Maserati Grecale: SUV mit italienischer Noblesse

Maserati Grecale: SUV mit italienischer Noblesse
Mit dem Grecale bringt Maserati im Sommer sein zweites SUV-Modell auf den Markt. © Maserati

Wieder ein SUV. Nach dem Levante bringt der italienische Autobauer Maserati nun den Grecale auf den Markt. Wir sind ihn schon gefahren.

Schon mal von Ghibli, Mistral, Bora und Khamsin gehört? Wer einen eingefleischten Maserati-Fan fragt, wird leuchtende Augen ernten. Alles sind Modelle der italienischen Traditionsmarke. Heutzutage eher bekannt ist der Levante, das Oberklasse-SUV ist der Bestseller in der Maserati-Familie.


Hinter all den Bezeichnungen stecken Winde, die rund ums Mittelmeer wehen. Was lag also näher, auch dem jüngsten Modell der Italiener einen entsprechenden Titel zu verleihen. Der Namenspate ist Grecale, ein weithin unbekannter recht starker Nordost-Wind, natürlich ebenfalls mediterraner Abstammung.

Deutlich kürzer als Levante

Einen Namen, den man sich merken sollte. Der Grecale ist mit 4,86 Metern glatte 14 Zentimeter kürzer als sein großer Bruder Levante, tritt im klassischen SUV-Look an und mischt den hoch geschätzten Sportsgeist von Maserati mit dezenter Noblesse. Er startet im Herbst auch in Deutschland und ist mit einem Preis ab 71.000 Euro (GT) das günstigste Modell mit dem Dreizack. Das Top-Modell Trofeo hat den Sechszylinder aus dem Super-Sportwagen MC 20 mit 530 PS unter der Haube und kostet 111.000 Euro.

Sanfte, statt schreiende Farben, erlesene Materialien aus Leder, Holz oder Karbon: Der Arbeitsplatz für den Fahrer kombiniert Tradition mit zeitgemäßer Modernität. So informieren gleich vier Monitore, die beiden mittleren sind zusammen über 20 Zoll groß. Nostalgie dagegen die chromumrandete Analog-Uhr an der oben Kante des Armaturenbretts. Allerdings nutzt auch sie einen kleinen Bildschirm, der das Chronometer-Design akribisch nachempfindet.

Unterm Dach von Stellantis

Erste Testfahrten rund um Mailand, eigentlich das Mekka der Schwestermarke Alfa Romeo. Dieser Grecale trägt den Namen der Stadt Modena, wo Ferrari zu Hause ist. Dabei ist Maserati stolz auf seine Unabhängigkeit von der noblen Verwandtschaft. Allerdings ist man auch unter das Dach des neuen Riesen-Konzerns Stellantis geschlupft ist, zu dem unter anderem Peugeot, Citroen, Opel, Jeep, Chrysler und eben auch Fiat gehören. Neptuns dreizackige Harpune, das Erkennungszeichen von Maserati, wird also zur Luxus-Speersitze von Stellantis.

Noch vor dem Anschnallen fällt auf, dass nahezu alle klassischen Knöpfe und Schalter im Grecale ausgedient haben. Sogar der übliche Wählhebel der Achtgang-Automatik musste Drucktasten weichen, die zwischen den beiden Zentraldisplays angeordnet sind. Wer betont sportiv die Wahl der Gänge selbst bestimmen will, nutzt die beiden großen Paddels hinterm Lenkrad, dessen Vorderseite allerdings von weiteren Bedienelementen nur so strotzt.

Tempomat, Sprachbedienung und vieles mehr wird hier bedient. Es wird wohl eine Weile dauern, bis künftige Grecale-Kunden Sinn und Zweck der einzelnen Tasten auswendig gelernt haben, um sie dann blind zu treffen. Da sie in glänzend-schwarze Klavieroptik eingebettet sind, ist die jeweilige Kennzeichnung kaum zu entziffern.

