächst seinen bekannten V8-Biturbo unter die lange Motorhaube zu packen, nicht zuletzt, weil die USA, und hier speziell Kalifornien der Hauptabsatzmarkt für den Roadster sein wird.

Leistung von 585 PS

Das Vierliter-Aggregat entwickelt in der Version 63 4Matic+ stramme 585 PS und 800 Newtonmeter an Drehmoment. Was den Preis angeht, den will AMG erst im Februar bekanntgeben. Als Orientierung dient das etwa gleichstarke Porsche 911 Turbo Cabriolet (208.216 Euro).

Man wird hier aber darunterbleiben, heißt es aus Affalterbach. Wir schätzen, es dürfte bei rund 190.000 Euro losgehen. Entscheidet sich der Kunde für die etwas „zahmere“ Ausführung 55 4Matic+ stecken unter dem SL immer noch 474 PS und 700 Newtonmeter. Hier wären es dann etwa 160.000 Euro.

Überzeugt mit souveränen Fahrleistungen

Für den SL-Käufer nicht das entscheidende Kriterium. Er darf sich vielmehr auf äußerst souveräne Fahrleistungen freuen. Der neue SL überzeugt in jeder Situation, verblüfft mit einer messerscharfen Präzision und Handlichkeit, selbst wenn es mal zügiger ums Eck gehen sollte als ursprünglich gewollt.

Auf der anderen Seite verfügt der Roadster über exzellente Komforteigenschaften, die auch längere Touren nicht zu Torturen werden lassen. Besondere Glückshormone werden da natürlich freigesetzt, wenn bei versenktem Verdeck leere Landstraßen, langgezogene Kurven und ein wolkenloser Himmel zu einer Art Traumkonstellation verschmelzen, bei der man sich wünscht, möge das Ganze doch bitte bis hinter den Horizont weitergehen.

Höchstmaß an Komfort

Der Mercedes SL 63 ist wieder mit Stoffverdeck zu bekommen. Foto: Mercedes

Dass der SL dabei seine Insassen in höchstem Maße mit Komfort und Sicherheit umgibt, gehört zur Philosophie des Hauses. An Assistenzsystemen ist alles an Bord – oder kann gegen Aufpreis geordert werden – was derzeit am Markt weltweit zur Verfügung steht. Gleiches gilt für Konnektivität und Infotainment. Moderner ist derzeit kein Roadster ausgestattet.

Gut gelungen ist den Designern dabei das Cockpit. Es stellt so etwas wie einen Mix aus analoger Geometrie und digitaler Welt dar. Letztere bestimmt sehr dominant der riesige Touchscreen, für den sich AMG etwas Besonderes ausgedacht hat. Er lässt sich in der Neigung elektrisch um 20 Grad kippen – falls die Sonne ihre Strahlen mal im falschen Winkel ins Cockpit schicken sollte. (SP-X)

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