Mit Mild-Hybrid-System

Ein Druck auf den Startknopf weckt des Zweiliter-Vierzylinder und im Hintergrund wohl auch das sogenannte Mild-Hybrid-System. Der Grecale Modena und auch das Basismodell GT nutzen diese Art sanfter Elektrisierung. Dank einer spannungsgeladenen Batterie mit 48 Volt entfallen Lichtmaschine und Anlasser, was natürlich ein paar Tropfen Sprit spart. Im Blickpunkt steht jedoch, dass die zusätzliche Kraft als sogenannter E-Booster genutzt werden kann. Das haucht dem Benziner beim Beschleunigen noch ein paar PS mehr ein, stopft das übliche Turboloch bei niedrigen Drehzahlen und sorgt so beim Spurt für einige Zehntelsekunden weniger.

Wobei der Vierzylinder mit seinen 330 PS eine solche Art Doping nicht wirklich nötig hätte. Der Motor dreht energisch hoch, schon bei vergleichsweise bescheidenen Umdrehungen (ab 2.000) meldet sich die maximale Durchzugskraft. Dabei entsteht ein kerniger, aber nie nerviger Sound, den die Geräuschdesigner ein wenig in Richtung einer brünftigen Klangkulisse dirigiert haben. Das Allradfahrwerk hält, was die Töne versprechen. Der Grecale überzeugt im Kurvengeschlängel enger Landstraßen rund um Mailand dank einer perfekt-spurtreuen Lenkung, die trotz geringem Kraftaufwand fest in den Händen liegt. Seine Rückmeldung ist klar und nie schwammig. Ein Sport-SUV eben.

Preis bei 82.000 Euro

Natürlich kann die Serienausstattung des mindestens 81.991 Euro teuren Grecale Modena deutlich veredelt werden. Gegen 2.800 Euro Aufpreis lockt eine Luftfederung, mit der die lichte Höhe der Bodenfreiheit angepasst werden kann. Wer alle bekannten Assistenzsysteme an Bord haben will, muss sich ein Paket schnüren lassen, dass dann 5.900 Euro extra kostet. Serienmäßig ist aber immer eine feine Lederausstattung für Sitze und Teile der oberen Armaturentafel oder auch die Applikationen aus Edelholz.

Gratis auch die unterschiedlichen Modi-Charaktere wie Sport, Komfort, Offroad oder GT, mit denen später im Alltagsleben vor allem die echten Freaks hantieren werden. So wird im Sportmodus das Auto um 1,5 Zentimeter abgesenkt, während bei „Offroad“ die Bodenfreiheit um zwei Zentimeter steigt. Mit Luftfederung sogar um sechs Zentimeter.

Trofeo ist Topmodell

Den Maserati Grecale wird es ab 2023 auch elektrisch geben. Foto: Maserati

Für das Top-Modell, den Grecale Trofeo, ist das „Corsa-Programm“ reserviert. Zum gepflegten Driften ist die Traktionskontrolle weniger aktiv, die Gänge werden höher ausgedreht und das Gaspedal gibt sich besonders sensibel. Das 530 PS starke und 111.000 Euro teure SUV kann so auch für den Ausflug auf die Rennstrecke fit gemacht werden.

Bei aller Sportlichkeit ist der Grecale auch mit Blick auf den Hauptkonkurrenten Porsche Macan voll alltagstauglich. Ein großes Gepäckabteil macht den neuesten Maserati bei umgeklappten Rücksitzen sogar zum Luxus-Laster. Maserati rechnet damit, dass sich in den USA wegen dieser Eigenschaft viele weibliche Käufer erstmals einen solchen Italiener kaufen werden. Zumal auch der Radstand von knapp drei Meter die Welt der Hinterbänkler zu einer besseren verwandelt, wenn es um Bein-, Schulter- oder Kopffreiheit geht.

Der spannendste Grecale allerdings lässt noch ein Jahr auf sich warten. 2023 erscheint das erste reine E-Auto mit dem Dreizack, das den Beinamen Folgore (italienisch für Blitz) trägt. Seine schon verratenen Highlights sind die 105 kWh-Batterie im Unterboden, 400 Volt Ladetechnik, je ein Elektromotor pro Achse, 800 Newtonmeter Drehmoment. Über Reichweite, Fahrleistungen und Preis schweigt sich Maserati derzeit noch aus. (SP-X)

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